In den letzten Jahren haben Investoren zunehmend erkannt, dass sie eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen. Sie haben reagiert, indem sie in Unternehmen mit starken Klima- und Biodiversitätsstrategien investiert und Unternehmen mit hohen Emissionen gemieden haben. Viele Anleger überlegen nun, wie sie dazu beitragen können, die Artenvielfalt der Welt zu erhalten.
Es ist vielleicht nicht sofort offensichtlich, warum der Erhalt der biologischen Vielfalt ebenso wichtig ist wie die Minimierung des Klimawandels, aber die Wissenschaft ist klar: Der Verlust der biologischen Vielfalt hat weitreichende Auswirkungen: von der Unterbrechung der Lieferketten über die Bedrohungen der Ernährungssicherheit hin zu einer wachsenden Anfälligkeit gegenüber Naturkatastrophen.
Diese Entwicklungen bringen erhebliche wissenschaftliche Folgen mit sich – die Europäische Zentralbank (EZB) weist ausdrücklich darauf hin, dass der Verlust der biologischen Vielfalt ein erhebliches Risiko für die Finanzstabilität darstellt.
Vor diesem Hintergrund befassen sich immer mehr Anleger damit, wie sie Biodiversität in ihren Anlageprozess integrieren können.
Bei BNP Paribas Asset Management beziehen wir die biologische Vielfalt seit mehreren Jahren in unseren Anlageprozess ein, und zwar im Rahmen der nichtfinanziellen Analyse und des ESG1-Scoings, welche wir bei der Portfoliokonstruktion für die meisten unserer Anlagestrategien anwenden. Wir schließen Unternehmen mit den stärksten Auswirkungen aus unseren Anlageuniversen aus.
Wir gehen jetzt noch einen Schritt weiter: Neben unserem Fokus auf die Verringerung des Klima- Fußabdrucks unserer verwaltenden Portfolios rücken wir nun den Fokus auf die biologische Vielfalt als eigenständiges Thema mehr in den Mittelpunkt. Angesichts der Tatsache, dass viele Kunden einen passiven Anlageansatz verfolgen, beschreiben wir im Folgenden, wie wir den Biodiversitäts-Fußabdruck eines passiv verwalteten globalen Large-Cap-Aktienportfolios reduziert haben, ohne dessen Tracking Error wesentlich zu beeinflussen.
Ermittlung der größten Biodiversitätsverursacher
Unser Ausgangspunkt ist die Bewertung der Unternehmen, die den größten Einfluss auf die Biodiversität haben.
Das ist leichter gesagt als getan – während des Konzepts hinter der Messung relativ klar ist (je mehr Treibhausgase sie ausstoßen, desto größer sind ihre Auswirkungen), ist die Erfassung der Auswirkungen eines Unternehmens auf die biologische Vielfalt weniger einfach.
Wir verwenden Daten von Iceberg Data Lab, einem Fintech-Unternehmen, welche den Einfluss einzelner Unternehmen auf die fünf direkten Trebeiber des Biodiversitätsverlusts misst, die von IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) identifiziert wurden. Sie beinhalten folgende Punkte:
- Wandel der Land- und Seenutzung
- Direkte Ausbeutung von Arten
- Klimaveränderung
- Verschmutzung
- Invasive gebietsfremde Arten.
Er bündelt sie in einer einzigen Metrik – dem Corporate Biodiversity Footprint.2
Die Daten zeigen deutlich, dass Unternehmen aus den Sektoren Grundstoffe und Basiskonsumgüter den größten Teil des Biodiversitätsverlusts ausmachen, während Unternehmen aus dem IT- und Finanzsektor den geringsten Einfluss haben.

Minimierung des Tracking Error in einem passiven Aktienportfolio
Für ein Portfolio mit begrenztem Tracking Error im Vergleich zu seiner Benchmark (verwendet wird der MSCI Europe ex-UK Index) nutzen wir eine Optimierung, um die Auswirkungen der Reduzierung des gesamten Biodiversitäts-Fußabdrucks des Portfolios um unterschiedliche Beträge zu bestimmen.
Wie in Abbildung 2 zu sehen, hat eine Reduzierung des Fußabdrucks um 50 % keinen maßgeblichen Einfluss auf den Tracking Error als eine Reduzierung um 20 % oder 30 %. Eine Verringerung des Fußabdrucks (in der Anlage als CBF gekennzeichnet) um 70 % führt jedoch zu einem deutlich höheren Tracking Error.

Aus Anlagesicht wäre es nicht wünschenswert, nur in einer begrenzten Anzahl von Sektoren engagiert zu sein, nicht zuletzt, da dies den Tracking Error eines passiven Portfolios erhöhen würde. Entsprechend würden wir Unternehmen mit einem geringen Biodiversitäts-Fußabdruck übergewichten und Unternehmen mit einem größeren Fußabdruck untergewichten oder ganz vermeiden.
Im Bereich Basiskonsumgüter würden wir uns beispielsweise für eine niedrigere Platzierung von Supermärkten entscheiden, die aufgrund ihrer Abhängigkeit von landwirtschaftlichen Lieferketten einen hohen Einfluss auf die biologische Vielfalt haben.
Die Bedeutung des Engagements für den Verlust der biologischen Vielfalt
Die Reduzierung des Biodiversitäts-Fußabdrucks eines Portfolios ist ein wichtiger Schritt für Anleger, aber per se muss er nicht unbedingt zu einem viel geringeren Verlust der biologischen Vielfalt in der realen Welt führen. Daher vertreten wir die Ansicht, dass die Zusammenarbeit mit den Unternehmen, in die wir in unseren Portfolios investieren, von entscheidender Bedeutung ist.
In den letzten Jahren haben wir uns mit Pharmaunternehmen zusammengetan, um sie dazu zu bewegen, das Blut der gefährdeten Pfeilschwanzkrabbe nicht mehr für Tests auf Endotoxine zu verwenden, welche Sepsis verursachen können. Diese Maßnahmen haben zu Ergebnissen geführt, und mehrere Unternehmen haben sich verpflichtet, die Verwendung dieser Tiere auslaufen zu lassen.
Weitere Beispiele für unsere aktive Eigentümerpraxis sind die Einreichung von Aktionärsanträgen zur Beseitigung der Entwaldung, die durch die kambodschanische Bekleidungsindustrie und die Schädigung der borealen Wälder Kanadas verursacht wird.
Weitere Ansätze für biodiversitätsbezogene Anlagen
Im Falle des hier beschriebenen passiven Large-Cap-Aktienportfolios haben wir uns darauf konzentriert, das Engagement in Unternehmen mit den stärksten Auswirkungen auf die Biodiversität zu minimieren.
Portfolios mit unterschiedlichen Zielen und Einschränkungen können auch andere Ansätze erfordern.
Bei aktiv verwalteten Portfolios, die weniger auf die Minimierung von Tracking Error ausgerichtet sind oder in Anlageklassen wie Small Caps, Private Markets und festverzinsliche Wertpapiere investieren können, kann ein flexiblerer Ansatz ein erhöhtes Engagement in Lösungsanbietern ermöglichen. Diese können den Verlust an biologischer Vielfalt tatsächlich verringern und möglicherweise auch zu den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung beitragen.
Da sich biodiversitätsbezogene Anlagen noch in einem frühen Stadium befinden, halten wir es für wichtig, dass Anleger eng mit einem Vermögensverwalter zusammenarbeiten, um ihre Biodiversitätsziele und mögliche Lösungen zu erarbeiten.
[1] ESG – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. ESG-Bewertungen basieren auf der proprietären Methodik von BNPP AM, die alle 3 Aspekte von E, S & G integriert
[2] Weitere Informationen zur Berechnung dieser Daten und zu ihren Grenzen finden Sie https://docfinder.bnpparibas-am.com/api/files/60B8656F-6A6F-4A35-9244-A997DCCB59FD