Wöchentliches Investment Update – Nach dem 4. Juli kam der große Blues

Die Renditen von Aktien und Anleihen im ersten Halbjahr waren offen gesagt katastrophal. Darüber hinaus dürfte es für viele Anleger eine Herausforderung sein, ein verlässliches Szenario zu entwerfen, das auch in den kommenden Monaten Bestand hat. Einerseits haben die Zentralbanken der voraussichtlich länger anhaltenden, höheren Inflation den Kampf angesagt, andererseits schürten die Anzeichen für eine Wachstumsverlangsamung die Erwartungen einer bevorstehenden weltweiten Rezession.  

Können wir die erste Hälfte des Jahres 2022 nicht einfach streichen?

Was gibt es zu den Marktrenditen zu sagen? In der ersten Jahreshälfte 2022 erzielte der Markt für US-Staatsanleihen negative Renditen von fast -10 %, während die Staatsanleihen der Eurozone um mehr als 12 % fielen. Die Segmente des gesamten Marktes für Unternehmensanleihen verzeichneten überwiegend negative Gesamterträge.

Was die Aktien betrifft, so verlor der MSCI AC World Index zum 30. Juni 20,9 % in US-Dollar und verzeichnete damit die schlechteste erste Hälfte eines Kalenderjahres seit Einführung dieses Index vor 34 Jahren. Der Anstieg seit Monatsbeginn von 0,3 % (Stand: 6. Juli) wirkt zaghaft.

Darüber hinaus ist die Volatilität bei Aktien und noch mehr bei Staatsanleihen hoch geblieben, da die Anleger nicht von den Folgen der geldpolitischen Haltung der US-Notenbank überzeugt sind.

Zuvor herrschte die Marktmeinung, dass die Zentralbanken die Leitzinsen nicht so stark anheben müssten wie erwartet. Diese Meinung ist einer wesentlich ungünstigeren Hypothese für riskante Anlagen gewichen, nämlich der Kombination aus einer Verlangsamung des Wachstums und anhaltender Inflation.

Ein doppeltes Mandat? Wirklich?

Der Vorsitzende der US-Notenbank, Jerome Powell, zeigte sich in Bezug auf den Konjunkturausblick immer weniger zuversichtlich und erklärte kürzlich vor dem Kongress, dass eine sanfte Landung ‚sehr schwierig‘ und eine Rezession ‚möglich‘ sei.

In der Tat haben die sich verschlechternden Unternehmensumfragen, die enttäuschenden Verbraucherausgaben und das stark gesunkene Verbrauchervertrauen dazu geführt, dass die laufende GDPNow-Wachstumsschätzung der Federal Reserve of Atlanta für das zweite Quartal im negativen Bereich liegt – bei -2,1 % auf Jahresbasis, auf der Grundlage der am 1. Juli verfügbaren Daten.

Bei diesem Indikator handelt es sich nicht um eine offizielle Prognose. Sollte er sich jedoch in der ersten Schätzung des US-BIP für das zweite Quartal, die für den 28. Juli erwartet wird, bestätigen, befände sich die US-Wirtschaft nach der Schrumpfung um 1,6 % im ersten Quartal 2022 in einer ‚technischen‘ Rezession.

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Die Rezessionsangst hat dazu geführt, dass die Erwartungen der Terminmärkte hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen der Fed zurückgegangen sind. Aus dem Protokoll der Fed-Sitzung vom 14. Juni, die mit einer Anhebung des Leitzinses um 75 Basispunkte endete, geht jedoch hervor, dass die Entscheidungsträger weiterhin über die Inflation besorgt sind und die Inflationserwartungen nach wie vor beobachten dürften.

Viele Sitzungsteilnehmer äußerten die Sorge, dass sich die ‚hohe Inflation verfestigen‘ könnte, da der Inflationsdruck nicht nachgelassen hat. Die Botschaft der Fed wird immer deutlicher: Die Geldpolitik muss restriktiv werden, um die Wirtschaft abzukühlen.

Dies würde bedeuten, dass die Fed möglicherweise eine Phase hinreichend breiter Schwäche der Wirtschaftstätigkeit, einschließlich höherer Arbeitslosigkeit, in Kauf nimmt oder sogar anstrebt, um die Nachfrage zu dämpfen und die Inflation zu bremsen.

Die meisten politischen Entscheidungsträger scheinen der Ansicht zu sein, dass die Risiken für das Wachstum aufgrund externer Faktoren wie dem Krieg in der Ukraine und den Covid-bedingten Einschränkungen in China eher nachlassen. Darüber hinaus weisen sie auf das Risiko hin, dass eine weitere Verschärfung der Finanzierungsbedingungen umfassendere Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit haben könnte als erwartet.

Während das Protokoll das doppelte Mandat der Fed – maximale Beschäftigung und Preisstabilität – widerspiegelt, hinterlässt der allgemeine Tonfall den Eindruck, dass der Kampf gegen die Inflation jetzt hohe Priorität hat.

Was bedeutet das für die Märkte?

Die Kombination aus hoher Inflation und begrenztem Wachstum ist für viele Anlageklassen historisch gesehen ungünstig. Dies erklärt die Nervosität der Anleger zu Beginn der Sommermonate.

Seit Jahresbeginn ist jedoch der Anstieg der nominalen und realen Anleiherenditen die Hauptursache für die niedrigeren Aktienbewertungen und damit für den starken Rückgang der Märkte. Im Gegensatz dazu sind die Ertragsaussichten recht stabil geblieben, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Aktien das Rezessionsrisiko einpreisen sollten.

Während die vorlaufenden Konjunkturindikatoren bereits gesunken sind bleiben die Gewinnerwartungen stabil. Dies könnte sich jedoch umkehren, insbesondere in der Eurozone, und die Aktien weiter beeinträchtigen. Wahrscheinlich wird die in Kürze beginnende Gewinnsaison entscheidend sein.

Eine Erholung scheint angesichts der technischen Bedingungen kurzfristig möglich, wäre aber wohl unberechenbar. Sie könnte den Anlegern die Möglichkeit bieten, ihr Engagement in Aktien zu relativ günstigen Kursen zu reduzieren (wie wir es seit Februar regelmäßig getan haben).

An den Märkten für festverzinsliche Wertpapiere bietet die starke Ausweitung der Kreditspreads in den letzten Wochen den Anlegern Einstiegsmöglichkeiten (insbesondere bei europäischen Investment-Grade-Anleihen), da sie unseres Erachtens eine zu hohe erwartete Ausfallquote widerspiegelt.

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