Wöchentliches Markt-Update – Divergierende Geldpolitik?

Die US-Notenbank dürfte den Erwartungen zufolge die Leitzinsen in dieser Woche unverändert belassen, wohingegen der Marktkonsens mit einer Senkung des Einlagensatzes der Europäischen Zentralbank um 25 Basispunkte auf 2,75 % rechnet. Ist dies der Beginn divergierender Leitzinsentwicklungen in den USA und Europa? Vieles wird davon abhängen, ob Präsident Trump in Bezug auf seine Zollgebühren- und Handelspolitik nur bellt oder auch beißt.   

Präsident Trump startete mit einer Reihe von öffentlichkeitswirksamen Handlungen in seine zweite Amtszeit. Unter anderem begnadigte er die vor vier Jahren am Sturm auf das Kapitol Beteiligten, versuchte, das Geburtsrecht auf Staatsbürgerschaft abzuschaffen und erschwerte die legale Einwanderung in die USA erheblich.

Die neue Regierung wird nun mit einer detaillierten Untersuchung der Handelspraktiken anderer Länder beginnen, was potenziell einem größeren Handelskonflikt den Boden bereitet. Im Energiebereich hat Trump die USA aus dem Pariser Klimaabkommen herausgenommen und versucht nun, die Öl- und Gasproduktion in den USA zu fördern.

Präsident Trump drohte zudem mit erheblichen Zöllen auf die Einfuhren mehrerer Länder – u.a. China, Mexiko und Kanada – und dies ab Februar. Bis jetzt besteht noch Hoffnung, dass das Gerede über Zölle mehr eine Verhandlungstaktik darstellt als eine entschlossene Politik, aber das ist keineswegs sicher.

Zum Abschluss seiner ersten Woche im Amt verlangte Präsident Trump eine lockerere Geldpolitik von der US-Notenbank (Fed) mit der Bemerkung, er wisse „viel besser” über Zinssätze Bescheid als die Fed und würde es gerne sehen, wenn sie „stark“ gesenkt würden.

Die Europäische Union unter Druck

Bei einem virtuellen Rundtischgespräch in Davos machte Präsident Trump die ersten Bemerkungen seit seiner Amtseinführung über die Europäische Union (EU) – die alles andere als konstruktiv waren. Unter anderem hielt er der EU vor, für den erheblichen Handelsbilanzüberschuss mit den USA verantwortlich zu sein.

Europa und insbesondere Deutschland haben viel zu befürchten, wenn es zu den angekündigten US-Zöllen kommt. Fast 10 % (9,9 %) der deutschen Exporte gingen 2023 in die USA, das entspricht dem höchsten Stand in 20 Jahren. Gleichzeitig importierte Deutschland im vergangenen Jahr Waren im Wert von 94,7 Mrd. EUR aus den USA, was zu einem Rekord-Handelsbilanzüberschuss in Höhe von 63,3 Mrd. EUR führte, und damit zum höchsten Stand seit 2017 im Vergleich zu anderen Zielländern für deutsche Waren. 

EZB: weitere Lockerung der Geldpolitik  

Es wird allgemein erwartet, dass die Europäische Zentralbank bei ihrer Sitzung am 30. Januar den Leitzins um 25 Basispunkte senken wird. Von der letzten Sitzung im Dezember war die klare Botschaft ausgegangen, dass weitere Zinssenkungen von nun an als Basisszenario gelten. Laut den Bloomberg-Daten vom 27. Januar preisen die Märkte eine Senkung des Einlagensatzes der EZB bis zum Sommer von derzeit 3 % auf 2 % ein.

Die hohe Unsicherheit über wirtschaftliche (z. B. US-Zölle) und politische Entwicklungen (Wahlen in Deutschland, politische Stagnation in Frankreich) lässt vermuten, dass die EZB bei den Zinssenkungen weiterhin schrittweise vorgehen wird. Im Januar gab es wenig neue Informationen, auf die sich eine Änderung der Kommunikation stützen könnte, sodass Kontinuität wahrscheinlich ist. Die EZB könnte bei einer etwas restriktiven Haltung bleiben, indem sie kommende Zinssenkungen andeutet, dabei jedoch unterstreicht, dass diese von den hereinkommenden Daten abhängen und von Sitzung zu Sitzung beschlossen werden.

Fed: Richtung ist weniger klar

Der Fed-Vorsitzende Powell hat den großen Vorteil, etwas Zeit zu haben, um die Ereignisse unter der neuen Trump-Regierung zu beobachten und genau zu sehen, was passiert. Es herrscht eine überwältigende Übereinstimmung zugunsten einer Pause in der Geldpolitik auf der FOMC-Sitzung am 29. Januar, wobei die Verlautbarung weiterhin steht, „das Ausmaß und den Zeitpunkt zusätzlicher Anpassungen“ in der Geldpolitik von den Daten, den wirtschaftlichen Aussichten der USA und den Risiken abhängig zu machen. Für März wird Powell seine Optionen wohl etwas offenhalten, aber es könnte Anzeichen dafür geben, dass der wahrscheinlichste Weg, den die nächsten FOMC-Sitzungen nehmen werden, in einer fortgesetzten Atempause besteht.

Die Kommunikation der Fed nach ihrer Dezember-Sitzung scheint immer noch der Lage angemessen zu sein: Damals sagte Powell, „solange die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt solide sind, können wir mit weiteren Zinssenkungen vorsichtig sein.” Die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt waren seitdem mehr als „solide“ – eher „stark“. Daher scheint eine vorsichtige Herangehensweise gerechtfertigt.

In Bezug auf die Zoll- und Einwanderungspolitik betonte Powell die Notwendigkeit, „nichts zu übereilen und diese sehr sorgfältig zu prüfen”, und zwar „erst dann, wenn wir tatsächlich wissen, worin diese Politik besteht und wie sie umgesetzt wird.”

Während die Märkte in diesem Jahr weiterhin zwei weitere Zinssenkungen (jeweils um 25 Basispunkte) einpreisen, wird unter den Anlegern viel über die Richtung der US-Geldpolitik diskutiert. Abgesehen von der Ungewissheit darüber, wie die politischen Maßnahmen der neuen Regierung im Einzelnen aussehen werden, wird zunehmend davon ausgegangen, dass der neutrale Zinssatz seit 2020 deutlich gestiegen ist. Wenn der neutrale Nominalzins den hohen Wert von 3,75 % erreicht hat, weist das auf eine nur leicht restriktive Geldpolitik hin, die nur wenige Zinssenkungen erfordert, um eine neutrale Haltung zu erreichen. Die Entscheider der Fed erfassten im Dezember einen viel niedrigeren Schätzwert, aber die Häufigkeit, mit der sie ihre Unsicherheit in Bezug auf den neutralen Zinssatz kundtun, lässt vermuten, dass dieser Schätzwert in ihren Augen mit großer Vorsicht zu betrachten ist. 

Tech-Aktien: Erholung nach dem DeepSeek-Spuk

Die Technologieaktien erholten sich am 28. Januar, nachdem sich die Märkte im Anschluss an den Tech-Ausverkauf vom 27. Januar wieder beruhigten. Ausgelöst hatten den Ausverkauf die Fortschritte des chinesischen Start-ups DeepSeek im Bereich der künstlichen Intelligenz. Die Aktien des größten Chip-Herstellers der USA stiegen im vorbörslichen Handel um 5,2 %, nach dem historischen Verlust von 17 % am Vortag. Der Kurssturz, der zum Rückgang des techlastigen Nasdaq Composite Index um 3,1 % am 27. Januar beitrug, erfolgte, da das neue Modell von DeepSeek Zweifel an den Bewertungen im gesamten Technologiesektor und der Aufrechterhaltung der Vormachtstellung der USA im KI-Bereich aufkommen ließ.

Dieses Ereignis hat zu einem günstigen Zeitpunkt darauf aufmerksam gemacht, dass selbst Technologieaktien eine Risikoprämie haben müssen. Der Ausverkauf war zudem eine gesunde Erinnerung daran, dass weder Aktienkurse noch technologische Fortschritte sich geradlinig entwickeln.

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