Die Erholung vom Sommer-Ausverkauf an den Aktienmärkten setzt sich fort, denn die jüngsten Wachstumsdaten blieben im positiven Bereich und die US-Notenbank ist nun zu Zinssenkungen bereit.
Die meisten wichtigen Märkte haben sich von den Verlusten erholt, die sie während des Ausverkaufs im Sommer erlitten hatten (siehe Diagramm 1). Wenn Ihr Urlaub in die richtige Zeit fiel und lange genug war, haben Sie bei Ihrer Rückkehr vom Strand vielleicht viele Indizes nahezu auf demselben Stand vorgefunden wie am Tag Ihrer Out of Office Nachricht.

Nicht alle Indizes konnten die Verluste vollständig wett machen, insbesondere nicht der NASDAQ 100 und der MSCI Japan, aber man muss die Dinge im Zusammenhang betrachten. Mit einem Rückstand von 5 % und einer Rendite von 18 % gehört der NASDAQ immer noch zu den Märkten mit der besten Performance.
Japanischer Markt: Eintrübung bei weiter steigendem Yen
In Japan ist die Lücke jedoch verständlicher, und wird wohl auch so schnell nicht verschwinden. Die früheren Gewinne waren in hohem Maße abhängig von der langanhaltenden Abwärtsentwicklung der japanischen Währung. Sie schienen immer von einer strafferen Geldpolitik der Bank von Japan bedroht. Daher war es eher überraschend, dass der Yen nicht stärker angezogen hatte – und früher.
Als die BoJ endlich aktiv wurde, war der sprunghafte Anstieg des Yen umso stärker und umso folgenschwerer. Die umfangreichen Carry-Trade-Positionen, die sich aufgestaut hatten, wurden schnellstens abgewickelt, und dies führte zu mehr globalen Marktturbulenzen als erwartet.
Da die US-Notenbank nun bereit ist, bei ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung eine Zinssenkung vorzunehmen, vielleicht sogar um 50 Bp, ist mit weiteren Kursgewinnen des Yen zu rechnen, sodass japanische Aktien relativ gesehen schlechter abschneiden werden.
Analystenprognosen weitgehend unverändert
Trotz der jüngsten extremen Marktvolatilität haben sich die Gewinnerwartungen der Analysten kaum verändert.
Ende Juli betrugen die Konsensschätzungen 16 % für das Gewinnwachstum 2024 ggü. 2023 beim NASDAQ 100 und 5 % beim Russel Value Index. Der aktuelle Stand dieser Zahlen ist jeweils 13 % und 4 %. Auf einigen anderen Märkten sind sie sogar gestiegen (siehe Diagramm 2).
Es gibt also kaum Anzeichen für eine nennenswerte Änderung der Gewinnerwartungen aufgrund der Investitionen von Technologie-Unternehmen in die künstliche Intelligenz, genauso wenig wie Hinweise auf eine Rezession, die die Erträge allgemein schmälern würde.

Fundamentaldaten – Wachstum
Unserer Einschätzung nach war das Verhältnis zwischen den fundamentalen und den technischen Faktoren, die den Ausverkauf ausgelöst haben, immer so, dass die technischen Faktoren schwerer wogen. Unsere aktuelle Prognose zu Wachstum und Inflation unterscheidet sich wenig von unserem Ausblick vom Juli. Die neuesten Wirtschaftsdaten stützen diese Einschätzung.
Das Wirtschaftswachstum in den USA verlangsamt sich zwar, ist jedoch immer noch im positiven Bereich, und wir sehen nur ein geringes Risiko, dass der Abschwung sich bis hin zu einer Rezession verstärken könnte. Die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen des Immobiliensektors und der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors (PMI) haben die Märkte beruhigt. Der PMI des verarbeitenden Gewerbes enttäuschte zwar, aber dies steht im Einklang mit der allgemeinen Schwäche dieses Sektors weltweit.
Die jüngsten europäischen Daten fielen gemischt aus, wie bereits seit vielen Monaten. Die Erholung setzt sich fort, macht aber keine so starken Fortschritte wie von den Anlegern erhofft. Die PMI der meisten Dienstleistungssektoren haben sich verbessert, insbesondere in Frankreich aufgrund des Boost-Effekts der Olympischen Spiele.
Allerdings setzte das verarbeitende Gewerbe seine Talfahrt fort: Die bereits niedrigen PMI-Stände (unter 50) sanken noch weiter. Das Vereinigte Königreich bildete hier eine bemerkenswerte Ausnahme, denn es übertraf dem Trend entgegen sogar die USA (siehe Diagramm 3).
Diagramm 3
Gemischte Daten der jüngsten Einkaufsmanagerindizes

Stand der Daten: 26.08.2024. Quellen: FactSet, BNP Paribas Asset Management.
Fundamentaldaten – Inflation
In den USA erschienen zuletzt keine neuen Daten zur Inflation. Die Julizahlen des bevorzugten Inflationsindikators der Fed, des Preis-Indexes der persönlichen Konsumausgaben (PCE), werden am 30. August veröffentlicht. Den Erwartungen zufolge dürfte er weiterhin ein mildes Inflationsumfeld anzeigen, wie bereits die Julizahlen des CPI vor ein paar Wochen.
Wichtiger war die Äußerung des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell auf der Zentralbankkonferenz in Jackson Hole, wo er sagte, „die Zeit ist reif“ für Zinssenkungen. Der Markt ließ sich das nicht zweimal sagen und preiste Zinssenkungen in Höhe von circa 100 Bp bis Ende des Jahres ein.
Alles, was glänzt
Die Goldpreise, die in diesem Jahr bereits erheblich zugelegt hatten, denn der Goldwert dient als Absicherung gegen Inflation, Haushaltsdefizite und geopolitische Risiken, erhielten noch weiteren Auftrieb aufgrund des schwächer werdenden US-Dollars, in dem sich die Verlautbarungen der Fed über die künftige Zinspolitik spiegeln.
Für unser Multi-Asset-Team bleibt Gold weiterhin eine der bevorzugten Anlageklassen.