Warum Investoren in Europa auf flexible Credit-Strategien setzen sollten

IM ÜBERBLICK

  • Europäische Credits stehen hoch im Kurs, vor allem bei Investoren, die ihre US-Anlagen diversifizieren wollen.
  • Das Konjunkturumfeld in Europa ist günstig, und die Unternehmen sind durchweg stabil.
  • Aber die Unsicherheit macht den Markt immer volatiler. Damit müssen Investoren umgehen.
  • Flexible Strategien, die Credit- und Durationsrisiken aktiv steuern, sind gut aufgestellt, um von dieser Volatilität zu profitieren.

2025 wurde immer mehr Kapital nach Europa umgeschichtet. Angesichts des plötzlichen Wandels der Politik des Weißen Hauses überdachten Investoren ihre Positionierung – vor allem die Übergewichtung amerikanischer Titel. Weil Europa vergleichsweise stabil ist, sich hier das gesamtwirtschaftliche Umfeld verbessert und die Fundamentaldaten der Unternehmen durchweg gut sind, verzeichneten europäische Credits hohe Mittelzuflüsse.

Da einige der Schocks, die das Jahr 2025 prägten – beispielsweise die von den US-Zöllen ausgelöste Volatilität –, jetzt nachlassen, dürfte das Anlegerinteresse an Europa in diesem Jahr steigen, zumal europäische Credits eine stabile Performance und hohe Gesamtrenditen bieten.  Das bedeutet aber nicht das Ende der Unsicherheit. Wegen der unvorhersehbaren US-Politik dürften sich Europa und die USA weiter unterschiedlich entwickeln, sodass die europäischen Credit-Märkte volatiler werden könnten.

In diesem Umfeld ist die Fähigkeit, flexibel auf sich schnell ändernde Bedingungen zu reagieren und die Duration aktiv zu steuern, heute wichtiger als irgendwann sonst in den letzten Jahren.

Warum europäische Credits?

Europäische Credits können in einem Anleihenportfolio mehrere wichtige Vorteile haben. Einer fiel kürzlich besonders auf: die Länderdiversifikation für Investoren, die ihre langfristige Übergewichtung der USA und das damit verbundene Dollarrisiko vermindern wollen.  Weil zahlreiche Investoren – insbesondere jene, die nicht in US-Dollar investieren – in Reaktion auf die neue US-Politik ihre Portfolios diversifizieren wollen, ist die Nachfrage nach europäischen Credits gestiegen. Deshalb sind ihre Spreads grundsätzlich im Vergangenheitsvergleich nach wie vor eng.

Dieser Trend dürfte anhalten, und Europa wird davon vermutlich weiter am meisten profitieren. 2025 wurden über 360 Milliarden Euro in europäische Anleihenfonds investiert,1 was das große Anlegerinteresse belegt.  Trotz dieser Zuflüsse lagen Investmentgrade-Anleihen und High Yield um etwa 3% und mehr als 5% im Plus. Neben den erheblichen Diversifikationsvorteilen boten europäische Credits also auch solide Erträge.

Da die Kosten der Dollarabsicherung die Erträge von US-Papieren aus Sicht ausländischer Investoren weiter belasten, dürfte das Ertragsargument für europäische Anleihen auch 2026 gelten.

Zudem dienen europäische Credits auch der Diversifikation von Aktienrisiken. Sie sind ein gutes Gegengewicht zu Aktienpositionen, die sich 2025 gut entwickelt haben. Gerechnet in Euro erzielte der STOXX Europe 600 Mehrertrag gegenüber dem S&P 500. 

Auch die Fundamentaldaten sprechen für europäische Credits. Die europäische Wirtschaft wächst weiter, und die Inflation ist wieder auf das 2%-Ziel der Europäischen Zentralbank zurückgegangen. Sie könnte zeitweise sogar unter diese Marke fallen. Deshalb sind Zinserhöhungen auf kurze Sicht unwahrscheinlich, was wiederum günstig für die Anleihenkurse ist. Zudem steigen die Staatsausgaben in Europa, vor allem für Infrastruktur und Verteidigung. Wachstum und niedrige Inflation dürften also anhalten.

Die Aussichten für europäische Unternehmen sind recht gut. In fast allen Sektoren hat man den Schock steigender Zinsen und höherer Energiepreise überwunden. Die Bilanzen und Margen bleiben solide, und in einigen Sektoren, beispielsweise Banken, sind die Kurse deutlich gestiegen, weil das Vertrauen in ihren Erfolg zugenommen hat.

Europäische Bankaktien haben in den ersten drei Quartalen 2025 um über 55% zugelegt, auch weil ihre Kapitalstruktur deutlich besser ist als nötig. Anleiheninvestoren bieten Bankanleihen, vor allem nachrangige, einen zusätzlichen Vorteil: Sie sind weitgehend immun gegen die direkten Folgen der US-Zölle für den Welthandel.

Auch wenn einige Industrieländer weiter unter Druck stehen, steigen die Unternehmensgewinne insgesamt stabil. Die Credit-Nachfrage bleibt hoch, sowohl nach Refinanzierungen als auch nach Neuemissionen. Am Markt für europäische Investmentgrade-Anleihen ist das Emissionsvolumen in den ersten drei Quartalen 2025 um 10% auf über 600 Milliarden Euro gestiegen. Dank der kontinuierlichen Mittelzuflüsse wurden die neuen Anleihen aber gut aufgenommen, sodass die Spreads weiter eng sind.

Warum eine flexible Strategie?

Auch wenn die Fundamentaldaten europäischer Credits stabil sind, ist das Investmentumfeld heute unsicherer und anfälliger für Stimmungsumschwünge als früher.

Ende 2025 waren die Spreads von Credits aus Europa so eng wie zuletzt in der internationalen Finanzkrise 2007/2008, aber im letzten Quartal des Jahres auch sehr volatil. Im November weiteten sich die Spreads in den meisten Sektoren wegen der Zinsunsicherheit in den USA und der schwachen US-Aktienmärkte aus, um im Dezember wieder enger zu werden. Solche Schwanken lassen davon ausgehen, dass die Unsicherheit ungeachtet der offenbar guten Fundamentaldaten europäischer Credits weiterhin hoch ist. Daran müssen sich Investoren anpassen.

Manager flexibler Strategien können Emittenten aus allen Sektoren, Ländern und Ratingklassen auswählen, um die Erträge zu optimieren und Risiken zu diversifizieren.  Unabhängig von einer Benchmark können sie ihre Portfolios defensiver ausrichten (mit Anlagen in Sektoren wie Versorger oder Telekommunikation) oder zyklischer investieren (mit Finanz-, Immobilien- oder Industrieanleihen), um auf den jeweiligen Konjunkturausblick zu reagieren. Zudem können sie Derivate einsetzen – zur Absicherung oder um kostengünstig bestimmte Risiken im Portfolio zu erhöhen. 

Flexible Strategien zeichnen sich durch zwei wichtige Eigenschaften aus. Die erste ist die Ratingstruktur, für die sich Portfoliomanager entscheiden, um die Erträge zu optimieren. Die Möglichkeiten reichen von Investmentgrade-Anleihen aus Kernländern des Euroraums über Papiere von Emittenten aus den Peripherieländern wie Spanien und Italien bis hin zu Anleihen ohne Investmentgrade-Status, die zwar höhere Renditen bieten, aber auch volatiler sein können. Portfoliomanager können das Risiko frei steuern, um möglichst hohe risikobereinigte Gesamterträge zu erzielen. Die zweite Eigenschaft ist das aktive Durationsmanagement, um Zinsrisiken zu senken und Chancen zu nutzen, die durch Veränderungen der Zinserwartungen entstehen. 

Welche Chancen bietet die Volatilität?

Zurzeit ist ein flexibler Total-Return-Ansatz besonders sinnvoll. Einerseits sind die Bedingungen an den europäischen Credit-Märkten aufgrund der robusten Fundamentaldaten und der im langfristigen Vergleich hohen Renditen vergleichsweise gut. Das spricht für eine stärkere Positionierung in diesem Teil des Marktes, vor allem für Investoren, die ihr Portfolio stärker nach Ländern diversifizieren und die historisch hohen Renditen nutzen wollen – auch wenn das Spreadumfeld insgesamt unsicher bleibt.

Volatile Phasen wird es aber immer wieder geben, weil Wirtschafts- und Geldpolitik in Europa und den USA eher in entgegengesetzte Richtungen laufen. Die zeitweisen Schwankungen, die wir 2025 gesehen haben, dürften sich in diesem Jahr wiederholen. Deshalb braucht man eine Strategie, die taktische Umschichtungen, um Chancen zu nutzen, aber auch eine defensive Positionierung ermöglicht.

Für versierte Investoren bedeutet Volatilität Chancen. Der entscheidende Vorteil einer flexiblen Credit-Strategie ist, dass sie Managern die Freiheit gibt, Richtungswechsel oder Überreaktionen des Marktes jederzeit zu nutzen.  Deshalb kann Volatilität heute helfen, Werte zu schaffen, birgt aber auch das Risiko, Werte zu zerstören. 

Quelle: BNP Paribas Asset Management, März 2026.

[1] Morningstar, Stand 31. Dezember 2025.

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