Euro-High-Yield-Anleihen trotzen den Unsicherheiten

Euro-High-Yield-Anleihen haben sich bei relativ geringer Volatilität weiterhin gut entwickelt und konnten sich in unruhigen Märkten behaupten. Olivier Monnoyeur ist weiterhin zuversichtlich und berichtet über unsere Positionierung in Sektoren, in denen der Tiefpunkt bald erreicht wird oder bereits hinter uns liegt.     

Die sinkenden Zinsen sind für High-Yield-Anleihen aus der Eurozone in diesem Jahr ungünstig. Die Anlageklasse verzeichnete in den letzten zwei Jahren eine robuste Performance (Benchmark-Renditen von 12,4 % im Jahr 2023 und 9,2 % im Jahr 20241). Die Performance lag in diesem Jahr bis Ende Juli bei 3,7 % und dürfte für das Gesamtjahr eine Rendite von 6 % erzielen. Das entspricht in etwa dem Carry, den die Anlageklasse bietet.

Wir sehen das aktuelle Umfeld als unterstützend für Hochzinsanleihen in der Eurozone. Die Wirtschaft der Eurozone wuchs im ersten Halbjahr 2025 kumuliert um 0,7 % und damit leicht über der jährlichen Wachstumstrendrate von 1,2 %. Wir erwarten, dass die Wirtschaft zum Jahresende wieder an Dynamik gewinnt.

Die lähmende Unsicherheit hinsichtlich der Zölle scheint vorerst weitgehend vorbei zu sein. Das Handelsabkommen zwischen den USA und der EU – mit einem Zoll von 15 % auf die meisten aus der EU importierten Waren – ist zwar schmerzhaft, aber deutlich besser als die 30 %, die US-Präsident Donald Trump zuvor vorgeschlagen hatte. Zumindest verschafft das Abkommen europäischen Unternehmen Klarheit.

Europäische Unternehmen haben die Unsicherheit gut gemeistert

Wir sehen bessere Aussichten für mehrere Sektoren im europäischen High-Yield-Segment. Die Automobilindustrie (die 11 % unseres Index ausmacht) ist ein Paradebeispiel für einen Sektor, der unter negativer Stimmung leidet.

Wir haben unsere Allokation in die Automobilindustrie von nahezu null zu Jahresbeginn auf rund 7 % erhöht, da wir der Ansicht sind, dass der Umsatzrückgang nicht so stark ausgefallen ist wie zunächst befürchtet und dass die Verbesserung der Bilanz erste Ergebnisse zeigt. (siehe Abbildung 1). Wir haben sowohl in Hersteller als auch in Zulieferer allokiert, wobei wir Letztere bevorzugen.

Die Strukturkrise zeigte sich bereits vor den Zoll-Streitigkeiten: Europäische Hersteller sehen sich mit der Konkurrenz aus China, einem schwierigen Übergang zu Elektrofahrzeugen und einer hohen Kostenstruktur mit geringer Kapazitätsauslastung konfrontiert, die die Margen unter Druck setzt.

Infolgedessen senkt die Branche seit zwei Jahren strikt die Kosten, in dem Werke geschlossen und Investitionsausgaben effizienter eingesetzt werden. Die Folge: im 2. Quartal schnitten die Zulieferer der Branche besser ab als die Hersteller. Unser Portfolio hat davon profitiert.

Erhöhung der Allokationen in unterrepräsentierte Sektoren

Wir sind zu Jahresbeginn bei der Sektorauswahl eher defensiv vorgegangen. Wir haben weniger zyklische Sektoren wie Gesundheitswesen und Immobilien übergewichtet, die weniger dem Risiko von Zöllen ausgesetzt sind. 

 Im Juli haben wir unsere Allokationen in zyklischen Wertpapieren und zyklischen Spätwerten wie Chemikalien erhöht. Wie bei den Automobilen war die Stimmung in der Branche negativ.

Wir waren der Ansicht, dass diese negative Stimmung überzogen war. Obwohl wir nicht davon ausgingen, dass ein Tiefpunkt der Performance unmittelbar bevorstand, investierten wir in Titel, die unserer Analyse zufolge robust genug waren, um den Sturm noch einige Quartale zu überstehen.

Durch das Tief bei High-Yield-Anleihen blicken

Die Unternehmensberichtssaison für das zweite Quartal war beruhigend, mit soliden Ergebnissen selbst in unter Druck stehenden Sektoren. Da die Zollprobleme nun hoffentlich hinter uns liegen, sind wir zuversichtlich hinsichtlich des Ausblicks und favorisieren den Carry. Der Spread des Index ist jedoch mit rund 230 Basispunkten eng (siehe Abbildung 2).

Der Spielraum für eine weitere Spread-Verengung mag begrenzt sein, aber durch die Auswahl von Unternehmensanleihen, die unserer Analyse zufolge in einigen der schlecht abschneidenden, vernachlässigten Sektoren überleben werden, glauben wir, dass wir ein Portfolio aufbauen können, das die Renditen des Index übertrifft. Sobald das Tief überwunden ist, sollten dies Anleihen mit dem Potenzial zur Überrendite sein.

Trotz der engen Credit Spreads gibt es derzeit eine ausgeprägtere Streuung der Spreads (d. h. der Prozentsatz der Anleihen, die mindestens 100 Basispunkte enger oder weiter als der durchschnittliche Index-Spread gehandelt werden) als in vergleichbaren Zeiträumen zuvor.

Daher steht uns ein breites Anlagespektrum an Investitionsmöglichkeiten zur Verfügung, aus denen wir Anleihen mit hohem Renditepotenzial auswählen können. Dabei setzen wir auf eine fundierte Kreditanalyse, um Chancen auf Emittenten-, Branchen- und regionaler Ebene zu identifizieren.

Rückenwind – Fiskalischer Schub in Deutschland

Wir haben versucht, diejenigen Unternehmen zu identifizieren, die von höheren Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung profitieren könnten. Die deutsche Industrie hatte in den letzten zwei Jahren Schwierigkeiten, doch wir sind der Ansicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um sich auf eine Verbesserung im Jahr 2026 zu positionieren.

Das Baugewerbe ist ein Sektor, in dem wir Potenzial sehen. Der Sektor steht seit mehr als zwei Jahren unter Druck, und in Ländern wie Frankreich ist das Baugewerbe noch immer stark rückläufig. Dennoch sehen wir erste Anzeichen für eine Stabilisierung im Laufe des Jahres und eine mögliche Beschleunigung im Jahr 2026.

Aktivität am Primärmarkt spiegelt gestiegene Risikobereitschaft wider

Der Primärmarkt für Anleihen war im Frühsommer aktiv. Im Juni haben wir an etwa 15 neuen Deals teilgenommen, verglichen mit 2-5 in einem “normalen” Monat. Diese starke Neuemissionstätigkeit spiegelt eine verbesserte Risikobereitschaft mit Zuflüssen in die Anlageklasse wider. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Lebensgeister zurückkehren mit der Folge einer Zunahme der Fusions- und Übernahmeaktivitäten (M&A), wovon High-Yield-Unternehmen profitieren könnten.

Dies könnte Unternehmen betreffen, die nicht zum Kerngeschäft gehörende Aktivitäten verkaufen müssen, um ihre Ziele zur Schuldenreduzierung schneller zu erreichen. Dieser Trend hat bereits 2025 an Fahrt gewonnen, und wir gehen davon aus, dass das Umfeld für eine Fortsetzung günstig bleibt.

Wir können davon profitieren, indem wir Unternehmen identifizieren, die ihre Schulden schneller als erwartet abbauen können – sei es durch Erlöse aus Vermögensverkäufen oder durch Übernahmen durch Wettbewerber oder Private-Equity-Gesellschaften.

Wie geht es weiter mit Euro-High-Yield-Anleihen?

Das europäische Wirtschaftswachstum hat sich in der ersten Hälfte des Jahres 2025 als widerstandsfähig erwiesen. Es gibt Spielraum für eine weitere Belebung der Unternehmensinvestitionen und M&A-Aktivitäten, da die Wirtschaft in den kommenden 12 Monaten an Dynamik gewinnt.

Unternehmen im High-Yield-Segment setzen weiterhin klare Prioritäten bei der Schuldenreduzierung. Zuflüsse in Investmentfonds und die Nachfrage nach Sicherheiten für Collateralized Loan Obligations (CLOs) stützen zusätzlich die Nachfrage nach diesen Unternehmensanleihen.

Unsere Analyse zeigt die fundamentalen Eigenschaften der Unternehmen im Euro-High-Yield-Segment als relativ solide. Die Unternehmensberichte belegen die Widerstandsfähigkeit der Geschäftsmodelle. Die Gewinnmargen sind stabil, die Kosten sind gut unter Kontrolle und es besteht Potenzial für die Cash-Generierung und die Verbesserung der Bilanz.

Auch wenn der Spielraum für eine weitere deutliche Verengung der Spreads im Jahr 2025 begrenzt ist, gehen wir davon aus, dass Carry und eine agile Titelauswahl die Performance unserer Strategie vorantreiben werden.

[1] Der ICE BofA ML BB-B European Currency Non-Financial High Yield Constrained Index enthält alle nicht-finanziellen Wertpapiere des ICE BofA ML European Currency High Yield Index, die mit BB1 bis B3 bewertet sind, basierend auf dem Durchschnitt von Moody’s, S&P und Fitch. Gleichzeitig ist das Emittentenrisiko auf 3 % begrenzt.

Wichtige Hinweise

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