Da sich das Wachstum in den Industrieländern verlangsamt und die höheren Leitzinsen ihren Tribut fordern, könnten Anleger, die ihr Portfolio diversifizieren wollen und nach attraktiven Renditen Ausschau halten, eine relativ wenig bekannte, aber hochwertige Anlageklasse in Betracht ziehen: Kredite von Privathaushalten. Erklärungen von Tonko Gast.
Innerhalb der breiten Anlageklasse der Kredite von Privathaushalten konzentrieren wir uns auf Kredite an Haushalte mit höherem Einkommen, die das Geld in der Regel zur Abzahlung höherer Schulden, die sie angehäuft haben, oder für die Modernisierung ihres Eigenheims, ein Auto oder sonstige größere Anschaffungen verwenden. Sie sind normalerweise nicht für den Konsum bestimmt. Wir beziehen die meisten Kredite für unser Portfolio aus den USA. Der Rest stammt aus der Schweiz, aus Frankreich und aus Spanien.
Die Kredite von Privathaushalten haben normalerweise eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren. Die monatliche Tilgung bedeutet, dass die Kredite über die Laufzeit auf null abbezahlt werden. Das Attraktive daran ist die Tilgung: Das Durationsprofil ist im Vergleich zu anderen Anlageklassen im Bereich private Schuldverschreibungen oder auch anderen börsennotierten Unternehmensanleihen kurz.
Bei einem derart kurzen Durationsprofil ist die Volatilität des Marktwerts gering. In der Regel beträgt sie unter 1% pro Jahr. Selbst wenn die Renditen steigen – wie es kürzlich der Fall war – beschränkt sich die Marktwertanpassung bei der Anlageklasse auf rund -3,5%. Bei anderen festverzinslichen Anlageklassen wie Unternehmenskrediten, vorrangigen oder fremdfinanzierten Darlehen kann der Marktwert um bis zu 15% fallen, wie es kürzlich der Fall war.
Zu beachten ist außerdem, dass durch die monatlichen Kapital- und Zinszahlungen auf Kredite von Privathaushalten Liquidität generiert wird, im Gegensatz zu anderen Schuldverschreibungen, bei denen Sie unter Umständen fünf oder sieben Jahre warten müssen, bis Sie das Kapital zurückerhalten.
Vorhersehbare Wertentwicklung
Als Anlageklasse wiesen Kredite von Privathaushalten bisher eine gewisse Korrelation zu anderen Vermögenswerten mit kurzer Duration auf, aber so gut wie gar keine Korrelation zu Aktien oder Unternehmensanleihen, deren Wertentwicklung in der Regel volatiler ist. Ihre Abhängigkeit vom Konjunkturzyklus ist normalerweise geringer als bei vielen anderen Anlageklassen, während die Coupons in der Regel höher sind.
Wir halten die Wertentwicklung von Krediten von Privathaushalten für vorhersehbar. Sie entwickelte sich – in US-Dollar – geradlinig. In den letzten drei Jahren verzeichneten wir in unserem Portfolio keine negativen monatlichen Renditen, auch nicht vor dem Hintergrund der Pandemie, des Kriegs in der Ukraine, des Anstiegs der Inflation und der steigenden Zinsen.
In günstigen Marktphasen können sie dagegen hinter Anlageklassen, deren absolute Rendite höher sein könnte, zurückbleiben, aber in volatileren oder rezessiven Phasen wie der Phase, die uns derzeit offenbar bevorsteht, kann man von einer Outperformance dieser Anlageklasse ausgehen. Unseren derzeitigen Schätzungen zufolge wird sich ihre jährliche Rendite in US-Dollar auf voraussichtlich 9% belaufen (vor Kosten und nach Verlustübernahmen).
Restriktivere Kreditkonditionen können die Qualität von Krediten erhöhen
Wenn wir das makroökonomische Umfeld in den USA betrachten, wo sich der größte Teil unserer Strategie im Bereich Kredite von Privathaushalten befindet, sehen wir angespannte Arbeitsmärkte und eine Arbeitslosenquote, die sich dem tiefsten Stand seit 50 Jahren nähert. Dies sind positive Anzeichen für den Sektor der Kredite von Privathaushalten. Unserer Ansicht nach befinden sich Personen mit höherem Einkommen, deren Kredite wir bei dieser Strategie anvisieren, in einer guten Situation, da sie von einer angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt profitieren.
So belief sich das Durchschnittseinkommen der Personen, deren Kredite wir bis Mitte letzten Jahres aufkauften, beispielsweise auf rund 100.000 USD, während das Medianeinkommen in den USA bei rund 40.000 USD liegt. In den letzten sechs bis neun Monaten haben sich die bereits strengen Kreditvergabestandards aufgrund der anhaltenden Leitzinserhöhungen weiter verschärft. Das Durchschnittseinkommen der Kreditnehmer beläuft sich jetzt auf 140.000 USD, und die Renditen sind um 3% gestiegen.
Typisch für den Zyklus ist: Wenn sich die Kreditvergabebedingungen verschärfen, steigt die Qualität der Kredite.
Reaktion auf eine mögliche harte Landung
Sollte es zu einer harten Landung der US-Wirtschaft und einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenquote kommen, müssten wir unsere derzeitigen Kreditausfallerwartungen für die Anlageklasse von rund 2% um zusätzliche Verluste von ca. 1,5% anheben. Dies würde unsere erwartete jährliche Bruttorendite von rund 9% auf rund 6,5% schmälern.
Bedenken Sie jedoch, dass andere Anlageklassen bei einer harten Landung noch stärker in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Im Segment der Unternehmensanleihen waren die Marktwertverluste viermal so hoch und die Kreditausfälle doppelt so hoch. Dies würde auch die aktuelle Rendite in diesem Segment beeinträchtigen.
Wir sollten anmerken, dass die Volatilität der Ausfälle von Krediten von Privathaushalten über einen längeren Zeitraum nur etwa halb so hoch ist wie diejenige von niedrig- oder hochverzinslichen Anleihen.
Wenn das Basisszenario ein Szenario einer harten Landung wird, würden wir den Cashflow aus Zins- und Tilgungszahlungen nutzen, um Kredite mit noch höherer Qualität zu kaufen.
Ihre Vorhersagbarkeit, ihre geringe Volatilität und ihre geringe Korrelation dürften diese Anlageklasse zu einer attraktiven Option in einer Phase wie der aktuellen machen.
Dieser Artikel ist eine angepasste Version eines aktuellen Podcast aus der Reihe Talking Heads mit Tonko Gast.
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