Der Wandel ist im Gange. Und es wird eine lange Reise.

Man hört oft, der Mensch würde einen Wandel scheuen. Als Anleger jedoch sollte das Gegenteil der Fall sein.

Wandel ist nur ein anderes Wort für Übergang, Disruption oder sogar Revolution. Und wenn ein Status quo in Frage gestellt wird, können daraus erhebliche Chancen erwachsen.

Die Welt durchläuft eine Reihe einzelner, miteinander verbundener Prozesse des Übergangs, die unsere Art und Weise zu leben, zu arbeiten und miteinander umzugehen, verändern werden. Anlegern, die diese Phase unter diversen Gesichtspunkten betrachten und über das Offensichtliche hinausdenken, erschließt sich ein Potenzial für langfristige Gewinne.

Auf lange Sicht

Kaum jemand bestreitet heute noch die Notwendigkeit, unsere Lebensweise auf diesem Planeten zu ändern, wenn wir eine Umweltkatastrophe verhindern wollen. Auch die Tatsache, dass die Dekarbonisierung und der Schutz der Artenvielfalt viel Zeit in Anspruch nehmen werden, ist akzeptiert. Dieser Übergang wird sich über Jahrzehnte erstrecken.

Wie auf jeder langen Reise kommt es natürlich zu Ermüdungserscheinungen, wie z.B. in puncto Nachhaltigkeit. Vielleicht zweigen wir hier oder da falsch ab, aber am Ende wird es die Reise wert gewesen sein.

Das sich verschlechternde wirtschaftliche Umfeld hat andere Sorgen in den Vordergrund treten lassen: zum Beispiel die hartnäckige Inflation, steigende Zinsen und eine mögliche weltweite Rezession.

Geht es nicht schneller?

In diesem Zusammenhang dürfen wir nicht vergessen, dass wir Fortschritte machen. Laut der International Energy Agency (IEA) ist die Versorgung mit erneuerbarer Energie auf dem besten Weg, die Erwartungen zu übertreffen , denn die Kapazitäten haben sich durch den beschleunigten Ausbau in vielen Ländern der Welt um ein Drittel erhöht. Gleichzeitig zeigen aktuelle Informationen der USO zur schwindenden Ozonschicht, dass sich die Schutzmaßnahmen auszahlen und eine vollständige Erholung auf dem Vormarsch ist.

Diese beiden Erfolge beweisen, dass es möglich ist, mit Erfindungsreichtum und wirksamen politischen Entscheidungen die unbeabsichtigten Folgen menschlicher Handlungen der Vergangenheit rückgängig zu machen. 

Als Anleger müssen wir beharrlich an unserem Optimismus festhalten: Ja, Investitionen in nachhaltige Lösungen und ESG-freundliche Unternehmen können etwas bewirken, und zwar sowohl für unseren Planeten als auch für unsere Portfolios, auch wenn das Endziel noch in weiter Ferne liegt.

Zeit für eine Umkehr

Parallel zur Notwendigkeit des Umweltschutzes besteht die Notwendigkeit zur wirtschaftlichen Transformation.

Tausende von Jahren lang hat die Menschheit alles, was sie brauchte, dem Planeten entnommen, ohne diese natürlichen Ressourcen je wieder aufzufüllen. Da jedoch die Weltbevölkerung explosionsartig zunimmt  – von 1 Milliarde im Jahr 1800 auf heute knapp 8 Milliarden – ist dieses auf Nehmen, Herstellen und Verschwenden basierende Modell nicht mehr tragfähig.

Um der vom Menschen verursachten Ressourcenverknappung zu begegnen, ist der Übergang zu einem zirkulären Wirtschaftsmodell erforderlich, einem auf Reduzierung, Wiederverwendung und Recycling basierenden Ökosystem, das in der Lage ist, ‘die Bedürfnisse aller im Rahmen der Möglichkeiten des Planeten zu befriedigen’.

Für Unternehmen bedeutet das, sie müssen ihren Produktionsprozess optimieren, d.h. die Kreislauffähigkeit ihrer Lieferketten prüfen. Mit anderen Worten: Sind die Ressourcen vollständig erneuerbar, können Ressourcen aus entsorgten Produkten wiedergewonnen werden, lässt sich die Haltbarkeit von Produkten verlängern? Und sie müssen bestehende Praktiken in Frage stellen. Die Bewegung „Recht auf Reparatur“ fordert beispielsweise – insbesondere im Technologiesektor – das Ende der „geplanten Obsoleszenz“, die die Verbraucher dazu bringt, Geräte öfter als nötig zu ersetzen. 

Die Umstellung auf ein Kreislaufmodell stützt sich auf die Macht der Konsumenten, die mehr Transparenz bei den Lieferketten fordern und nichts mehr mit Unternehmen zu tun haben wollen, die ihrer Meinung nach mehr Schaden als Nutzen verursachen.

Und die Anleger erkennen in diesem wirtschaftlichen Umbruch zu Recht einen Wertschöpfungsfaktor. Der Wandel wirkt sich nämlich nicht nur – infolge höherer Effizienz oder innovativer Kreislauflösungen – positiv auf die Erträge aus, sondern es lässt sich so auch das Risiko eines Engagements gegenüber Unternehmen verringern, die wegen schlechter Geschäftspraktiken in der Kritik stehen – die schnelle Verbreitung der Kritik in den sozialen Medien kann die Aktienkurse beeinflussen.

Deglobalisierungstendenzen

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befand sich die Welt auf einem Globalisierungskurs, der durch den Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation im Dezember 2001 zementiert wurde. Doch diese Ära der engeren globalen Integration ist zerbrochen, und wir sind nun auf einem entgegengesetzten geopolitischen Weg.

Der Übergang zur Deglobalisierung oder zum „Risikoabbau“ ist auf eine ganze Reihe von Faktoren zurückzuführen. Ein großer gesellschaftspolitischer Wandel hat die politischen Ansichten von der Mitte weg und zu den Extremen hin verschoben, was manche Politiker in die Lage versetzt hat, eher populistische Positionen wie den Protektionismus zu vertreten. Der Status quo des internationalen Systems (mit den USA im Mittelpunkt) wurde durch das strukturelle Wachstum Chinas in Frage gestellt, mit der Folge, dass es nun zwischen zwei dominierenden Macht- und Einflusszentren aufgespalten ist. Und schließlich machte die Pandemie die übergroße Abhängigkeit der Industrie von der Produktionsfähigkeit Chinas deutlich.

Zwar hat die Deglobalisierung enorme Auswirkungen auf den Welthandel, aber sie eröffnet auch interessante neue Möglichkeiten für Investoren. Andere Länder wie Indien profitieren von Unternehmen, die versuchen, ihre Abhängigkeit vom chinesischen Produktionsstandort zu verringern – die so genannte China-plus-eins-Strategie. Die Regierungen vergeben beträchtliche Subventionen, um bestimmte strategisch wichtige Sektoren aus dem Ausland zurückzuholen – das US-Gesetz über Chips und Wissenschaft hat beispielsweise einen Wert von 280 Milliarden US-Dollar.

In dieser Welt des geopolitischen Wandels wird Wachsamkeit zu einem lebenswichtigen Bestandteil des „Werkzeugkastens“ eines Anlegers.

Die sozialen Nebenwirkungen

Ebenso tragen demografische Tendenzen auf sozialer Ebene zum Wandel bei.

Als Folge der wirtschaftlichen Erneuerung in Asien sind Millionen Menschen in dieser Region der Armut entkommen und leben nun in wirtschaftlicher Sicherheit. 2020 gehörten geschätzte 2 Milliarden Asiaten zur Mittelklasse, bis 2030 dürften es 3,5 Milliarden sein (ggü. 647 Millionen Angehörigen der Mittelklasse im Jahre 2020 in den USA). [Note du Tr.: Les USA ont environ 340 millions d‘habitants]

Durch den Wohlstand in diesen Ländern hat sich das Leben vom Land in die Stadt verlagert, was mit einem Wandel der Konsumgewohnheiten in der Region einhergeht. Ähnlich wie die Vorliebe für Luxusmarken wird der Bedarf des asiatischen Verbrauchers an Fleisch und Meerestieren für 2050 mit plus 78% prognostiziert. Dies mag zu weiterem Druck auf die weltweiten Ressourcen führen, hat jedoch einen blühenden Markt für etablierte westliche Marken geschaffen.

In anderen Regionen kehrt eine wachsende Zahl von Verbrauchern Fleischprodukten den Rücken zu und bevorzugt pflanzlichen Ersatz. Der Trend zur veganen Ernährung oder zum weniger rigorosen Flexitarismus – dem gelegentlichen Genuss von Fleisch oder Meerestieren – hat die Nahrungsmittelindustrie verändert. Der Umsatz mit pflanzenbasierten Milch- und Fleischersatzprodukten dürfte ansteigen, und zwar von 29 Mrd. USD im Jahr 2020 auf USD 162 Mrd. USD bis 2030.

In der Zwischenzeit revolutioniert die rasch alternde Bevölkerung das Angebot des Gesundheitssektors und beschleunigt die Einführung neuer Technologien sowie die Entwicklung der Präventivmedizin.

Die Beobachtung der langfristigen demografischen Veränderungen kann ein sinnvoller Investitionsansatz sein, denn sie können erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung sowie die ökologische Nachhaltigkeit haben.

Innovation in der Industrie

Insgesamt führen diese gleichzeitig eintretenden Veränderungen zu massiven Umwälzungen in allen Industriezweigen. Die Unternehmen müssen auf den rapiden geopolitischen und ökologischen Wandel reagieren, dürfen aber auch die neuesten Verbrauchervorlieben und -bedürfnisse nicht vergessen. 

Die vielleicht größte Umwälzung in Handel und Gewerbe ist die Innovation – in der Wissenschaft wie in der Technologie. Mit innovativen Lösungen ist die Hoffnung verbunden, viele der weltweit bestehenden Probleme schneller lösen zu können.  Wird beispielsweise die Kernfusion ihr Potenzial entfalten und fast endlose, sichere und saubere Energie liefern? Kann die mRNA-Technik aufbauend auf ihrem Covid-19-Erfolg zur Entwicklung weiterer wichtiger Impfstoffe beitragen?

Die Innovation mit der größten Schlagkraft wird wohl die bevorstehende Einführung der künstlichen Intelligenz (KI) sein: Von der Beschäftigung über die Erstellung von Texten und Nachrichten, die Datensicherheit und den Energieverbrauch bis hin zu Vielfalt und Integration – sie hat das Potenzial, neue Wachstumsmöglichkeiten für Unternehmen zu erschließen und kostengünstiger zu werden. Doch inmitten dieser Umwälzungen werden einige Unternehmen unweigerlich vom Markt verdrängt, wenn sie sich nicht schnell genug anpassen. Zudem weckt die KI bereits jetzt Ängste vor einer weitreichenden Robotisierung und von Arbeitsplätzen, der Verdrängung von Arbeitskräften und dem Potenzial für Subversion und Missbrauch. Daher ist es von vitalem Interesse, diese Technologie als Teil eines erweiterten ESG-Rahmens zu betrachten.

Anleger tun gut daran, die sich rasant entwickelnde Welt dieser Technologie aufmerksam zu beobachten, sich dabei aber vor übertriebenem Hype und Spekulationen zu hüten.

Ein Jahrzehnt des Wandels und des Handelns

Wir befinden uns mitten in einem entscheidenden Jahrzehnt des Wandels, das aber auch als ein Jahrzehnt des Handelns betrachtet werden sollte. Die Regierungen, Unternehmen, Konsumenten und Anleger müssen handeln: Sie müssen die oft miteinander verbundenen Veränderungen, denen unsere Welt gegenübersteht, zur Kenntnis nehmen und darauf reagieren. Abwarten ist einfach keine Option.

In puncto Investment bedeutet dies: Die Übergangsstrategien von Unternehmen sind zu analysieren – nicht nur zwecks Identifizierung der führenden Unternehmen von morgen, sondern auch derjenigen, denen die Anpassung nicht gelingt.

Wir bei BNP Paribas Asset Management sind überzeugt, dass eine bessere Berücksichtigung externer Faktoren, insbesondere sozialer und ökologischer Faktoren, uns dabei helfen kann, Mehrwert zu schaffen und gleichzeitig die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wir wollen in diesem Transformationsprozess eine treibende Kraft sein. Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit unseren Kunden daran, die Herausforderungen von morgen schon heute zu meistern.

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Marketing-Kommunikation. Nur für professionelle Investoren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Hinweis auf die aktuelle oder zukünftige Wertentwicklung. Sofern nicht anders angegeben, wird die Wertentwicklung nach Abzug von Gebühren berechnet. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Dieses Dokument stellt keine Anlageberatung dar. Anlagen unterliegen Marktschwankungen und den mit Anlagen in Wertpapieren verbundenen Risiken. Der Wert von Anlagen und ihre Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihren ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht vollständig zurück. Es ist nicht garantiert, dass der Fonds sein Performanceziel erreicht. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Eine vollständige Beschreibung und Definition der Risiken sind dem letzten verfügbaren Verkaufsprospekt und dem KID des Fonds zu entnehmen. Anleger, die eine Zeichnung eines Fonds in Erwägung ziehen, sollten den aktuellen Verkaufsprospekt und das KID, die auf unserer Website kostenlos vorliegen, sorgfältig durchlesen.

Umwelt-, Sozial- und Governance-Anlagerisiko (ESG): Das Fehlen gemeinsamer oder harmonisierter Definitionen und Kennzeichnungen zur Integration von ESG- und Nachhaltigkeitskriterien auf EU-Ebene kann zu unterschiedlichen Ansätzen der Manager bei der Festlegung von ESG-Zielen führen. Dies bedeutet auch, dass es schwierig sein kann, Strategien zu vergleichen, die ESG- und Nachhaltigkeitskriterien integrieren, da die Auswahl und die Gewichtung bei der Auswahl von Investitionen auf Metriken basieren können, die zwar denselben Namen tragen, denen aber unterschiedliche Bedeutungen zugrunde liegen. Bei der Bewertung eines Wertpapiers anhand der ESG- und Nachhaltigkeitskriterien kann der Anlageverwalter auch Datenquellen nutzen, die von externen ESG-Research-Anbietern bereitgestellt werden. Angesichts des sich entwickelnden Charakters von ESG können diese Datenquellen bis auf weiteres unvollständig, ungenau oder nicht verfügbar sein. Die Anwendung von Standards für verantwortungsvolles Geschäftsgebaren im Anlageprozess kann zum Ausschluss von Wertpapieren bestimmter Emittenten führen. Folglich kann die Wertentwicklung des Teilfonds zeitweise besser oder schlechter sein als die Wertentwicklung vergleichbarer Fonds, die solche Standards nicht anwenden.

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