Wöchentliches Markt-Update - Ein Schritt zurück

Aufgrund robuster Ergebnisse von großen US-Tech-Unternehmen konnten Aktien in der vergangenen Woche wieder Boden gutmachen. Die sich stabilisierenden Anleiherenditen – insbesondere am kurzen Ende der Zinskurven – dürften zu diesem Kursanstieg beigetragen haben. Die Märkte gehen nun von einem Aufschub der ersten Zinssenkung der US-Notenbank aus, nachdem die veröffentlichten Inflationsdaten höher als erwartet ausfielen. Für später im Jahr 2024 wird jedoch weiterhin eine Lockerung der Geldpolitik erwartet.

Ein Update zur Inflation in den USA

Die Aufmerksamkeit der Anleger richtete sich auf den neuesten Preisindex für private Ausgaben, genauer gesagt auf den vielbeachteten PCE-Kernwert (ohne Lebensmittel und Energie), diesmal jedoch auf Quartalsbasis. Die Zahl für das erste Quartal stieg um 3,7 % auf Jahresbasis (Konsensprognose: 3,4 %), was auf einen deutlichen Anstieg der Inflation im März hindeutet.

Die monatliche Kernrate des PCE-Preisindex war jedoch einigermaßen beruhigend. Die Daten zeigten, dass die Zahlen für Januar (auf 0,5 %) und Februar (auf 0,27 %) nach oben korrigiert worden waren, so dass die Veränderung im März „nur“ 0,32 % betrug.

Im Jahresvergleich ging diese Inflationskennzahl – die bevorzugte Messlatte der Fed – leicht zurück (von 2,84 % auf 2,82 %). Wenn jedoch die von der Fed für das vierte Quartal 2024 prognostizierte Kerninflation von 2,6 % erreicht werden soll, müssen die monatlichen Zuwächse bis zum Jahresende unter 0,2 % betragen. Zudem sprangen die Superkern-Privaten Konsumausgaben (Kern-Private Konsumausgaben ohne Wohnen) von 3,43 % im Februar auf 3,5 % im März.

Muss uns das Sorgen machen?  

Die Verlangsamung der Inflation kommt seit Jahresbeginn nur enttäuschend wenig voran, aber anscheinend bestehen keine Zweifel, dass der Trend in Richtung langsamerer Preisanstiege geht.

Der US-Notenbankpräsident Jerome Powell hat allerdings eingeräumt, dass „es wohl noch länger dauern wird, bis die FOMC-Mitglieder von einem baldigen Rückgang der Inflation auf 2 % überzeugt sind“. Die Bereitschaft der Fed, im Laufe des Sommers zu handeln, könnte also in Frage gestellt sein. Dies könnte die Erwartungen des Marktes in Bezug auf eine Senkung der US-Leitzinsen abflauen lassen, und das wiederum hätte Auswirkungen auf Festzinsmärkte und risikoreiche Anlagen.

In der letzten Aprilwoche, vor der nächsten geldpolitischen Entscheidung in den USA am 1. Mai, konnten Aktien infolge positiver Ergebnisse von US-Tech-Giganten und einer Stabilisierung der Anleiherenditen (die seit dem 10. April stark angestiegen waren) wieder Boden gutmachen. Die Renditen am kurzen Ende der Kurve waren sogar rückläufig.

Damit hat das Szenario einer sanften Landung und einer kontinuierlichen Lockerung der Geldpolitik, das sich in der Entwicklung der risikoreichen Anlagen im ersten Quartal widerspiegelte, also wohl einen Rückschlag erlitten. Unserer Ansicht nach ist jedoch der Anstieg der Kerninflation in den Industrieländern kein neuer Trend, und wir erwarten daher einen allmählichen Rückgang der Inflation in den kommenden Monaten.

Die Wahrscheinlichkeit von Leitzinssenkungen ist daher weiterhin gegeben. Der Zinssenkungszyklus hat bereits begonnen – im März wurden die Zinssätze in der Schweiz gesenkt – und die EZB ist anscheinend bereit, im Juni diesen Schritt zu gehen, auch wenn der Zeitplan der Fed nun angepasst werden könnte, um den US-Wahlen im November Rechnung zu tragen.

Das US-Wirtschaftswachstum bleibt robust, aber…

Die erste Schätzung des BIP-Wachstums für das erste Quartal (1,6 % auf Jahresbasis) war enttäuschend: Die Konsenserwartungen lagen bei 2,5 %, die laufende Schätzung der Federal Reserve of Atlanta (GDPNow) betrug jedoch 2,7 %.

Im Einzelnen waren die BIP-Daten aber positiv zu bewerten: Der Verbrauch der privaten Haushalte stieg um 2,5 %, die Unternehmensinvestitionen erhöhten sich um 2,9 % und der Beitrag der Lagerbestände und der Nettoexporte lag im negativen Bereich (-0,35 % bzw. -0,86 %). Der letztere Wert erklärt sich aus der Stärke der Importe und zeigt, dass die Binnennachfrage im Q1 weiterhin robust war.

Die Wohnungsbau- und Bautätigkeit hat sich in den letzten Monaten verbessert, wie aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung hervorgeht, die einen Anstieg der Wohnungsbauinvestitionen um 13,9 % ausweist (nach zwei Jahren des Rückgangs).

Die private Binnen-Endnachfrage wuchs um 3,1 % (nach 3,3 % im vierten Quartal). Die inflationsbereinigten privaten Konsumausgaben stiegen im März um 0,5%, nach 0,5% im Februar und -0,3% im Januar. Dies unterstreicht die robuste Dynamik zum Ende des Quartals, die sich bereits in den Anfang März veröffentlichten  Einzelhandelsumsatzdaten abzeichnete.

An den Schnellschätzungen auf Grundlage der Einkaufsmanagerumfrage (EMI) war jedoch eine sich verlangsamende US-Wirtschaftstätigkeit im April abzulesen, insbesondere ein starker Rückgang der Beschäftigung im Dienstleistungssektor von 51,1 auf 47,3. Das ist ein Tiefstand in der Zeit nach der Pandemie. Das Verbrauchervertrauen war im April ebenfalls rückläufig.

Vor diesem Hintergrund sind ein oder zwei Zinssenkungen im Jahr 2024 wahrscheinlich, auch wenn die Erwartungen für die erste Zinssenkung der Fed sowohl von den Märkten als auch von den professionellen Prognoseinstituten nach hinten verschoben wurden.

Kollateralschaden: der Yen

Die veränderten Erwartungen hinsichtlich der Geldpolitik der US-Notenbank und der Bank of Japan haben auf den Devisenmarkt durchgeschlagen. Der US-Dollar legte zu, da die Hoffnungen auf eine Zinssenkung der Fed im Juni schwanden, und ließ den USD/JPY-Kurs (der Ende März bei 151,35 lag) rasch auf über 155 steigen. Das ist der höchste Stand seit Juni 1990.

Der Wertverlust des Yen veranlasste die Finanzminister der USA, Japans und Südkoreas zu einer gemeinsamen Verlautbarung, in der sie „ernsthafte Besorgnis“ über die jüngste starke Abwertung des Yen – und des koreanischen Won – äußerten und sich „zu weiteren engen Beratungen bezüglich der Entwicklungen am Devisenmarkt“ verpflichteten.

Trotz der eher aggressiven Äußerungen der Bank of Japan auf ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung belastete das Fehlen klarer Vorgaben für eine künftige Anhebung des japanischen Leitzinses den Yen. Der USD/JPY stieg auf über 158, was den Yen auf seinen Tiefststand seit April 1990 sinken ließ.

Ein derartiger Wechselkurs erhöht die Wahrscheinlichkeit von Interventionen auf dem Devisenmarkt. Am 29. April stieg der USD/JPY auf über 160, bevor er abrupt auf 155 zurückging. Fortsetzung folgt …

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