Investitionen in Real Assets – von erneuerbaren Energieprojekten und energieeffizienten Gebäuden bis hin zu Batteriespeicher und Wälder – spielen eine entscheidende Rolle bei der Energiewende. Hier untersuchen unsere Experten, wie sich die makroökonomischen Unsicherheiten auf diesen Bereich auswirken und betrachten die Trends, die das Wachstum der privaten Finanzierung unterstützen.
Da den Regierungen momentan weniger Mittel für langfristige Verbindlichkeiten im Rahmen der Energiewende zur Verfügung steht, greifen institutionelle Anleger wie Pensionsfonds und Versicherungsunternehmen zunehmend ein, um Finanzierungen bereitzustellen.
Neben einem potenziell attraktiven Risiko-Rendite-Profil können Real Assets auch vorhersehbare Cashflows bereitstellen, die mit den Verbindlichkeiten dieser Anleger abgestimmt sind.
Darüber hinaus kann diese Anlageklasse als Portfoliodiversifikator fungieren: Die Renditen weisen in der Regel eine geringe Korrelation zu traditionellen festverzinslichen Anlagen oder zum allgemeinen Konjunkturzyklus auf. Real Assets können zudem Schutz vor Inflationsrisiken bieten.
Dieser Bereich ist jedoch nicht gegen makroökonomische Bedingungen oder Veränderungen im politischen oder regulatorischen Umfeld immun. Der Inflation Reduction Act der USA von 2022 hat nachhaltige Infrastrukturprojekte maßgeblich unterstützt, die Wahl Donald Trumps im November 2024 hat jedoch erhebliche Unsicherheiten verursacht.
„Obwohl Private Assets, insbesondere Infrastruktur, weitgehend von Marktzyklen geschützt sind und eine defensive Anlageklasse darstellen, können die jüngsten Entwicklungen kurzfristig für Unsicherheit sorgen“, sagt Karen Azoulay, Head of Real Assets.
„Mittel- bis langfristig dürfte der europäische Markt jedoch von soliden Fundamentaldaten profitieren. So plant die Europäische Union beispielsweise die Umsetzung eines starken Industrieplans, der im Wesentlichen einen Fahrplan für Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität darstellt. Dies sollte zu konkreteren Maßnahmen auf dem Weg zur Dekarbonisierung führen.“
Entwicklungen bei Immobilien und Natural Capital
Auf dem europäischen Immobilienmarkt haben höhere Kapitalkosten den Fokus von Anlegern und Entwicklern von der Minderung – der Reduzierung der CO2-Emissionen von Gebäuden – hin zur Anpassung verschoben. Dabei geht es darum, Immobilien gegenüber dem Klimawandel widerstandsfähiger zu machen.
„Es gibt drei Hauptwege, um Verbesserungen vorzunehmen“, erklärt Laurent Ternisien, Deputy Global Head of Real Estate Investment Management.
„Erstens können Sie Investitionen tätigen, um Ihr Gebäude zu verbessern. Zweitens umfasst die Ausgaben für betriebliche Veränderungen, und drittens geht es um die Einbindung der Stakeholder – indem Sie sicherstellen, dass die Mieter die Ansichten der Eigentümer in Bezug auf Dekarbonisierung und Energieeffizienz teilen. Investitionen sind nach wie vor wichtig, aber die beiden anderen Elemente spielen eine immer wichtigere Rolle.“
Investitionen in Natural Capital, darunter Wälder, Ackerland und die Wiederherstellung von Ökosystemen, weisen geringe Korrelationen zu traditionellen Anlageklassen auf und bieten inflationsgeschützte Renditen. Diese sind in Zeiten allgemeiner Konjunkturabschwünge besonders attraktiv.
Céline Claudon, Chief Commercial Officer bei IWC, sagt: „Beispielsweise gab es nach der globalen Finanzkrise ein großes Interesse an Natural Capital, da Anleger auf der Suche nach unkorrelierten Vermögenswerten waren.“
Europas führende Rolle bei der Energiewende
Da die USA offenbar ihren Fokus auf Nachhaltigkeit verringern, hat Europa die Chance, seine Position als globaler Vorreiter bei der Dekarbonisierung zu stärken.
Der Kontinent verfügt aufgrund seines relativ stabilen politischen und regulatorischen Umfelds über einen potenziellen Vorteil. In diesem Jahr sind die EU und die nationalen Regierungen, darunter auch Deutschland und das Vereinigte Königreich, erhebliche neue Verpflichtungen zu Infrastrukturinvestitionen eingegangen.
„Diese Art von Stabilität ist ein entscheidendes Element jeder langfristigen Investition“, sagt Azoulay.
Ternisien ergänzt: „Das regulatorische Umfeld im europäischen Immobiliensektor kann manchmal eine Herausforderung sein, aber es sorgt dafür, dass wir gleiche Wettbewerbsbedingungen und ein Maß an operativer Unabhängigkeit haben, das man in anderen Teilen der Welt möglicherweise nicht findet. Außerdem verfügen wir über gut etablierte Branchengremien, die es den Marktteilnehmern ermöglichen, Ideen auszutauschen und gemeinsame Fortschritte zu erzielen.“
Claudon sagt, dass IWC bei vielen ihrer außereuropäischen Aktivitäten von der EU entwickelte regulatorische Rahmenbedingungen verwendet. „So könnten wir beispielsweise anderswo auf der Welt einen Ansatz basierend auf der SFDR (Sustainable Finance Disclosure Regulation) und der europäischen Taxonomie verfolgen. Das Schöne an Private Assets ist, dass man jedes gewünschte Maß an Nachhaltigkeit umsetzen kann – vorausgesetzt, man erfüllt die lokalen Mindeststandards, die ausnahmslos niedriger sind als die Standards, die wir durchsetzen würden.“
Chancen und ESG-Allokationen
Trotz der jüngsten Unsicherheit und des politischen Kurswechsels in den USA sind die Private-Market-Investoren ihrer Verpflichtung zur Nachhaltigkeit treu geblieben.
Azoulay sagt, dass sich die Infrastrukturkunden nicht aus Selbstzweck für Nachhaltigkeit interessieren. „Sie interessieren sich für die diversifizierte Pipeline an Chancen und den damit verbundenen relativen Wert im Bereich der Energiewende, da es für Europa entscheidend ist, über zugängliche und erschwingliche Energie zu verfügen – sowohl aus Gründen der Souveränität als auch für die Wettbewerbsfähigkeit.“
In den vergangenen zwei Jahren, fügt Ternisien hinzu, sei der Ansatz der Anleger in Bezug auf Nachhaltigkeit gereift.
“Vor einigen Jahren stand ESG bei allen auf der Tagesordnung, aber es war nicht immer klar, was die Menschen damit meinten. Wenn man den Immobiliensektor betrachtet, lag der Fokus stark auf der Gebäudezertifizierung, aber wir hatten es mit mindestens fünf oder sechs verschiedenen Standards zu tun, und dieser Mangel an Harmonisierung machte es den Anlegern schwer. Inzwischen ist der Markt gereift und das Maß an Professionalität der Anleger im Hinblick auf ESG hat sich weiterentwickelt.“
Claudon sagt, dass die Wiederherstellung von Ökosystemen derzeit einer der am stärksten unterkapitalisierten Bereiche im Segment des Natural Capital ist.
„Es gibt viele Chancen, die Anleger noch nicht in Betracht gezogen haben, insbesondere in Europa – der Markt in den USA ist tatsächlich schon recht gut entwickelt. Außerdem besteht ein enormer Investitionsbedarf, um den Landwirten den Übergang von industrieller zu regenerativer Landwirtschaft zu erleichtern.“
„In der Forstwirtschaft sind derzeit nur 3 bis 5 Prozent der Wälder weltweit als nachhaltig bewirtschaftet zertifiziert – wenn wir also weiterhin nachhaltig produziertes Holz verwenden wollen, müssen wir mehr Geld in diesen Sektor investieren.“
Was den aktuellen Dealflow betrifft, liegen die erneuerbaren Energien weiterhin vor anderen Bereichen des Infrastruktursektors. Azoulay weist darauf hin, dass es nicht nur um Investitionen in die Stromerzeugung geht. „Es gibt interessante Chancen in Bereichen wie Batteriespeicher und nachhaltige Mobilität – und das ist positiv im Hinblick auf die potenzielle Diversifizierung des Portfolios.“
Sie fügt hinzu: „Gleichzeitig besteht in neueren Sektoren ein großer Bedarf an spezialisierten Fähigkeiten, etwa bei Investitionen in Wasserstoff, Batteriespeicher oder Biogas. Um auch in einfachere Sektoren wie erneuerbare Energien investieren zu können, sind sehr spezielle Kenntnisse erforderlich, um Entwicklungs- oder Handelsrisiken einschätzen zu können.“
„Wir bei BNP Paribas Asset Management glauben, dass wir über die internen Kapazitäten verfügen, um diese Sektoren zu analysieren. Gleichzeitig stellt die Zugehörigkeit zu einer größeren Gruppe, die bei der Finanzierung der Energiewende an vorderster Front steht, aus unserer Sicht ein echtes Differenzierungsmerkmal dar.“