WESENTLICHE PUNKTE:
- Festverzinsliche Wertpapiere bieten trotz wirtschaftlicher Unsicherheit weiterhin attraktive Ertragspotenziale.
- Ein flexibler Ansatz gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil das globale Wirtschaftswachstum und die Inflationsentwicklung zunehmend auseinanderdriften.
- Diversifikation über Investment‑Grade, High‑Yield, Regionen und Laufzeiten ist essenziell.
- Die Zinsentwicklung und die Entwicklung von Anleihespreads werden 2026 die wichtigsten Renditetreiber sein.
- Volatilität kann Chancen schaffen – doch selektives Vorgehen wird entscheidend sein.
Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Gegenwinde gibt es im Bereich Fixed Income weiterhin attraktive Chancen. Diese Unsicherheiten verdeutlichen jedoch, dass Anleger Anlagestrategien benötigen, die flexibel auf sich wandelnde Marktbedingungen reagieren können.
Der Schlüssel liegt in einer effektiven Diversifizierung, bei der Kreditqualität, Laufzeit und geografische Region berücksichtigt werden. So können Fixed‑Income‑Allokationen auch bei hoher Marktvolatilität robust bleiben und gleichzeitig die Chancen nutzen, die Umbrüche schaffen.
Für das Jahr 2026 wird dieser Ansatz immer wichtiger. Die zentralen Markttreiber, Wachstum, Inflation und Geldpolitik, verlaufen nicht mehr einheitlich über die Regionen hinweg, und die fiskalischen Entwicklungen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Anleger, die flexibel durch dieses Umfeld navigieren können, anstatt sich auf ein einzelnes Segment festzulegen, sind besser positioniert, um Erträge zu erzielen und gleichzeitig das Risiko zu steuern.
Auf einem soliden Fundament aufbauen.
Die Anleihenmärkte gehen mit einer soliden Basis ins Jahr 2026. Die in den letzten Jahren gestiegenen Zinsen haben die Renditen im gesamten Markt neu definiert und damit neue Ertragschancen für Anleger eröffnet. Trotz anhaltender wirtschaftlicher und geopolitischer Turbulenzen erzielten die meisten Segmente des Fixed‑Income‑Marktes im Jahr 2025 positive Erträge.
Für Anleiheinvestoren beginnt das Jahr 2026 vor einem insgesamt positiven Umfeld: Erträge machen einen wesentlichen Teil der Gesamtrendite aus, und die Renditen sind in vielen Bereichen hoch genug, um ein Polster gegen mäßige Marktvolatilität zu bieten.
Zinsdivergenz und das erneute Auftreten von Duration‑Risiken
Das bedeutet nicht, dass das Risiko verschwunden ist oder dass künftig alles reibungslos verläuft. Die Zusammensetzung der Rendite bleibt entscheidend.
In den letzten Jahren war die Kern‑Zinszahlung, also die risikofreie Rendite, die auf Staatsanleihen gezahlt wird, der maßgebliche Treiber der Erträge im Fixed‑Income‑Bereich. Das gilt besonders im Investment‑Grade‑Segment, wo der risikofreie Satz etwa vier Fünftel der Gesamtrendite ausmacht und nur ein geringer Kreditspread zusätzlich gezahlt wird. Im Gegensatz dazu macht der Kreditspread im High‑Yield‑Segment lediglich die Hälfte der Gesamtrendite aus, sodass hier ein deutlich größerer Puffer vorhanden ist.
Diese Aufschlüsselung der Rendite hat direkte Folgen dafür, wie Anleger das Risiko einschätzen sollten. Die Bewertung von Investment‑Grade‑Papieren ist stark von den Entscheidungen der Zentralbanken abhängig. Kommen Zinssenkungen früher oder stärker als erwartet, können die Preise von Investment‑Grade‑Anleihen erheblich steigen. Umgekehrt, wenn die Zinssenkungen verzögert werden, bleiben die Renditen hoch, was zwar das Einkommen stützt, aber die Möglichkeiten für Kursgewinne einschränkt.
Vielleicht am eindrücklichsten ist die Tatsache, dass die Zentralbanken nicht mehr gemeinsam geldpolitisch agieren. Die jeweiligen Entscheidungsträger wägen völlig unterschiedliche Szenarien in Bezug auf regionale Inflation, fiskalische Belastungen und das heimische Wachstum ab. Die Europäische Zentralbank wird voraussichtlich bis Ende 2026 die Zinsen unverändert lassen. Die US‑Federal‑Reserve dagegen steht vor einem deutlich komplexeren Kurs, weil die Inflation in den USA hartnäckig hoch bleibt. Gleichzeitig reagieren die Zentralbanken der Schwellenländer auf ihre eigenen heimischen Zwänge. Diese Divergenz erhöht sowohl das Risiko als auch die Chancen und unterstreicht damit die Notwendigkeit von Flexibilität bei der Auswahl von Anleihen.
Kredit‑Spreads
Zinsrisiken sind nicht das Einzige, was Anleger berücksichtigen müssen. Die Kreditspreads sind auf ihr niedrigstes Niveau seit der globalen Finanzkrise gesunken.
Die enge Ausprägung dieser Spreads spiegelt das Vertrauen in die Bilanzen der Unternehmen sowie die Erwartung eines relativ niedrigen Ausfallumfelds wider. Das ist besonders im High‑Yield‑Segment positiv: Niedrige Ausfallquoten und solide Erträge stützen die Bewertungen und tragen zur Stabilität der Kurse bei.
Historische Analysen zeigen, dass bei vergleichbaren Ausgangsbedingungen die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Spreads in den kommenden zwölf Monaten weiter ausweiten, deutlich höher ist als die, dass sie noch weiter verengen.
Das bedeutet nicht, dass Anleger auf Kreditinstrumente verzichten sollten. Gerade beim High‑Yield‑Segment bietet ein höherer Kupon einen bedeutenden Puffer: Selbst wenn die Kredit‑Spreads moderat ausweiten, kann die zusätzliche Ertragskomponente den Großteil des Einflusses auf die Gesamtrendite auffangen. Durch die kürzere Duration von High‑Yield‑Anleihen ist das Segment zudem weniger empfindlich gegenüber Zinsbewegungen. Diese ist ein wertvoller Vorteil, falls die Inflation hartnäckiger bleibt als zunächst angenommen.
Das heißt jedoch, dass High‑Yield nach wie vor ein Asset‑Klasse mit hohem Beta ist. Sie erzielt in der Regel die besten Ergebnisse in Phasen soliden Wirtschaftswachstums und starkem Aktienmarkt. Schwächt sich das Wachstum jedoch deutlich, können sich die Kredit‑Spreads rasch ausweiten. In stärker belasteten Bedingungen wird High‑Yield typischerweise schlechter abschneiden als defensivere Anlagen, etwa Investment‑Grade‑Kredite.
Gerade deshalb ist in dieser Phase des Zyklus Flexibilität zwischen Investment‑Grade und High‑Yield – und eine aktive Auswahl von Krediten innerhalb beider Segmente wichtiger als eine rein richtungsweisende, breit angelegte Positionierung.
Wo wir Chancen sehen
Die Divergenz zwischen den Regionen schafft unterschiedliche Chancen im Anleihen‑Bereich. Es ist wichtig, die Faktoren zu berücksichtigen, die die Anleihemärkte in den einzelnen Rechtsordnungen prägen und zu bedenken, wie sich diese im kommenden Jahr verändern können.
In Europa bleiben die Renditen im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit attraktiv, zumal die erwartete Zinsstabilität die Konkurrenzfähigkeit von Cash‑ und Geldmarktpapieren verringert. Die Zuflüsse in den europäischen Anleihenmarkt waren kräftig, und die Renditesuche zeigt keinerlei Anzeichen einer Abschwächung. Die Bilanzen der Unternehmen sind insgesamt stabil, aber Europa bleibt gegenüber globalen Handelsentwicklungen und einem verlangsamten Wachstum empfindlich. Die Region bietet ein starkes Einkommenspotenzial, jedoch müssen Anleger selektiv vorgehen, um nicht ausschließlich auf eine weitere Verengung der Spreads als Haupttreiber der Rendite zu setzen.
Im US‑Anleihenmarkt ist das High‑Yield‑Segment ungewöhnlich robust, dank einer soliden wirtschaftlichen Entwicklung, niedriger Ausfallraten und einer verbesserten Marktqualität. Der Anteil von BB‑bewerteten und besicherten Anleihen liegt auf einem Rekordhoch, während die Exponierung gegenüber CCC‑bewerteten Papieren ein Allzeittief erreicht.
Im US‑Festzins‑Segment gibt es zudem weitere Wertschöpfungs‑Nischen. So liegen die Renditen von Agency‑Mortgage‑Backed‑Securities derzeit über denen von Investment‑Grade‑Unternehmensanleihen, obwohl das Kreditrisiko niedriger ist. Dennoch sind die Spreads in vielen Bereichen des US‑Marktes nach wie vor eng, weshalb Anleger diszipliniert vorgehen sollten: Auf Liquidität, Kreditqualität achten und das schwächste Marktsegment nur dann aufnehmen, wenn ein klarer Wert‑Aufpreis dafür gezahlt wird.
Auch außerhalb dieser entwickelten Märkte kann die Verschuldung von Schwellenländern zusätzliche Diversifikationsvorteile bieten. Lokale Währungsanleihen können attraktiv sein, wenn hohe Renditen das eingegangene Risiko ausgleichen. Insbesondere dann, wenn der US‑Dollar an Wert verliert. Dieser Aspekt ist entscheidend, weil Wechselkurs‑Dynamiken die Renditen von Schwellenländern häufig genauso stark beeinflussen wie die zugrunde liegenden Zinsen.
Früher galt als Binsenweisheit, dass sich Marktbewegungen in den USA in Europa und anschließend weiter außen spiegeln. Heute divergieren die Regionen jedoch zunehmend. Anleger, die ihre Allokation geografisch statisch festlegen, erzielen seltener konsistente Erträge als solche, die einen dynamischeren Ansatz verfolgen und gezielt auf die jeweiligen Chancen und Risiken in den einzelnen Regionen reagieren.
Den nächsten Schritt meistern
Festverzinsliche Wertpapiere stehen weiterhin auf einer soliden Basis. Doch Anleger sehen sich im kommenden Jahr mit einer Reihe von Risiken konfrontiert. Sowohl hinsichtlich der Zinsentwicklung als auch aufgrund sich verschlechternder Kreditbedingungen. Die Situation wird zusätzlich erschwert, weil diese Risikofaktoren je nach Sektor und Region unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
In diesem Umfeld ist Diversifikation das entscheidende Stichwort. Anleger, die bereit sind, flexibel zu agieren – die Duration anzupassen, zwischen Investment‑Grade‑ und High‑Yield‑Papieren zu rotieren und Chancen in verschiedenen Regionen zu nutzen – können die Marktvolatilität eher als Quelle für neue Möglichkeiten anstatt als Bedrohung betrachten.
Im heutigen Fixed‑Income‑Umfeld ist das, was im Werkzeugkasten steckt, genauso wichtig wie die Tiefe der Analyse.
Quelle: BNP Paribas Asset Management, März 2026
Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes 2/3/2026 hat der Konflikt im Nahen Osten noch keine größeren Anpassungen an unserer Basis-Szenario für die makroökonomische Aussichten oder an unseren Anlageempfehlungen erforderlich gemacht. Um unsere Analyse der Ereignisse zu verfolgen, die die Vermögensmärkte beeinflussen, besuchen Sie bitte Viewpoint unter https://viewpoint.bnpparibas-am.com.
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