Schwellenländeraktien bieten Anlegern ein breites Spektrum an Diversifizierungsmöglichkeiten in Wirtschaftsräumen, die sich nach der Pandemie wieder erholen, beispielsweise in China aber auch in anderen Teilen Asiens. Quang Nguyen, Head of Global Emerging Market Equities erläutert, was für eine aktive Portfolioverwaltung spricht.
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Von allen Schwellenmärkten haben zuletzt vor allem China und in der Folge weitere asiatische Wirtschaftsräume im Fokus gestanden. China war als erstes Land von der Pandemie betroffen und hat sie vor allen anderen überwunden. Die anhaltende starke Erholung des Landes von den Folgen der Lockdowns und anderen Schutzmaßnahmen hat weitere Wirtschaftsräume der Region mitgezogen. Die Performance der übrigen Schwellenmärkte fiel unterschiedlich aus, was auch darauf zurückzuführen ist, dass die Impfkampagnen in vielen Ländern zunächst nur schleppend in Gang kamen.
Bevor wir uns die regionale Performance ansehen, möchten wir darauf hinweisen, dass die Pandemie nur begrenzte Auswirkungen auf das Portfolio hatte. Wir waren in der Lage, schon frühzeitig, als in der chinesischen Stadt Wuhan gerade der erste Lockdown verhängt wurde, unser Exposure in Aktien aus der Reisebranche zu reduzieren.
Manche dieser Aktien werden trotz der Erholung und der laufenden Impfkampagnen immer noch auf Niveaus gehandelt, die die zugrundeliegenden Fundamentaldaten nicht vollständig widerspiegeln. Daher ergeben sich dort immer mehr Chancen. Als langfristige Anleger erwarten wir, dass viele Unternehmen von den umfangreichen Konjunkturmaßnahmen und sonstigen staatlichen Förderpolitiken in aller Welt noch viele Jahre profitieren werden. Dazu zählen natürlich Titel, die von der Erholung profitieren, wie beispielsweise die reisebezogenen Branchen.
Schwellenmärkte: Nicht nur Asien
Obwohl die Probleme beim Impfstart die Wertentwicklung des Schwellenländer-Gesamtindex wohl behindert haben, ist er dennoch um 7% seit Jahresanfang angestiegen. Im Vorjahresvergleich weist er ein solides Plus von 41% auf. Und aus unserer Sicht ist das Ende noch nicht erreicht.
Bevor wir auf die Aussichten eingehen, sollten wir uns zunächst aber die regionale Performance genauer ansehen. Regionen außerhalb Asiens, beispielsweise Lateinamerika, Osteuropa und Südafrika, haben sich seit Jahresanfang besser entwickelt als die Regionen Asiens. Ihr Anstieg beträgt rund 15% (siehe Diagramm 1).

Dies unterstreicht die Tatsache, dass Schwellenländer aus einer Vielzahl von Ländern bestehen, die nicht alle über einen Kamm geschoren werden sollten und in Bezug auf die Risiken und Chancen eine individuelle Beurteilung verdienen.
Diversifizierung: Chancen ergreifen
Anleger sollten berücksichtigen, dass der breit gefasste Schwellenländerindex mehr als 25 Länder und rund 2000 Unternehmen abdeckt. Wenn Sie ein passiver Anleger sind und nur in den Index investieren, konzentrieren Sie sich tatsächlich nur auf die Top-15-Unternehmen, die 30% des Index darstellen. Dies ist eine recht konzentrierte Anlage. Wir glauben, dass auch eine breitere Perspektive möglich ist. Wenn man die rund 1000 verschiedenen Möglichkeiten voll ausnutzen will, ist eine aktive Vermögensverwaltung unabdingbar.
Die jüngste Rotation in Value-Aktien hat das entsprechende Angebot sogar noch wachsen lassen (in der Regel verbindet man mit den Schwellenmärkten ein Growth-Profil). Aus unserer Sicht wird die Rotation von Growth in Value / die zyklische Rotation vor allem wegen des Zinsanstiegs wahrscheinlich mittelfristig anhalten.
Auf Portfolioebene war aufgrund des Preisanstiegs in Verbindung mit der zyklischen Erholung vieler Wirtschaftsräume eine Erholung der Rohstoffunternehmen zu beobachten, die sich unseres Erachtens fortsetzen wird, weil diese Unternehmen immer noch mit einem Abschlag gehandelt werden. Auch hier gilt: Investiert man nur in den Index, verpasst man solche Chancen, denn diese Unternehmen machen nur einen kleinen Teil des MSCI EM Index aus.
Durch Diversifizierung die Risiken meiden
Anlagen auf Schwellenmärkten sind durchaus in vielen Fällen mit geopolitischen Risiken verbunden, aber wir glauben, dass die Unsicherheiten sich durch eine konstante Diversifizierung zwischen den Ländern vermeiden lassen. Ein weiterer Schritt zur Steuerung dieser Risiken ist die Einzelbewertung jedes Landes in Bezug auf Punkte wie z.B. Kapitalkontrollen, Marktliquidität und Schuldentragfähigkeit.
Da zu diesem Komplex mehr als 25 Länder gehören, gibt es aus unserer Sicht reichlich Möglichkeiten, um Länder zu vermeiden, in denen viele geopolitische Unsicherheiten bestehen. Dies macht erneut eine aktive Portfolioverwaltung erforderlich, um Alpha zu generieren.
Unterbewertung sorgt für zusätzliche Attraktivität
Neben den Diversifizierungsvorteilen bestehen in unseren Augen zurzeit auch attraktive Bewertungen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI Emerging Markets Index liegt bei 14x. Dies ist weniger als im Fall des MSCI World (20x), des US S&P500 (21x) und des US NASDAQ (27x) (siehe Diagramm 2).

Einige der innovativsten und größten Unternehmen der Welt haben ihren Sitz in den Schwellenländern. So gesehen wird die Anlageklasse auch mit einem Abschlag gegenüber dem langfristigen Wachstumsprofil und den soliden Fundamentaldaten des MSCI EM Index gehandelt. Aufgrund dieser Unterbewertung gegenüber zahlreichen Märkten der Industrieländer sind wir recht optimistisch, was den Ausblick für diese Anlageklasse in den nächsten drei bis vier Jahren anbelangt. Wir konzentrieren uns auf neue spezifische Gelegenheiten wie beispielsweise attraktiv bewertete hochwertige Wachstumsunternehmen, fehlbewertete Wachstumsgelegenheiten und, bei Gelegenheit, Sondersituationen.