Navigieren durch die komplexe Welt der KI

Künstliche Intelligenz (KI) ist die wichtigste disruptive Technologie in der heutigen Wirtschaft. Das Potenzial ist enorm – es verspricht, die Art und Weise, wie wir arbeiten, die Produkte, die wir nutzen, und die Dienstleistungen, die wir in Anspruch nehmen, zu revolutionieren.

Ein wesentlicher Bestandteil einer solchen aufstrebenden digitalen Kraft sind jedoch ihre potenziellen Risiken, Unsicherheiten und kreativen Einschränkungen, die die Sicherheit unseres Alltags stören könnten.

Auf Investoren warten neben den unzähligen Möglichkeiten für diejenigen, die die Fähigkeiten der KI am besten für sich nutzen können, komplexe Anlagemöglichkeiten. Ein aktiver und flexibler Ansatz wird daher notwendig sein, wenn Investoren erfolgreich durch das Zeitalter der KI navigieren wollen.

KI: eine Investitionsmöglichkeit, die schwer zu umgehen ist

Die Einführung von ChatGPT im November 2022 war der Auslöser, der KI ins Rampenlicht rückte. Zwei Jahre später haben wir erlebt, wie zahlreiche Unternehmen darum wetteifern, von diesem technologischen Fortschritt zu profitieren. Es wird erwartet, dass sich die weltweiten Ausgaben für KI-Dienstleistungen bis 2028 mehr als verdoppeln werden, wenn sie erwartungsgemäß 632 Milliarden US-Dollar erreichen sollen1.

Im Moment sind diejenigen, die das KI-Terrain dominieren, in erster Linie die Anbieter grundlegender Technologien, welche den notwendigen Infrastrukturausbau vorantreiben. Mittel- und langfristig bietet das Potenzial von KI als Mehrzwecktechnologie jedoch ein viel breiteres Anwendungsspektrum. Die vielfältigen Anwendungsgebiete werden sich erwartungsgemäß auf nahezu jeden Wirtschaftszweig auswirken – sowohl positiv durch die Steigerung der Produktivität als auch negativ durch die mögliche Vernichtung von Arbeitsplätzen.

Bei so vielen unterschiedlichen Unternehmen, welche in die KI-Story investieren, wird mit sehr unterschiedlichen Renditen für diese Investitionen zu rechnen sein. Dies birgt sowohl Herausforderungen als auch Chancen für Anleger.

Vorreiter der ersten Stunde

Die Vorreiter von KIsind entweder diejenigen, die Innovationen in der KI stimulieren, oder diejenigen, welche die Werkzeuge bereitstellen, um die Technologie zu fördern.

Die Entwicklungsseite ist relativ konzentriert und umfasst die Erfinder von Large Language Models (LLMs) und Algorithmen für maschinelles Lernen sowie Unternehmen mit proprietären Datensätzen, die zum Trainieren von KI-Modellen verwendet werden können. Aus der Anlageperspektive ist es wichtig zu beachten, dass derzeit nur wenige dieser Entwickler an den öffentlichen Aktienmärkten handeln.  

Die Seite des Infrastrukturausbaus hingegen ist viel breiter angelegt und für Investoren wohl leichter zugänglich. Cloud-Service-Provider bieten ein Tor zur KI. Dank ihrer großen Rechenzentren verfügen Cloud-Anbieter über die Bandbreite, um KI-Modelle zu hosten. Halbleiterhersteller stellen die Grafikprozessoren (GPUs) und anwendungsspezifischen integrierten Schaltungen (ASICs) her, die für die Unterstützung von KI-Training und -Inferenz unerlässlich sind. Softwareentwicklungstools und Datenbanksoftware sind ebenfalls unterstützende Komponenten für KI-Initiativen – KI-Algorithmen sind Software und können mit den gleichen Tools entwickelt und verwaltet werden, die für traditionelle Anwendungen genutzt werden. Interessanterweise kann KI auch zur Verbesserung dieser Software-Tools eingesetzt werden! In der Zwischenzeit ist Cybersicherheit der Schlüssel, um Algorithmen und Daten vor Angriffen zu schützen. Auch Cybersicherheitssysteme können Techniken des maschinellen Lernens integrieren, um Bedrohungen besser zu erkennen und zu vereiteln.

Zu den Förderern von KI gehören auch Lieferanten von Halbleiter-Investitionsgütern und -Materialien, Gießereien und Anbieter von Netzwerkausrüstung und Datenspeichersystemen. Darüber hinaus sind Energieeffizienz und alternative Energielösungen ein wesentlicher Bestandteil von KI. Tatsächlich finanzieren mehrere führende Technologieriesen Kernkraftprojekte, um eine alternative kohlenstoffarme Stromquelle für ihre energiehungrigen Rechenzentren zu gewährleisten.

Künftige Gewinner

Der Höhepunkt der KI-Produktivität ist sicherlich noch einige Jahre entfernt, dennoch wird KI bereits erfolgreich in eine Reihe von Anwendungen integriert. Insbesondere ist KI ein wichtiger Faktor für vielseitige Tools wie Empfehlungsdienste, Fertigungsautomatisierung und Dokumentenproduktion, welche in allen Bereichen der Wirtschaft eingesetzt werden können.

Im Vertrieb und Marketing werden Chatbots eingesetzt, um Kundendienstanfragen zu bearbeiten und Arbeitsabläufe zu vereinfachen, was zu Produktivitätssteigerungen führt. Zu den wissenschaftlichen Anwendungen gehören die Mustererkennung und die Entwicklung neuer Proteinstrukturen für die Wirkstoffforschung und die Materialwissenschaft, während komplexe Computersimulationen zur Verbesserung von Wettermodellen eingesetzt werden können. In der Industrie implementieren Hersteller und Anlagenhersteller KI-Systeme, um Prozesssteuerungen und virtuelle digitale Zwillingsmodelle zu verbessern. Im Gesundheitswesen wird KI bei der medizinischen Bildanalyse zur Klassifizierung von Tumoren eingesetzt, was die Entscheidungsfindung von Chirurgen bei Eingriffen am Gehirn verbessern könnte. KI-Copiloten helfen auch beim Erstellen von Zusammenfassungen von Arztberichten und Patientenbesuchen, was sich positiv auf die Produktivität von Ärzten und Apothekern auswirkt.

Angesichts dieses vielfältigen Potenzials wird KI ein wichtiger Wachstumstreiber für die Zukunft sein. Die Unternehmen, die am meisten von KI profitieren sollten, sind diejenigen, die in der Lage sind, proprietäre Daten zu nutzen oder sich einen Wettbewerbsvorteil für Produkte oder Dienstleistungen verschaffen, welche flächendeckend zum Einsatz kommen können.

Herausforderungen und Risiken

Da KI von einem immer größeren Teil der Wirtschaft eingesetzt wird, muss die Aufmerksamkeit von ihrem Versprechen, die – wenn auch oft unbeabsichtigten – Risiken ihres Einsatzes richtig zu bewerten, abgelenkt werden.

Da KI-generierte “synthetische” Inhalte immer mehr zum Mainstream werden, müssen die Nutzer in der Lage sein, leicht zu unterscheiden, was echt und was gefälscht ist. Das Urheberrecht und das geistige Eigentum an Modelleingaben und -ausgaben werden zu zentralen Diskussionsthemen. Darüber hinaus haben sich große Sprachmodelle als anfällig für “Halluzinationen” oder Ausgaben erwiesen, die falsche oder irreführende Informationen enthalten.

In einer Welt, in der unsere Sicherheit bereits durch verantwortungslose Akteure bedroht ist, welche den Einsatz von Desinformation und Fake News gezielt manipulieren, könnte die Implementierung von KI-Tagging in Zukunft dabei helfen, die Quelle von Inhalten besser zu identifizieren. Die beinhaltetenVerzerrungen könnten durch die Verwendung vielfältigerer und repräsentativerer Trainingsdaten gemildert werden. Zudem könnten Entwickler größere Schritte unternehmen, um sicherzustellen, dass qualitativ hochwertige Datensätze als Standard verwendet werden und transparent bezüglich ihrer Quellen sein. Schließlich wird KI immer nur so gut sein wie ihre Eingaben.

Es gibt auch Befürchtungen, dass KI zu Überwachungszwecken missbraucht werden könnte. Auch Hacking und Cyberkriminalität könnten ebenfalls KI nutzen, um ausgefeiltere kriminelle Aktivitäten durchzuführen. Am folgenreichsten ist jedoch womöglich das Potenzial der KI, Arbeitsplätze zu schaffen und zu verdrängen. Der IWF hat prognostiziert, dass KI fast 40 % der Arbeitsplätze auf der ganzen Welt betreffen wird2 – ein solcher Übergang muss fair und gerecht gehandhabt werden, um eine Verstärkung der Ungleichheit sowie soziale Unruhen zu vermeiden. 

Die politischen Entscheidungsträger der Welt richten ihre Aufmerksamkeit zu Recht auf KI, aber es gibt einen feinen Balanceakt zwischen Gesetzen, die das Potenzial von KI zum Vorteil und Schutz der Gesellschaft nutzen, und Vorschriften, die Innovationen behindern und den wirtschaftlichen Fortschritt bedrohen.

Nutzung der sich erweiternden KI-Möglichkeiten

Mit der zunehmenden Verankerung von KI in der Weltwirtschaft werden sich auch die Möglichkeiten für Anleger erweitern. Bisher waren die Hauptnutznießer auf das relativ kleine Universum der Enabler beschränkt, aber dies wird sich mit dem Fortschreiten der Technologie sowohl innerhalb als auch außerhalb des Technologiesektors weiterentwickeln.

Angesichts des Potenzials von KI, die Wirtschaftslandschaft kreativ zu erweitern sowie zu stören, müssen Anleger einen aktiven und flexiblen Ansatz verfolgen, damit sie von den positiven Ergebnissen profitieren und gleichzeitig die Fallstricke vermeiden können. Bei BNP Paribas Asset Management konzentriert sich unsere Strategie zu “Disruptive Technology” auf die digitale Transformation. Wir planen, in die Vorreiter und Gewinnerdigitaler Innovationen zu investieren und gleichzeitig Unternehmen zu meiden, die nicht dazu in der Lage sind, sich anzupassen.

Wir sehen die KI-Revolution als eine der spannendsten, dauerhaftesten und umfangreichsten Themen bei Technologieinvestitionen und sind der Überzeugung, dass ihre wirtschaftlichen Auswirkungen im Laufe der Zeit nur noch zunehmen werden. Unser einzigartiger Prozess, das KI-Angebot aus mehreren Perspektiven zu untersuchen, führt dazu, dass wir das volle Ausmaß der Vorteile von KI jetzt und in Zukunft erfassen können. Dies bedeutet, dass ein Drittel unserer Investitionen bereits in Unternehmen außerhalb des traditionellen Technologiesektors angelegt werden, was unsere Strategie in eine optimale Position bringt, um die Vorteile der KI-Implementierung voll auszuschöpfen.

[1] https://www.idc.com/getdoc.jsp?containerId=prUS52530724

[2] https://www.imf.org/en/Blogs/Articles/2024/01/14/ai-will-transform-the-global-economy-lets-make-sure-it-benefits-humanity

Wichtige Hinweise

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