Heiss ist’s, und Aktien stiegen im Sommer auf neue Allzeithochs. Trotz aller Konjunkturrisiken wächst die Weltwirtschaft. Die Unternehmensgewinne bleiben hoch.
Und doch könnte Ungemach drohen – durch die Zwischenwahlen in den USA, die nächsten Inflationszahlen und Zweifel, dass die Notenbanken im Herbst weiter stillhalten.
- Wichtige Makrothemen: Stabilität ist gefragt, aber eine Rezession bleibt unwahrscheinlich
- Wichtige Marktthemen: Aktien können weiter steigen, vor allem in Europa
Bleiben Sie optimistisch
Europa stöhnt unter der Hitze, aber Marktthemen und Ertragsfaktoren sind wie gehabt. Der Irankonflikt harrt einer Lösung, aber die Energiemärkte funktionieren weiter, und der Ölpreis scheint die Weltkonjunktur einstweilen nicht ernsthaft zu gefährden.
KI-Investitionen bleiben ein wichtiges Thema, bestätigt durch die Zweitquartalszahlen der Unternehmen. Halbleiteraktien haben sich nach der Korrektur im Juni und Juli wieder erholt; die Hyperscaler geben noch immer viel Geld für Rechenleistung aus.
Unterdessen läuft die Inflation nicht aus dem Ruder, und die meisten Notenbanken verzichten auf Zinserhöhungen. Die langfristigen Anleihenrenditen sind trotzdem gestiegen, was den Aktienmärkten meist aber nur wenig geschadet hat.
Natürlich kann man sich immer über irgendetwas Sorgen machen: vielleicht über El Niño, die Hitzewelle und die Dürre in Europa mit Auswirkungen auf die Ernten – oder über die unklare politische Lage vor den Zwischenwahlen in den USA.
Wer aber weiterhin in Industrieländer- und Emerging-Market-Aktien und dazu in High Yield investiert, könnte auch in Zukunft richtig liegen.
Aber keine Langläufer
Vor meinem Sommerurlaub – diesmal auf den Äusseren Hybriden vor der schottischen Westküste, wo es tatsächlich geregnet hat – schrieb ich über den Frust vieler Anleger bei langfristigen Anleihen.
Seitdem sind die US-Langfristrenditen etwas gestiegen. Wenig hilfreich ist allerdings, dass der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh so wenig von Forward Guidance hält.
Es ist schwer einzuschätzen, bei welchem Renditeniveau Langläufer attraktiver wären. Die derzeitige 30-Jahres-Rendite von 5,25% scheint in Ordnung, jedenfalls dann, wenn die Fed ihr Inflationsziel am Ende doch noch erfüllt.
Doch Märkte neigen zu Übertreibungen. Vor den Wahlen im November wachsen die politischen Risiken. Und natürlich werden Anleger auf die Fiskalpolitik achten, wenn jetzt wie jedes Jahr die Haushaltsplanung beginnt.
Im Juli betrug das US-Haushaltsdefizit etwa 1,8 Billionen US-Dollar, etwas mehr als vor einem Jahr und dicht an den Jahresprojektionen des CBO.
Werden sich die Mehrheitsverhältnisse bei den Zwischenwahlen so stark verändern, dass die Fiskalpolitik nachhaltiger werden kann? Anleger haben da so ihre Zweifel.
Die US-Hypothekenzinsen sind das ganze Jahr über gestiegen, auf jetzt 6,8% im Landesdurchschnitt (für 30 Jahre, laut Bankrate.com). Keine Regierung will kurz vor einer wichtigen Wahl steigende Hypothekenzinsen, auch wenn sie noch immer niedriger sind als 2023.
Ein schwieriges Halbjahr für US-Staatsanleihen?
US-Staatsanleihen könnten also unter Druck geraten, und vielleicht erhöht die Fed ihren Leitzins am Ende doch noch. Im Juli entsprach die Inflation aber weitgehend den Markterwartungen, und sowohl die 12-Monats-Inflation als auch ihre Kernrate waren etwas niedriger als im Juni.
Die derzeitige Kombination aus Inflation und Arbeitslosigkeit scheint Zinssenkungen auszuschliessen. Aber natürlich könnten die Notenbanken wegen steigender Lebensmittel- und Energiepreise auch in den letzten Monaten des Jahres mehr auf die Inflation achten.
Laut Bloomberg sind lang laufende US-Staatsanleihen im September und Oktober oft schwach. Angesichts der Inflationsrisiken, der Zwischenwahlen und der Anlegern noch weitgehend unbekannten neuen Reaktionsfunktion der Fed könnten Anleihen bis zum Jahresende weiter unter Druck stehen.
Ändern kann sich das meiner Meinung nach nur bei plötzlich schwächeren Konjunkturdaten oder – der wahrscheinlichere Fall – bei einem externen Schock.
Alles in allem scheint das Risiko-Ertrags-Profil von kürzer laufenden Titeln attraktiver – ebenso wie das von Papieren, die wie High Yield einen hohen Spread haben.
Europäische Anleihen haben sich im letzten Quartal gut entwickelt. Die Peripherieländer-Spreads gingen zurück; nachrangigere Credits verzeichneten ein ordentliches Plus.
Gute Konjunktur hilft Aktien
Risikobehaftete Titel scheinen mir weiterhin interessant. Der Weltwirtschaft geht es recht gut; bis 2027 dürfte das Wachstum der grossen Volkswirtschaften dem Langfristtrend entsprechen. Die Industrie ist stabil, die Indikatoren für den Dienstleistungssektor bleiben gut.
Anleger sind daher zuversichtlich, dass die Unternehmensgewinne weiter kräftig steigen. Man rechnet damit, dass sie beim S&P 500 in den nächsten 12 Monaten um knapp 20% zulegen. Für den Euro Stoxx Index werden 12% erwartet, für den britischen FTSE 350 10% und für japanische Aktien 15%.
Die Bewertungen auf Erwartungsbasis sind in den letzten Monaten gefallen. Vielleicht bilden die Kurse die höheren Langfristrenditen schon ab.
Fest steht, dass der KI-Boom wohl auch künftig der Marktstimmung hilft. Anleger sind davon überzeugt, dass KI die Produktivität fördert. Vielleicht hat das schon begonnen.
Sonne über Europa
Spannend waren zuletzt die relativen Entwicklungen. Europäische Aktien lagen vor US-Titeln, weil Anleger angesichts hoher Unternehmensinvestitionen die Bewertungen grosser US-Technologiewerte hinterfragt haben.
In Europa bleibt Autonomie ein wichtiges Marktthema – zum Nutzen von Sektoren wie Verteidigung, Technologie, Energie und Finanzen. Ausserdem macht man sich hier weniger Sorgen über Inflation und Staatsfinanzen als in den USA.
Die Europäische Zentralbank wirkte zuletzt entschlossener, während die Fed unberechenbarer werden könnte.
Spanien, das Land des neuen Fussballweltmeisters, und Italien waren dieses Jahr die bislang erfolgreichsten europäischen Aktienmärkte. In den USA sorgen unterdessen die Fed und die Zwischenwahlen für Risiken. Europa könnte also weiter vorn liegen, auch wenn es kühler wird – an den Märkten wie bei den Temperaturen. Rechnen wir mit einem spannenden Herbst.
Performancedaten/Quellen: LSEG Workspace Datastream, ICE Data Services, Bloomberg, BNP Paribas AM, Stand 13. August 2026, falls nicht anders angegeben. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf künftige Erträge.