Die Woche der Zentralbanken

Zu Jahresbeginn geht man davon aus, dass die EZB und die Bank of England dem Beispiel der US-Notenbank folgen und ihre Leitzinsen unverändert lassen. Im Gegensatz dazu sah sich die Reserve Bank of Australia veranlasst, ihren Leitzins angesichts anhaltenden Inflationsdrucks und einer angespannten Arbeitsmarktlage zu erhöhen.

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Nach Leitzinssenkungen um 25 Basispunkte in jeder ihrer drei vorhergehenden Sitzungen ließen die geldpolitischen Entscheidungsträger der US‑Notenbank bei ihrer ersten Sitzung im Jahr 2026 am 22. Januar die Leitzinsen unverändert im Bereich von 3,50 % bis 3,75 % stehen.

In der Entscheidung der Fed spiegelt sich die derzeitige Stärke der US‑Wirtschaft wider. Den offiziellen Statistiken zufolge betrug das annualisierte BIP‑Wachstum im dritten Quartal 2025 4,4 %. Die Fed‑Filiale in Atlanta prognostiziert, dass es im vierten Quartal sogar auf 5,2 % ansteigen könnte.

Der Fed‑Vorsitzende Jay Powell betonte in seinen Äußerungen nach der Sitzung erneut die Robustheit der Wirtschaft und stellte fest, dass ihre Stärke die Erwartungen erneut überrascht habe. Die geldpolitischen Entscheider der Fed scheinen nun mit der aktuellen Konjunkturlage zufriedener zu sein.

Während man in der Stellungnahme nach der Dezember‑Sitzung noch von einer „Expansion der Wirtschaftstätigkeit in moderatem Tempo“ sprach, wird nun von einem „soliden Tempo“ die Rede sein. Ähnlich äußert die Fed nun, dass es Anzeichen für eine Stabilisierung der Arbeitslosenquote gebe. Der frühere Hinweis auf eine Verschiebung des Risikogleichgewichts hin zu steigender Arbeitslosigkeit wurde vollständig gestrichen.

Die geänderte geldpolitische Stellungnahme des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) lässt vermuten, dass die Fed ihre Leitzinsen bei mindestens zwei weiteren Sitzungen nicht senken wird.

Dennoch weist die Tatsache, dass die Gouverneure Stephen Miran und Christopher Waller bei der letzten Sitzung jeweils für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte gestimmt haben, darauf hin, dass die Tendenz zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik weiterhin besteht.

Warten auf US-Arbeitsmarktdaten  

Nachdem am 1. Februar im Kongress eine parteiübergreifende Einigung zu den US‑Staatsausgaben gescheitert ist, kommt es in einigen Ministerien zu einer Unterbrechung der Bundesfinanzierung. Aufgrund der daraus resultierenden Teil‑Haushaltssperre wird das Bureau of Labor Statistics den Arbeitsmarktbericht für Januar nicht wie geplant am 6. Februar veröffentlichen.

Unter der Annahme eines kurzen Shutdowns (d.h. einer Wiederaufnahme der Arbeit am Mittwoch oder spätestens am Donnerstag) wäre das frühest mögliche Veröffentlichungsdatum der Arbeitsmarktdaten Dienstag, der 10. Februar.

Ein neuer Fed-Vorsitzender

Am 30. Januar hat Präsident Donald Trump nach Monaten der Diskussion und Spekulation Kevin Warsh zum nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank ernannt.

Er war Fed-Gouverneur von 2006-2011, ist Akademiker und Banker: Als Chef der Notenbank ist Warsh sehr qualifiziert. Die Zustimmung des Senats vorausgesetzt, wird er auf Jay Powell folgen, wenn dessen Amtszeit im Mai zu Ende geht.

Die Unabhängigkeit der Fed

Die Ernennung von Kevin Warsh erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Unabhängigkeit der US‑Notenbank erneut stärker in den Fokus rückt. Die bisherigen Entwicklungen lassen jedoch vermuten, dass die Unabhängigkeit der Fed bislang nicht ernsthaft untergraben wurde.

Erstens beschloss der Gouverneursrat der Fed im Dezember, die Amtszeiten von elf regionalen Fed‑Vorsitzenden vorzeitig um weitere fünf Jahre zu verlängern. Einer dieser Präsidenten, der Vorsitzende der Federal Reserve Bank of New York, besitzt ein dauerhaftes Stimmrecht im Federal Open Market Committee (FOMC), das die Leitzinsen festlegt. Vier der stimmberechtigten Sitze rotieren jedes Jahr turnusmäßig unter den übrigen zehn Mitgliedern.

Diese Vorsitzenden von quasi privaten Notenbanken werden von ihren eigenen lokalen Verwaltungsräten bestellt, wobei die Washingtoner Fed jedoch Einfluss auf diesen Prozess nehmen kann. Dieses System, das im Federal Reserve Act (Notenbankgesetz) festgelegt ist, wurde so gestaltet, damit sichergestellt ist, dass die US-Zentralbankpolitik auch die Sicht von Amtsträgern aus dem ganzen Land widerspiegelt und nicht nur die Einschätzung von Washington-basierten geldpolitischen Entscheidern.

Diese Vorsitzenden von regionalen Fed-Instituten waren eine besondere Herausforderung bei den Zinssenkungswünschen der Trump-Regierung. Viele dieser Amtsträger haben im letzten Jahr aufgrund ihrer Besorgnis hinsichtlich der immer noch hohen Inflation bei Zinssenkungen gezögert oder sich dagegen ausgesprochen. 

Was die sieben anderen Gouverneurssitze im FOMC betrifft, so ist die Amtszeit von Stephen Miram eigentlich letzten Monat abgelaufen. Er könnte bleiben, bis ein Ersatz gefunden ist, oder Warsh könnte seinen Platz einnehmen, bis er im Mai das Amt des Vorsitzenden von Jay Powell übernimmt. Powell könnte die Fed verlassen, aber er könnte sich auch dafür entscheiden, noch zwei Jahre bei der Fed zu bleiben. 

In dem Gerichtsverfahren, das die Trump-Regierung gegen die Gouverneurin Lisa Cook angestrengt hat, dürfte es auf kurze Sicht kaum zu einer Entscheidung kommen.

Kurz und gut, eine radikale Veränderung der Zusammensetzung des Offenmarktausschusses, die ihn anfällig für politische Einflussnahme machen würde, ist schwer vorstellbar. Es wird wohl einige Zeit dauern, bis der neue Vorsitzende die Unterstützung aller FOMC-Mitglieder gewonnen und im Ausschuss einen Konsens durchgesetzt hat. Offensichtlich gibt es eine Gruppe von Mitgliedern, die nicht in Bälde zur Nachfolge anstehen und empfindlich auf Vorschläge reagieren, die auf ein Nachgeben gegenüber politischem Druck hinauslaufen.

Die Reaktion des Marktes auf Kevin Warsh

Die Reaktion des Marktes auf die Ernennung von Warsh lässt vermuten, dass die Investoren ihn als orthodoxer einstufen als andere Kandidaten. Seine Ernennung scheint die Befürchtungen des Marktes hinsichtlich der Unabhängigkeit der Fed beruhigt zu haben, die nach Präsident Trumps Anstrengungen, niedrigere Darlehenskosten zu erzwingen, entstanden waren.

Die Gold- und Silberpreise fielen abrupt und verkehrten die mächtige Rally der vergangenen Monate ins Gegenteil. Die Bewertungen der beiden Edelmetalle waren rasch angestiegen, da die Investoren aufgrund geopolitischer Spannungen und der Besorgnis der Märkte hinsichtlich der Unabhängigkeit der Fed sichere Vermögenswerte bevorzugten.

Die Ernennung von Warsh scheint die Sorge, ein neuer Fed-Vorsitzender könnte es mit der Inflation weniger genau nehmen, zerstreut zu haben, und diese Sorge war es, die zu Kursgewinnen bei Edelmetallen geführt hatte.

Analog dazu reagierten die Devisenmärkte mit einer Aufwertung des Dollars auf die Ernennung von Warsh. In den letzten 18 Monaten hat der Dollar deutlich an Wert verloren, weil Investoren die Auffassung teilten, die Trump‑Regierung strebe – trotz gegenteiliger Behauptungen – einen schwächeren Dollar an.

Wir halten das Gerede vom Ende der Dollar‑Dominanz im globalen Finanzsystem für übertrieben. Der Dollar ist zu tief im globalen Finanzsystem verankert und hat keine glaubwürdigen Rivalen, die seine Rolle übernehmen könnten. Ein Blick auf die langfristige Entwicklung (siehe Diagramm 1) zeigt, dass sich der Dollar gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner der USA kaum abschwächt.

Pause bei der EZB und der BoE, aber Zinserhöhung bei der RBA

Der Gouverneursrat der Europäischen Zentralbank tagt diese Woche. Es wird jedoch keine Veränderung der Geldpolitik erwartet; der Einlagensatz bleibt bei 2,0 %. Da die jüngsten Daten keine wesentlichen Veränderungen in der Wirtschaft der Eurozone zeigen, wird die EZB ihr Bekenntnis zu einem datenabhängigen Ansatz bekräftigen, der von Sitzung zu Sitzung verfolgt wird.

Nach den letzten Mitteilungen der Bank of England wird ebenfalls davon ausgegangen, dass sie in dieser Woche bei ihrer Geldpolitik pausiert und den Leitzins unverändert bei 3,75 % belässt. Die aktualisierten Prognosen werden vermutlich ein günstigeres Bild für die Inflation in Großbritannien zeichnen und damit die Tendenz der BoE zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik unterstützen.

Die Reserve Bank of Australia (RBA) war schließlich die erste Zentralbank der G‑10‑Länder, die von Zinssenkungen auf Zinserhöhungen umschwenkte. Aufgrund anhaltenden Inflationsdrucks und einer angespannten Arbeitsmarktlage erhöhte sie am 3. Februar den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,85 %.

Die Aussichten der RBA waren ebenfalls „hawkish“: Die aktuellen Prognosen gehen von ein‑ bis zwei weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr aus, wobei die Inflation im Prognosezeitraum nicht ihr Ziel erreichen wird.

Unserer Einschätzung nach ist der Wechsel der RBA von Zinssenkungen zu Zinserhöhungen nicht der Pfad, den die Zentralbanken anderer entwickelter Märkte kurzfristig einschlagen werden. Wir gehen weiterhin von einer Fortsetzung der Lockerungszyklen in den USA, der Eurozone und Großbritannien in den kommenden Monaten aus.

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