Wöchentliches Markt Update – Wahlen

Die Politik stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Anleger und ließ die Wirtschaftsdaten in den Hintergrund treten. Alles drehte sich um die Präsidentschaftsdebatte in den USA, die nach allgemeiner Auffassung für Präsident Joe Biden schlecht verlaufen ist. Derzeit wird viel darüber spekuliert, ob er sich nun aus dem Rennen zurückziehen wird. Eine Marktreaktion war jedoch schwer zu erkennen, da die Wahl selbst noch einige Monate entfernt ist.   

In Europa entsprachen die Ergebnisse der ersten Runde der französischen Parlamentswahl weitgehend den Prognosen. Nach den zahlreichen Überraschungen der letzten Zeit, angefangen mit dem Ergebnis der Europawahl Anfang Juni, war das allein schon eine Erleichterung für die Märkte. Am Tag nach der ersten Runde erholten sich die französischen Aktien, und die Renditeaufschläge für Staatsanleihen gingen im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen leicht zurück (siehe Diagramm 1).

Ob diese relative Ruhe anhält, ist unserer Ansicht nach fraglich. Die große Anzahl von Wahlkreisen, in denen noch drei Kandidaten im Rennen sind, macht es schwierig, das Ergebnis der zweiten Runde am Sonntag vorherzusagen. 

Und die Wirtschaftsnachrichten?

In nicht-politischen Bereichen waren die jüngsten Daten uneinheitlich. Nach der überraschend schwachen Kern-Verbraucherpreisinflation in den USA (2 % ggü. Vormonat im Mai, annualisiert) bestätigte der Kernindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) den Trend, indem er im selben Monat um nur 1 % stieg.

Dies folgt auf die etwas höheren Werte, die in der ersten Hälfte dieses Jahres zu verzeichnen waren. Ob sich die Inflation in diesem Tempo fortsetzt, wird unseres Erachtens nach entscheidend für die Entwicklung der US-Wachstumsaktien sein.

Ein Hauptgrund für die bisher guten Renditen des US-NASDAQ-Index ist die Ansicht, dass die US-Notenbank die Leitzinsen früher senken könnte, da die Inflation offensichtlich rückläufig ist. Sollte die Inflation im Juni wieder anziehen, könnten diese Aktienmarktgewinne teilweise gefährdet sein.

Nicht nur die Politik hat die Aktien der Eurozone belastet. Die bisher veröffentlichten Einkaufsmanagerdaten für Juni zeigen ein langsameres Wachstum des Dienstleistungssektors (und einen regelrechten Rückgang in Frankreich), während die meisten Länder der Eurozone auch einen Rückgang im verarbeitenden Gewerbe verzeichnen.

Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze war sowohl in Frankreich als auch in Spanien im Vergleich zum Vormonat negativ, was die schwachen Daten bestätigt. Dies ist insofern überraschend, als man erwarten würde, dass die Verbraucher zuversichtlicher und ausgabefreudiger sind, da die Arbeitslosenquote auf einem historischen Tiefstand liegt und die Reallöhne kräftig steigen.

Der Grund dafür könnte sein, dass die Lohnzuwächse zum Teil aus einmaligen Prämien und nicht aus dauerhaften Lohnerhöhungen stammen, sodass die Verbraucher zumindest einen Teil des zusätzlichen Geldes gespart haben.

Die PMI-Daten für China zeigten, dass die Wirtschaft eher schwach wächst und der Immobiliensektor weiterhin eine Belastung darstellt. Die Zahlen blieben hinter den Erwartungen zurück, und das verarbeitende Gewerbe (zumindest gemessen an der offiziellen Einkaufsmanagerindex-Serie) schrumpft weiterhin.

Auf dem bevorstehenden dritten Plenum wird die Regierung wahrscheinlich weitere Konjunkturmaßnahmen ankündigen, die unserer Meinung nach notwendig sind, wenn die Wirtschaft mit der von der Regierung angestrebten Rate von 5 % wachsen soll.

Die Aktienkurse beginnen auseinanderzustreben

Charakteristisch für die Märkte in der ersten Jahreshälfte war, dass sich die Aktien tendenziell im Gleichschritt nach oben oder unten bewegten, wenn auch nicht immer im gleichen Ausmaß. In jüngster Zeit wichen die Wertentwicklungen jedoch voneinander ab (siehe Diagramm 2).

Wie bereits erwähnt, wurde der US-NASDAQ-Index durch die niedrige Inflation und die steigenden Markterwartungen hinsichtlich einer Senkung der US-Leitzinsen angekurbelt. Die japanischen Aktien haben von der weiteren Schwäche des Yen profitiert. Die Aktien der Schwellenländer (ohne China) haben ebenfalls zugelegt, was jedoch in erster Linie auf die Entwicklung der Märkte in Taiwan und Indien zurückzuführen ist.

Die Nachzügler waren europäische und amerikanische Small-Cap-Aktien. Die Anleger im US-Index Russell 2000 hoffen möglicherweise, dass etwaige Zölle nach einem Wahlsieg Trumps den Markt beflügeln werden, so wie es während der ersten Trump-Regierung der Fall war.

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