Wöchentliches Markt-Update - Umorientierung bei US-Aktien

Auf den US-Aktienmärkten ist eine umfassende Umorientierung erfolgt, wobei die Performance der Small-Caps die Wertentwicklung ähnlicher Large-Caps übertraf. Die laufende Berichtssaison wird wohl über den letztlichen Umfang dieser Umorientierung entscheiden. In der Zwischenzeit zewegt sich in den USA ebenso wie in der Eurozone bei der Geldpolitik nichts.   

EZB – Keine Überraschungen

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) setzte bei seiner Sitzung vom 18. Juli seine Geldpolitik unverändert fort und beließ den Leitzins für Einlagen bei 3,75 %.

Die Mitteilung im Anschluss an die Sitzung entsprach weitgehend den Markterwartungen, da die Zentralbank erneut ihren datenabhängigen Von-Sitzung-zu-Sitzungsansatz bekräftigte.

Unser Fixed-Income-Team rechnet mit den nächsten Zinssenkungen im September und Dezember und mit einem endgültigen Einlagensatz von 2,5 % im Jahr 2025.

Wirtschaftliche Entwicklung in den USA: gute Fortschritte

Da sich die Inflation zweifelsohne in Richtung des Zielwerts der Fed entwickelt, vermittelten sowohl der Gouverneur der Federal Reserve, Waller, als auch der Präsident der New Yorker Federal Reserve, Williams, in der vergangenen Woche die Botschaft, eine Senkung des Leitzinses in den kommenden Monaten sei angemessen, wenn die Wirtschaftsdaten weiterhin dementsprechend ausfallen.

Besonders optimistisch klang der Gouverneur Waller in seiner Ansprache mit dem Titel Getting Closer (etwa: Näher am Ziel), und dies umso mehr als er in den letzten zwei Jahren eine eher aggressive Haltung im über die Zinsen entscheidenden Offenmarktausschuss eingenommen hat. Zum Arbeitsmarkt erklärte Waller, „Angebot und Nachfrage sind bei den Arbeitskräften endlich ungefähr im Gleichgewicht“ und sprach von der „Notwendigkeit, den Arbeitsmarkt an diesem positiven Punkt zu halten“. Nach Wallers Ansicht, „ist das Aufwärtsrisiko bei der Arbeitslosigkeit so hoch wie seit langem nicht“.

Ähnlich positiv äußerte sich Waller zur Inflation. Er bezeichnete den Bericht über die Verbraucherpreisinflation (CPI) im Juni als „zweiten Monat mit sehr guten Nachrichten“ und sagte, es gäbe vermehrt Anzeichen dafür „dass die Inflationsdaten des ersten Quartals ein Ausreißer gewesen sein könnten und die straffere Geldpolitik die hohe Inflation eingedämmt hat“. Weiter sagte er, er wolle „in den nächsten Monaten nach Daten Ausschau halten“, die seine Einschätzung bestätigen, dass „die aktuellen Daten mit einer sanften Landung vereinbar sind“.

Williams von der New Yorker Fed hob ebenfalls die Fortschritte hervor: „Der zugrundeliegende Inflationstrend ist nun eher wieder auf dem Weg zum 2%-Ziel.“

Unser Fixed-Income-Team geht von folgendem Basisszenario aus: Die Fed wird ihren Zinssenkungszyklus im September beginnen, mit Leitzinssenkungen von 50 Bp in diesem Jahr und 100 Bp 2025. 

Die Daten – weitere Bestätigung für eine sanfte Landung?

In den USA werden die BIP-Zahlen für das 2. Quartal am 25. Juli veröffentlicht, und dann der Kernindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) am 26. Juli.

Das BIP-Wachstum der USA dürfte sich gegenüber dem 1. Quartal (1,4 % im Quartalsvergleich, saisonbereinigte Jahresrate) beschleunigt haben, wobei die Zusammensetzung jedoch ähnlich ausfallen dürfte. Durch kräftigeren Konsum und den Aufbau größerer Lagerbestände könnte die Zahl auf über 2 % ansteigen, wobei jedoch niedrigere Staatsausgaben und höhere Importe die Zahl beeinträchtigen könnten.

Was die Inflation betrifft, werden die Anleger genau verfolgen, ob der PCE-Index den zweiten Monat in Folge eine (annualisierte) Monatsrate ausweist, die dem 2%-Ziel der Fed entspricht.

Kamala Harris: Unterstützung und Geldspenden

Die Vizepräsidentin Kamala Harris gewann rasch die Unterstützung prominenter Demokraten in den 24 Stunden nach Präsident Joe Bidens Ankündigung, sich aus dem Rennen um das Weiße Haus zurückzuziehen.

Die ersten Unterstützungsversprechen gingen am späten Sonntagabend, den 21. Juli, ein und die hochrangige Unterstützung setzte sich fort. Kein prominenter Demokrat positionierte sich als Herausforderer.

Der republikanische Kandidat Donald Trump führt zwar weiterhin generell die Umfragen an, aber die Zustimmungsraten von Kamala Harris sind im Anschluss an die Ankündigung vom 21. Juli gestiegen und liegen nun näher an denen von Präsident Biden vor der TV-Debatte mit Trump am 27. Juni.

Präsident Bidens Entschluss, seine Kampagne zu beenden, und die darauffolgende Favoritenrolle der Vizepräsidentin Kamala Harris für die Nominierung als Kandidatin der Demokraten hatten keinen erheblichen Einfluss auf die Märkte.

Zum Teil erklärt sich dies wohl aus der Einschätzung vieler Investoren – und der Prognose der Märkte – der frühere Präsident Trump werde im November immer noch siegen.

Eine andere mögliche Erklärung wäre, dass noch keine Klarheit darüber herrscht, inwiefern die Politik einer Regierung Harris sich, wenn überhaupt, von der Politik der noch amtierenden Regierung unterscheiden würde.

US-Aktien: Die laufende Berichtssaison

Die Berichtssaison für das 2. Quartal hat begonnen: Knapp unter 10 % der nach Marktkapitalisierung im S&P500 vertretenen Unternehmen haben bisher veröffentlicht. In den kommenden zwei Wochen wird das Thema Berichtssaison Fahrt aufnehmen, denn dann müssen 60 % der S&P500-Unternehmen nach Marktkapitalisierung ihre Ergebnisse offenlegen.

In den vergangenen Wochen erlebte der US-Aktienmarkt (siehe Diagramm 1) eine umfassende Umorientierung: Der Markt schwenkte von den Mega-Cap-Aktien, die die Börsenralley angetrieben hatten, auf kleinere Unternehmen und andere zuvor vernachlässigte Sektoren um.

Der Russell 2000 Small-Cap-Index verzeichnete einen kräftigen Anstieg, teilweise ausgelöst durch niedrigere US-Inflationsdaten und bessere Gewinnaussichten.

Die Bewertungen der so genannten „Magnificent Seven“, d.h. der Mega-Cap-Technologiewerte, die im vergangenen Jahr die Gewinne des breiten Blue-Chip-Index S&P500 dominiert haben, fielen letzte Woche, stabilisierten sich jedoch dann.

Die Bewertungsunterschiede zwischen Small- und Large-Cap-Aktien hatten extreme Stände erreicht, und die Stärke der kürzlichen Small-Cap-Ralley geht wahrscheinlich darauf zurück, dass manche Anleger in aller Eile ihre untergewichteten Positionen absichern wollten. Die neuesten Ergebnisberichte werden wohl entscheiden, ob die Umorientierung weiter gehen kann.

Wichtige Hinweise

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