Überzeugende Anlagerenditen zu erwirtschaften und gleichzeitig die Probleme rund um den Klimawandel anzugehen, kann entmutigend sein. Wie können Anleger in Staatsanleihen die wachsenden Anlagerisiken berücksichtigen? Wie können sie diese Risiken quantifizieren und angemessene Schutzmaßnahmen implementieren? Und was ist mit der Zusammenarbeit mit Emittenten von Staatsanleihen?1
Steigende Risiken
Klima- und Biodiversitätsrisiken beeinträchtigen zunehmend die Bonität von Emittenten von Staatsanleihen. Während der Laufzeit einer 30-jährigen Anleihe werden steigende Temperaturen sowohl bekannte als auch unbekannte Risiken mit sich bringen. Unvorhersehbare Wettermuster und Extremereignisse können das Risikoprofil traditionell stabiler Staatsanleihenportfolios verändern.
Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass der Verlust der biologischen Vielfalt die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts bedroht und aufgrund der Abhängigkeit der Wirtschaft von der Natur einen erheblichen wirtschaftlichen Wert gefährdet.2
Bewertung der ESG-Performance und -Risiken von Staatsanleihen
Die Verwalter von Staatsanleihen analysieren seit langem Governance-Risiken.
Um die anderen ESG-Kriterien – neben der Unternehmensführung die ökologischen und sozialen Faktoren – zu quantifizieren, haben wir ein Rahmenwerk entwickelt, um 109 Industrie- und Schwellenländer zu bewerten.
Dabei werden beispielsweise die Energieinfrastruktur, die Verfügbarkeit von Wasser, die Bemühungen, die Auswirkungen des Klimawandels abzuschwächen sowie die Exposition gegenüber physischen Klimarisiken berücksichtigt.
Eine Antwort: Green Bonds
Wir glauben, dass grüne Anleihen für die Finanzierung des Übergangs zu einer nachhaltigen Weltwirtschaft unerlässlich sind. Sie helfen bei der Finanzierung von Projekten, die positive Auswirkungen auf die Umwelt haben. Hierzu gehören z.B. erneuerbare Energien, energieeffizienter Transport, umweltfreundliche Gebäude und nachhaltiges Ressourcenmanagement.
Regierungen begeben immer mehr grüne Anleihen (siehe Abbildung 1): 35 Staaten emittierten im Jahr 2023 grüne Anleihen; 17 waren Industrieländer und 18 Schwellenländer. Sieben der 35 haben ihre erste grüne Anleihe emittiert.

Mit der Ausweitung der Emissionen wachsen auch die Instrumente, die zu ihrer Bewertung erforderlich sind, sowohl auf der Ebene der Vermögensverwaltung als auch auf der regulatorischen Ebene.
Der Ende 2024 in Kraft tretende European Union Green Bonds Standard (EUGBS) wird die Berichts- und Transparenzanforderungen erheblich erhöhen. So wird der Standard beispielsweise verlangen, dass mindestens 85 % der durch eine grüne Anleihe finanzierten Wirtschaftstätigkeiten mit der EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten übereinstimmen.
Die Kraft der Zusammenarbeit
Wir glauben, dass die direkte Zusammenarbeit mit Emittenten von Staatsanleihen ein wirksames Instrument ist, um Klimarisiken zu verstehen und Maßnahmen zu bewirken.
Wir tauschen uns regelmäßig und aktiv mit Aufsichtsbehörden und Staaten über Umweltpolitik sowie mit Kreditnehmern über einzelne Anleihestrukturen aus.
Aus unserer Sicht trägt dieses Engagement dazu bei, dass die eingeworbenen Mittel effektiv eingesetzt werden und dass die Umweltleistung regelmäßig überwacht und darüber berichtet wird. Dies sollte dazu beitragen, Bedenken hinsichtlich des Greenwashings auszuräumen.
Die Notwendigkeit eines aktiven Managements
Wir sind der Meinung, dass ESG-Anlagen in Staatsanleihen ein aktives Management erfordern, um praktische Bedenken auszuräumen und Risiken, Chancen und Gewinne zu quantifizieren.
Aktive Manager können dazu beitragen, Herausforderungen zu mildern, Greenwashing zu vermeiden und Mehrwert zu generieren. Sie können Anlagerisiken auch dynamisch anpassen, um sie an den ESG-Zielen auszurichten und gleichzeitig einen angemessenen Tracking Error beizubehalten und wirtschaftliche Renditen zu erzielen.
Staatsanleiheportfolios und steigende Temperaturen
Es ist möglich, ein Portfolio von Staatsanleihen aufzubauen, das auf eine nachhaltige Senkung der globalen Temperaturen bei gleichzeitiger Beibehaltung der wirtschaftlichen Renditen abzielt.
Wir sind der Ansicht, dass sich aktiv verwaltete ESG-Staatsanleihenportfolios auf traditionelle wirtschaftliche Variablen konzentrieren und sich dabei für Länder entscheiden können, die auf Umweltbelange abzielen.
Ein solcher Ansatz kann das Anlagerisiko senken, die Rendite steigern oder beides.
Anleger können den CO2-Fußabdruck ihres Portfolios verringern, indem sie herkömmliche Staatsanleihen durch grüne Anleihen ersetzen, die vom selben Staat ausgegeben werden.
Es gibt viel zu tun
Investitionen in den Klimawandel sind komplex, und der Markt für ESG-Staatsanleihen befindet sich noch in der Reifephase. Engagement und aktives Management sind jedoch entscheidend, um die Dynamik bei der Bekämpfung des Klimawandels aufrechtzuerhalten.
Wir sind der Ansicht, dass die Finanzdienstleistungsbranche in der Pflicht ist, ESG-Staatsanleihen zugänglicher, zuverlässiger und rentabler zu machen, sowie über diese aufzuklären und sie zu verbessern.
Mit einem Engagement für ESG und einer ausgefeilten Expertise im Portfolioaufbau ist es unserer Ansicht nach möglich, Staatsanleihenportfolios aufzubauen, die Anlegern helfen, ihre ESG-Ziele zu erreichen.
[1] Dies ist eine gekürzte Version. Den vollständigen Artikel von Arnaud-Guilhem Lamy, Cedric Scholtes und Malika Takhtayeva finden Sie unter ad34b414-2fef-4548-8f09-e0cf577b5ea3 (bnpparibas-am.com)
[2] Weltwirtschaftsforum, https://www.weforum.org/agenda/2023/02/biodiversity-nature-loss-cop15/