Der Druck auf die Gesundheitsversorgung nimmt zu. Neue Technologien können das System effizienter machen.
Die steigenden Kosten der Gesundheitssysteme weltweit erfordern Fortschritte in der Medizintechnik, bei Medikamenten und Heilmethoden und der Forschung. Der hohe Kapitalbedarf ruft Investoren auf den Plan.
Gesundheitsausgaben übersteigen langfristig das BIP
Der Anteil der globalen Gesundheitsausgaben wird voraussichtlich zwischen 2024 und 2029 kontinuierlich um 6,26 % des globalen BIP steigen. Derzeit sind es 6,08 % und somit mehr, als das BIP wächst. 1

Die wachsend hohe Nachfrage im Gesundheitswesen hat mehrere Ursachen:
- Demografie: Die alternde Weltbevölkerung nimmt jedes Jahr mehr Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch.
- Lebensstil: Steigende Zahlen von Betroffenen mit Adipositas führen zu einer Zunahme von Begleiterkrankungen.
- Innovation: Die Entwicklung neuer Behandlungen beschleunigt sich, da neuartige Therapeutika für bisher nicht behandelbare Erkrankungen entwickelt werden.
- Vermögenseffekt: Es besteht eine enge Korrelation zwischen dem Pro-Kopf-BIP und den Gesundheitsausgaben, so dass sich der steigende Wohlstand entsprechend auf die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen auswirkt, insbesondere in den Schwellenländern.
Biopharmazeutische Fortschritte
Die biopharmazeutische Landschaft wird durch Innovationen in der DNA-Sequenzierung sowie neuartigen Technologien zur Verabreichung von Medikamenten und künstlicher Intelligenz verändert.
Die Kosten für die genetische Sequenzierung sind vor 20 Jahren von rund 100 Millionen USD pro Genom auf heute unter 1000 USD gesunken.2 Diese Kostensenkung macht bevölkerungsbasierte Sequenzierungsanalysen sowie die Identifizierung von Mutationen, die Krankheiten verursachen können, wirtschaftlich rentabel.
Erkenntnisse aus der Analyse genomischer Daten liefern neue Ziele für bisher nicht oder unzureichend behandelte Krankheiten. Fortschritte bei der Verabreichung von Medikamenten haben zu der Fähigkeit geführt, Gene einzufügen und zu bearbeiten. Die Genexpression auf RNA-Ebene (Ribonukleinsäure) hilft dabei das Immunsystem zu manipulieren, um Krebs und Autoimmunerkrankungen zu bekämpfen. Durch die Entwicklung mit Biomarkern in der Präzisionsmedizin wird das Fortschreiten von Flüssigbiopsien verändert, um so die Krebserkennung zu verbessern.
Künstliche Intelligenz wird bereits auch in der Gesundheitsforschung und -entwicklung eingesetzt, um die Produktionsentwicklung und Diagnostik zu verbessern sowie klinische Studien zu beschleunigen.
Technologie trifft auf Gesundheitswesen
Die technischen Fortschritte im Gesundheitswesen haben die Miniaturisierung und Automatisierung medizinischer Verfahren ermöglicht. Dies führt zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung minimalinvasiver Operationstechniken. Ergebnisse werden somit verbessert und dem Patienten wird ein kürzerer Krankenhausaufenthalt ermöglicht. Beispielsweise werden bei der Behandlung von Diabetes Miniatur-Insulinpumpen mit kontinuierlichen Glukosemonitoren und KI-basierten Algorithmen in einem körpereigenen Closed-Loop-System (auch bekannt als künstliche Bauchspeicheldrüse) kombiniert. Somit können Patienten ihre Krankheit selbst und viel einfacher behandeln.
Im Operationssaal werden häufiger Fortschritte in der robotergestützten Chirurgietechnologie in ein Software-Ökosystem integriert, das alle prä-, peri- und postoperativen Informationen erfasst. Dies geschieht, um Best Practices zu erlernen und Erkenntnisse an die Benutzerbasis weiterzugeben.
Zugute kommen der Gesundheitsbranche außerdem die sinkenden Kosten für 3D-Drucker und die damit verbundene 3D-Drucktechnologie. Dies könnte die Herstellung patientenspezifischer Organe für Transplantationen ermöglichen, wodurch die Patienten im Idealfall weniger anfällig für Abstoßungsreaktionen sind.
Herausforderung für Investoren
Der Gesundheitssektor ist komplex. Die hohe Innovationsrate kann dazu führen, dass Behandlungen zwar besser aber auch wesentlich teurer werden. Budgets können daher neu verteilt werden; sicher geglaubte Aufträge für Produzenten und Lieferanten anders vergeben werden.
Gegenüber dem breiten Aktienmarkt werden Trends und Innovationen die langfristige Outperformance des Gesundheitssektors verstärken. Dieser Anstieg wird jedoch wahrscheinlich nicht linear verlaufen. 2023 war ein besonders schwieriges Jahr für viele Gesundheitsaktien. Das Umfeld steigender Zinsen stellte kleine und mittelgroße Biotech- und Medtech-Unternehmen vor Schwierigkeiten. Life-Science-Tools und Auftragsforschungsorganisationen wurden nach Covid von knapperen Forschungsbudgets getroffen. Managed-Care-Aktien wurden durch den Rückgang der Medicaid-Anmeldungen in den USA beeinträchtigt und Large-Cap-Biopharma-Unternehmen wurden durch drohende Patentabläufe und Bedenken hinsichtlich der daraus resultierenden Preisverhandlungen unter Druck gesetzt. Ein seltener Lichtblick waren neue Medikamente gegen Fettleibigkeit, die die Aktienkurse ihrer Hersteller in die Höhe schnellen ließen. Diese Entwicklung belastete jedoch den breiteren Medtech-Markt, da man befürchtete, dass diese hochwirksamen Medikamente andere Märkte und Unternehmen beeinträchtigen könnten.
Thematischer Ansatz
Blickt man in die Zukunft erscheinen die Aussichten für den Gesundheitssektor durch attraktive Bewertungen und vielfältige Chancen deutlich besser. Durch die oben genannten Komplexitäten bleibt es jedoch ein schwieriger Sektor, daher sollte man Herausforderungen und Chancen aus mehreren Perspektiven betrachten. Ein fundamentaler Bottom-up Ansatz ist entscheidend, um langfristige Renditen zu erzielen. Bei BNP Paribas Asset Management kombiniert unsere Healthcare Innovators-Strategie einen thematischen Ansatz mit einem Nachhaltigkeitsrahmen. Dies ermöglicht uns, mit unserem erfahrenen Aktienteam, die überzeugendsten Aktien auszuwählen, um eine langfristige attraktive Anlagechancen zu erkennen.
[1] https://www.statista.com/forecasts/1141705/health-expenditure-gdp-share-forecast-in-the-world
[2] https://viewpoint.bnpparibas-am.com/thematic-investing-innovation-disruption-and-sustainability/
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