Wöchentliches Markt-Update – Die Auswirkungen der Zölle sind noch ungewiss

Sowohl US-Risikoanlagen als auch US-Konjunkturdaten entwickeln sich weiterhin deutlich besser als die weit verbreitete pessimistische Stimmung, nach den Zollankündigungen der Regierung Anfang April, vermuten ließ. Die volle Auswirkung der Zölle auf die US-Wirtschaft wird sich jedoch voraussichtlich erst im Sommer bemerkbar machen.

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Die US-Renditekurve hat sich seit Anfang April versteilt. Denn die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries stieg um rund 30 Bp. und das 2-jährige Pendant um 15 Bp.

Über denselben Zeitraum legte der S&P 500 Index um etwa 5,5 % zu.

Die harten Daten zur US-Wirtschaft fielen bislang robust aus. Die letzten Zahlen zur Inflation, zur Beschäftigung und zu den Löhnen deuten darauf hin, dass die Auswirkungen der Zölle auf die Importe in die USA noch in den Daten sichtbar werden müssen. Wir erwarten, dass sogar die nun in Betracht gezogenen niedrigeren Zölle einen Abschwung des US-Wachstums und einen Anstieg der Inflation für den Rest des Jahres 2025 nicht verhindern werden.

Bislang geringe Auswirkungen der Zölle auf Beschäftigung und Inflation in den USA   

Der am 7. Juni veröffentlichte Arbeitsmarktbericht (ohne Landwirtschaft) zeigte, dass im Mai 139.000 neue Stellen geschaffen wurden, im Vergleich dazu steht die nach unten korrigierte Zahl von 147.000 Stellen im April. Die Zahlen vom März wurden ebenfalls nach unten korrigiert, wodurch bis Mai im Durchschnitt 124.000 neue Stellen geschaffen wurden. Im Vergleich dazu waren es 2024 im Durchschnitt 168.000.

Die Arbeitsmarktzahlen deuten darauf hin, dass nur langsam neue Stellen besetzt werden, was einem Abschwung beim Arbeitskräfteangebot entspricht (geringere Einwanderung in die USA, ein kleiner Rückschlag bei der Beteiligung der Arbeitskräfte). Das Lohnwachstum zeigt geringe Anzeichen eines Inflationsdrucks. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Unsicherheiten bei der Handelspolitik nur geringe Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben.

Die am 11. Juni veröffentlichten Daten zeigten, dass der US-Verbraucherpreisindex (VPI) im Mai weniger als in den Konsensprognosen erwartet anstieg, da die Zölle noch vollständig auf die Verbraucherpreise umgelegt werden müssen.

Der Gesamt-VPI stieg im Mai im Vergleich zum Vormonat um 0,1 % an, wobei die Konsensprognose von 0,2 % ausgegangen war. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Rate somit bei 2,4 % und damit etwas höher als die 2,3 % im April. Der Kern-VPI, ohne die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise, legte im Vergleich zum Vormonat ebenfalls um 0,1 % zu und lag damit weit unter der Konsensprognose von 0,3 %. Im Vergleich zum Vorjahr verharrte die Kerninflation den dritten Monat in Folge bei 2,8 %.

Es scheint, dass die Aufstockung der Bestände im ersten Quartal vor den erwarteten Zöllen einige Preiserhöhungen aufgeschoben hat, obwohl zahlreiche Unternehmen angeben, dass sie die zollbedingten Kosten weitergeben wollen.

Die US-Unternehmen haben sich damit abgefunden, dass die Zölle der Regierung anhalten werden, was durch den diese Woche verkündeten Rahmen eines Handelsabkommens zwischen den USA und China untermauert wird. Dies würde bedeuten, dass die US-Zölle auf chinesische Waren dieses Jahr um 30 % bis 55 % angehoben bleiben würden. Die Bestände sinken nun und die breit gefächerten Preiserhöhungen werden wahrscheinlich im Laufe des Sommers zum Tragen kommen.

Unserem makroökonomischen Research-Team zufolge wird die VPI-Inflation bis Ende des Sommers im Vergleich zum Vorjahr in Richtung 3,5 % ansteigen.

Vorübergehende Auswirkungen der Zölle?

Die jüngsten Aussagen deuten darauf hin, dass die Zölle den Erwartungen der Mitglieder der US-Notenbank zufolge zunächst die Preise steigen lassen und erst später den Arbeitsmarkt belasten werden.

Fed-Gouverneurin Adriana Kugler gab im Economic Club of New York vergangenen Donnerstag folgende Aussage: „Ich sehe aktuell ein höheres Aufwärtsrisiko bei der Inflation und potenzielle Abwärtsrisiken bei der Beschäftigung sowie letztlich eines Produktionswachstums. Aus diesem Grund bin ich dafür, den Leitzins des Offenmarktausschusses beizubehalten, sollten die Aufwärtsrisiken bei der Inflation anhalten.“

Gouverneur Waller, ein Mitglied des über die Zinsen entscheidenden Offenmarktausschusses, der eine Art Brauch geschaffen hat, die Märkte mit seinen Aussagen zu leiten, stimmte dem zu. Letzte Woche gab er eine Ansprache mit dem Titel „Die Auswirkungen der Zölle auf die drei I: Inflation, Inflationsbeständigkeit und Inflationserwartungen.“

Gouverneur Waller erklärte: „In Anbetracht meines Glaubens, dass eine etwaige zollbedingte Inflation nicht anhalten wird und die Inflationserwartungen verankert sind, bin ich dafür, die Auswirkungen auf die kurzfristige Inflation bei der Festlegung des Leitzinses nicht zu betrachten.“

Es scheint wahrscheinlich, dass die Fed in ihrem dualen Mandat aktuell eher die maximale nachhaltige Beschäftigung im Auge hat, anstatt die Beibehaltung der Preisstabilität.

Die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes in der ersten Hälfte des Jahres 2025 hat dazu geführt, dass die Finanzmärkte ihre Erwartungen an Zinssenkungen im Jahr 2025 von vier Senkungen um 25 Bp. auf zwei verringert haben.

Neue Stellen durch die Gründung neuer Unternehmen, umfassendes Stellenwachstum in weniger zinssensiblen Sektoren wie Bildung und Gesundheitswesen sowie die Zurückhaltung der Unternehmen, ihre Mitarbeiter nach einem heftigen Arbeitskräftemangel nach der Pandemie zu entlassen, haben allesamt dazu geführt, dass das Niveau der neu geschaffenen Stellen am US-Arbeitsmarkt nach wie vor gesund ist.

In Zukunft erwarten wir, dass der Arbeitsmarkt sich abschwächen wird: Es ist fraglich, ob er sich ausreichend verschlechtern wird, damit die Fed gezwungen sein wird, die Zinsen trotz eines Aufwärtsdrucks bei der Inflation erheblich zu senken.

Wir erwarten bei den Sitzungen des Offenmarktausschusses im Juni oder Juli keine Veränderungen der Zinsen, bei der Sitzung am 16.-17. September könnte es jedoch dazu kommen, wenn die Fed einer höheren Inflation in Verbindung mit einem schwächeren Arbeitsmarkt gegenübersteht.

Eine aggressive Senkung der EZB

Die Geldpolitik zwischen den USA und der Eurozone ging weiter auseinander als die Europäische Zentralbank, wie erwartet, in diesem Zinssenkungszyklus ihre achte Senkung vornahm und dabei den Einlagesatz von 2,25 % auf 2 % senkte.

Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte, dass die Zentralbank den jüngsten geldpolitischen Zyklus „nahezu beendet“ habe, in dem die Leitzinsen von ihrem Höhestand von 4 % im Juni letzten Jahres gesunken sind.

Die EZB könnte die Zinsen in diesem Jahr weiter senken (trotz der gegensätzlichen Aussagen letzter Woche). Ihre Prognose zur Gesamtinflation für 2026 ist niedrig, sie gibt jedoch an, dass die Inflation bis 2027 wieder zu ihrem Zielwert von 2 % zurückkehren dürfte. Wir erwarten weiterhin, dass die EZB dieses Jahr mindestens zwei weitere Senkungen um 25 Bp. vornehmen wird, da die handelspolitische Unsicherheit sowohl das Wachstum als auch die Inflation in der Eurozone belastet.

Wichtige Treffen stehen Europa und der Welt bevor

Diesen Monat stehen mehrere internationale Treffen bevor, die potenziell von Bedeutung für die Sicherheit in Europa (Ukraine), die Wirtschaft (Zölle) und die Verteidigung (NATO) sind:  

  • 15.-17. Juni, G7-Gipfel in Kanada
  • 24.-26. Juni, NATO-Gipfel in Den Haag
  • 27. Juni, Treffen der EU-Regierungschefs in Brüssel.    

Die US-Regierung kündigte letzten Monat einen Zoll (oder eine Einfuhrsteuer) in Höhe von 20 % auf die meisten EU-Waren an. Später wurde dieser jedoch auf 10 % gesenkt, um bis zum 9. Juli Verhandlungen zu ermöglichen.

Diese Woche erklärte US-Handelsminister Howard Lutnick, dass die USA mit der Europäischen Union wahrscheinlich als letztes ein Zollabkommen schließen wird.

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