Trotz des Iran‑Konflikts sehen wir weiterhin potenzielle Chancen für ETF‑Investoren im europäischen Fixed-Income Markt. Solide Unternehmensfundamentaldaten stützen den Anleihen-Sektor, und wir sind der Ansicht, dass inflationsgebundene und kurzfristige Anleihen gut performen könnten. Das gegenwärtige Umfeld erhöhter geopolitischer Spannungen unterstreicht die Notwendigkeit eines aktiven und flexiblen Anlageansatzes.
Der Konflikt im Nahen Osten hat Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung und die Inflationsaussichten geschaffen und stellt ETF‑Investoren, die ihr Portfolio neu ausrichten möchten, vor neue Herausforderungen. Dennoch sind wir der Ansicht, dass das aktuelle Umfeld nach wie vor potenziell attraktive Möglichkeiten für Anleger bietet, die einen aktiveren und selektiveren Ansatz verfolgen.
Der Iran‑Konflikt ließ die Ölpreise in die Höhe schnellen, woraufhin die Zentralbanken vor Risiken für Inflation und Wachstum warnten. Im März erklärte die Europäische Zentralbank, dass die Lage im Iran die Aussichten „deutlich unsicherer“ gemacht habe, und entschied, die Zinsen unverändert zu lassen.1
Steigende Inflationserwartungen und die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik in den kommenden Monaten haben gemeinsam dafür gesorgt, dass die Anleihezinsen steigen. Das kann jedoch positiv für festverzinsliche ETFs sein, da es den Anlegern eine höhere Rendite bei ihren Langzeit‑Investitionen ermöglicht und gleichzeitig die Option bietet, bei niedrigeren Kursen wieder zu investieren.
Der Kreditsektor bleibt unterstützt
Europa ist ein vielfältiger Markt, der aus Ländern mit unterschiedlichen fiskalischen Profilen besteht, dazu mehrere Marktführer in verschiedenen Sektoren der Region und eine Fülle multinationaler Unternehmen, die in Europa ansässig sind.
In den Kreditmärkten der Region werden einige Emittenten aufgrund des geopolitischen Hintergrunds und der damit verbundenen Energiepreissteigerungen naturgemäß stärker betroffen sein. Engere Kreditspreads – also der Zinsunterschied zwischen Unternehmensanleihen und traditionell weniger riskanten Staatsanleihen – schränken das Potenzial für höhere Renditen in manchen Bereichen ein. Trotz alledem bleibt das Gesamtumfeld für Kredite unterstützend, mit attraktiven Renditen und soliden Unternehmensfundamentaldaten.
Inflationsgebundene Anleihen könnten profitieren, da sie potenziell helfen, höhere Inflation abzufedern. Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass Kurzlaufzeit‑Anleihen – welche weniger empfindlich auf Zinsänderungen reagieren – in diesem Umfeld mit größerer Wahrscheinlichkeit gut abschneiden werden.
Erhöhte Anleiheemission
Strukturelle Veränderungen wie technologische Fortschritte und ein strategischer Fokus auf die Verteidigung unterstreichen ebenfalls das Potenzial von Investitionsmöglichkeiten in verschiedenen Sektoren. Zum Beispiel bedeuten steigende Technologie‑Ausgaben, dass künstliche Intelligenz Fähigkeiten und die dazugehörige Infrastruktur ausgebaut werden, was mit größerer Wahrscheinlichkeit zu einer erhöhten Anleiheemission führt.
Europäische Unternehmensanleihen profitieren zudem von gesunden Bilanzen, Gewinnwachstum und soliden Cashflows sowie von qualitativen Faktoren wie starken Management‑Teams und Wettbewerbsvorteilen.
Auch die Emission von europäischen Staatsanleihen wird voraussichtlich zunehmen, was potenzielle neue Chancen für Anleger schafft. Das Infrastruktur‑ und Verteidigungsausgabepaket Deutschlands für 2025 soll in diesem Jahr zu einer Anleiheemission von mehr als 500 Milliarden Euro führen.2
Die zusätzlichen fiskalischen Ausgaben werden voraussichtlich die Wachstumsaussichten in ganz Europa breiter stärken und die Unternehmensfundamentaldaten unterstützen.
Gleichzeitig gibt die Europäische Kommission weiterhin Schuldtitel aus, um Initiativen wie SAFE, ihr Sicherheits‑ und Verteidigungsprogramm, zu finanzieren. Dies schafft potenzielle neue Möglichkeiten für ETF‑Investoren, Renditen bei länger laufenden Anleihen zu erzielen.
Ein aktiver Ansatz ist entscheidend
Europa ist ebenfalls attraktiv als Region für Anleger, die sich angesichts politisch bedingter Unsicherheit über die USA hinaus diversifizieren möchten.
Europäische ETFs haben einen Rekordstart ins Jahr hingelegt, sowohl bei den Geldzuflüssen in festverzinsliche Titel als auch in Aktien. Im Januar und Februar verzeichneten sie Zuflüsse von 93,5 Milliarden €, den stärksten Jahresbeginn seit Aufzeichnung, und übertrafen damit die 91,3 Milliarden €, die im ersten Quartal 2025 laut Datenanbieter Morningstar verzeichnet wurden.3
Die Zuflüsse in Anleihen‑Strategien überstiegen im Jahr 2025 zum dritten Mal in Folge die Zuflüsse in Aktien, hieß es weiter. Nach unserer Ansicht ist dies ein Beweis für das Vertrauen der Investoren in die europäischen Märkte vor dem Hintergrund einer unsicheren globalen geopolitischen Lage.
Die Bandbreite der potenziellen Chancen unterstreicht die Notwendigkeit eines aktiven und flexiblen Investmentansatzes. Anleger könnten zudem einen sogenannten Alpha enhanced Ansatz in Betracht ziehen, eine aktive Strategie, die darauf abzielt, einen Benchmark zu übertreffen, dabei jedoch ein niedrigeres Risikoniveau anstrebt.
Alpha enhanced Strategien nutzen häufig einen Faktorinvestitionsansatz, bei dem Unternehmen in bestimmte Stilrichtungen eingeteilt werden; die am häufigsten vorkommenden sind Qualität, Value, geringes Risiko und Momentum. Ziel ist es, Investoren dabei zu unterstützen, Anleihen von Unternehmen mit starken Fundamentaldaten zu identifizieren, und in Kombination mit einem Alpha enhanced Ansatz könnte dies ETF Investoren potenziell dabei helfen, Renditen zu erzielen, die den Benchmark übertreffen, bei gleichzeitig niedrigeren Risikostufen.
Mit starken Fundamentaldaten, strukturellen Veränderungen und einer anhaltenden, politikgesteuerten Schuldenaufnahme glauben wir, dass nach wie vor zahlreiche Chancen in europäischen festverzinslichen ETFs bestehen. Angesichts eines unsicheren und teilweise unruhigen Marktumfelds, in dem Fragen zum Weg der Geldpolitik, zur Inflation und zum Wachstum offen bleiben, ist ein flexibler Ansatz unerlässlich, und ETFs bleiben potenziell ideale Werkzeuge, um Flexibilität zu erreichen.
[2] Germany’s debt issuance plan unchanged for Q2, says finance agency
[3] Europe Fund Flows: ETFs Start 2026 With Record-Breaking Inflows | Morningstar