Zu Aktien gehört nun einmal, dass ihre Kurse schwanken, aber der Sommer 2024 war sicherlich besonders. Zu den Gründen für den Ausverkauf gehörten Bedenken über die US-Wirtschaft und eine jähe Auflösung der Yen-Carry-Trades. Und der Hype um die Künstliche Intelligenz (KI) wurde gestört durch die Frage, ob die riesigen Summen, die investiert wurden, überhaupt eine entsprechende Rendite abwerfen. Daniel Morris schaut sich das KI-Thema genauer an.*
Rendite und Ausgaben haben sich synchron bewegt
Viele Unternehmen haben massiv in künstliche Intelligenz investiert, in dem Glauben, dass sie damit die Transformation ihres Geschäftsmodells beschleunigen. Ob das so eintrifft, weiß niemand, aber man sollte sich die Kapitalrendite der US-Technologieunternehmen vor Augen führen: Investitionen und Gewinne sind im Gleichschritt gestiegen (siehe Abbildung 1).

Wir schätzen, dass die großen US-Cloud-Service-Provider 2024 zusammen über 150 Milliarden US-Dollar ausgeben. Wenn wir andere Mega-Cap-Unternehmen einbeziehen, die eine KI-Infrastruktur aufbauen, könnte diese Summe bei über 200 Milliarden US-Dollar liegen. Diese Summe würde einem Wachstum von mehr als 50 % im Vergleich zu 2023 entsprechen.
Diese Investition erfolgt in Sektoren mit erheblichem Wachstumspotenzial, darunter die Übersetzung und Erstellung von Computercodes. Der Einsatz der Modelle, die der KI zugrunde liegen, erfordert jedoch erhebliche Investitionen in Rechenzentren, in denen sich das Wachstum aufgrund von KI-Investitionen voraussichtlich beschleunigen wird.
Laut Gartner könnten KI-Server im Jahr 2024 den Großteil der gesamten Serverausgaben von Hyperscalern – einer Art von großen Rechenzentren mit massiven Rechenressourcen – ausmachen. Das Unternehmen hat kürzlich den Anstieg seiner gesamten IT-Ausgaben für Rechenzentren im Jahr 2024 von 10 % (im April) auf 24 % erhöht – das ist mehr als das Doppelte (siehe Abbildung 2).

Letztendlich ist jedoch zu erwarten, dass die höchsten Renditen von denjenigen erzielt werden, die über die KI-Infrastruktur hinaus solche KI-gestützte Anwendungen entwickeln können, die sich am Markt durchsetzen.
Chancen in einem hoch bewerteten Segment erkennen
Selbst wenn ein gutes Gewinnwachstum erwartet wird (die Konsensschätzungen für den technologielastigen US-amerikanischen NASDAQ 100-Index gehen von einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von 17 % in den nächsten drei Jahren aus), sehen die Bewertungen jetzt relativ hoch aus.
Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 26x liegt nahe dem oberen Ende der Bewertungen der letzten 20 Jahre, obwohl es niedriger ist, wenn man die extremen Niveaus der Tech-Blase der späten 1990er Jahre berücksichtigt. Im Jahr 2000 lagen die Bewertungen bei 48x, wobei die Ausreißer mehr als doppelt so hoch waren.
Dieser Anstieg der Bewertungen spiegelt die zunehmende Fähigkeit der Unternehmen im Index wider, Gewinne zu erzielen. Die Eigenkapitalrendite ist von 16 % auf dem Höhepunkt der Tech-Blase auf heute fast 26 % gestiegen – was eine höhere Bewertung rechtfertigt (siehe Abbildung 3).

Das soll nicht heißen, dass Bewertungen kein Problem darstellen. In unseren aktiv gemanagten Sektorfonds sind wir jedoch immer noch in der Lage, aktienspezifische Chancen zu finden, selbst in Branchen wie Halbleiter, E-Commerce und Software, in denen die Bewertungen hoch sind.
Auf Indexebene glauben wir nicht, dass die Bewertungen für den NASDAQ extrem sind, insbesondere angesichts des Potenzials, die Gewinne und den freien Cashflow zu steigern.
Zugegebenermaßen könnten die Gesamtbewertungen jetzt weniger überzeugend aussehen als in den letzten Jahren. Wir sind jedoch der Meinung, dass der Technologiesektor eine Premium-Bewertung verdient, da das Umsatzwachstum schneller ist und die Cashflow-Generierung stärker ist als bei vielen Unternehmen auf dem breiteren Markt.
*Mit Beiträgen von Pamela Hegarty, Portfoliomanagerin, Vincent Nichols, Senior Investment Specialist, US and Global Thematic Equities, und Derek Glynn, Associate Portfolio Manager.