Exchange-Traded-Funds (ETFs) zielen darauf ab, Anlegern eine einfache und kosteneffiziente Möglichkeit zu bieten, in Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe zu investieren, indem sie einen Marktindex (oder eine Strategie) replizieren. Die Replizierung der Performance eines Index kann auf verschiedene Weise erfolgen: durch den Wiederaufbau des Index, indem alle Aktien oder Anleihen in ein Portfolio aufgenommen werden, oder durch “synthetische Replikation”. Paul Xatard-Huberlant erklärt.
Merkmale eines synthetischen ETFs
Beim synthetischen Ansatz wird die Werteentwicklung eines Index nicht durch den tatsächlichen Kauf der zugrunde liegenden Wertpapiere nachgebildet, sondern über Derivate – in der Regel mittels Swap-Vereinbarungen. Infolgedessen gewinnen synthetischer ETF wieder Marktanteile.
Diese Entwicklung markiert eine Abkehr von einer Phase ausgeprägter Zurückhaltung. Über einen längeren Zeitraum hinweg mieten viele Investoren Produkte mit Kontrahentenrisiken – insbesondere synthetische ETFs, bei denen ein Finanzinstitut die Indexrendite bereitstellt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob dieser Vertragspartner seinen Verpflichtungen jederzeit nachkommen kann. Vor allem nach der Finanzkrise 2008 rückten potenzielle Ausfallrisiken verstärkt in den Fokus.
Weitere Bedenken betrafen die Transparenz. Die Komplexität synthetischer ETFs ließ Anleger nach einfacheren Fonds suchen. Regulatorische Kontrolle und negative Publicity über synthetische ETFs als “Black Boxes” schreckten Privat- und sogar institutionelle Investoren ab.
Inzwischen hat sich das regulatorische und strukturelle Umfeld jedoch spürbar weiterentwickelt. Strengere Vorgaben für den Einsatz von Sicherheiten haben dazu beigetragen, das Kontrahentenrisiko deutlich zu reduzieren. Die Sicherheiten werden täglich angepasst, sodass Veränderungen der Swap-Werte zeitnah ausgeglichen werden. Sollte ein Kontrahent ausfallen, verbleibt das Sicherheitsportfolio in ETF und kann zur Stabilisierung oder zum Wiederaufbau der Position genutzt werden.
Neben den strukturellen Verbesserungen sprechen auch wirtschaftliche Argumente für synthetische ETFs. Sie weisen häufig niedrigere Kostenquoten auf als physische replizierende Produkte und können in bestimmten Rechtsordnungen steuerliche Vorteile bieten.
Darüber hinaus haben sich Liquidität, Risikomanagement und Preisstellung spürbar verbessert. Viele synthetische ETF S arbeiten heute mit mehreren Kontrahenten, was die Robustheit der Struktur zusätzlich erhöht.
Insgesamt glauben wir, dass synthetische Replikation nun Renditen bieten kann, die die physischen Replikationen übersteigen.
Ein Blick auf die Vor- und Nachteile der synthetischen Replikation
Bei einem synthetischen ETF ist die Replikation indirekt – sie basiert auf einer Swap-Transaktion. Der ETF schließt einen Vertrag mit einer Bank oder einem Finanzdienstleister ab, der im Gegenzug gegen eine Gebühr die Indexrendite übernimmt. Dieser Prozess, bekannt als Total-Return-Swap, wird bei der traditionellen synthetischen Replikation verwendet.

Ein wesentliches Merkmal dieses Ansatzes ist, dass es keine Verbindung zur Zusammensetzung des replizierten Index geben muss. Theoretisch kann ein synthetischer festverzinslicher ETF beispielsweise einen Ersatzkorb von Aktien halten, solange die erzielte Performance mit der des gewählten Anleihebenchmarks übereinstimmt. Während ein solcher Ansatz für einen ETF-Manager das Fondsmanagement vereinfachen kann, ist er für einen Anleger weniger intuitiv.
Ein synthetischer ETF benötigt weniger Bargeld zum Aufbau und verursacht geringere Transaktionskosten. Dadurch kann der Fondsmanager auch Märkte oder Anlageklassen abbilden, deren zugrunde liegenden Vermögenswerte weniger liquide oder schwer zugänglich sind. In der Praxis kann dies beispielsweise Rohstoffe oder Aktien aus Schwellenländern betreffen.
Traditioneller – Physikalische Replikation
Ein physisch replizierender ETF investiert direkt in die Wertpapiere, aus denen der Index besteht. Für Anleger ist damit transparent nachvollziehbar, welche Fonds er hält. So investiert ein CAC-40-ETF beispielsweise tatsächlich in alle 40 im Index erhalten Unternehmen, und zwar entsprechend ihrer jeweiligen Gewichtung.
Diese Struktur ist leicht verständlich und vermittelt ein hohes Maß an transparent. Für den Fondsmanager bedeutet sie jedoch einen höheren operativen Aufwand, Da regelmäßig liquide Mittel benötigt werden, um die zugrundeliegenden Wertpapiere zu kaufen und zu halten. Zudem ist eine laufende Überwachung der Indexzusammensetzungen erforderlich, da Änderungen – etwa durch Rebalancing – zu zusätzlichen Transaktionskosten führen, die die Nettorendite schmälern können.
Darüber hinaus können Dividenden Zahlungen oder Indexanpassungen die Genauigkeit der Replikation beeinträchtigen. Dies kann zu einer höheren Abweichung gegenüber dem Referenzindex (Tracking Error) führen und damit die Attraktivität für Anleger mildern, ja die eine möglichst exakte Indexnachbildung anstreben.
Die Alternative – synthetische ETFs
Da bei synthetischen ETFs keine vollständige physische Replikation des Index erforderlich ist, ergeben sich geringere Transaktionskosten, da der Fondsmanager nicht alle im Index erhaltenen Aktien handeln muss. Dies ist insbesondere bei Indizes mit hoher Umschlagshäufigkeit von Bedeutung.
Synthetische ETFs ermöglichen in der Regel eine genaue Nachbildung des Index, da es zu geringeren Abweichungen zwischen Fonds- und Indexentwicklungen kommt. Zudem können Sie Anlegern Zugang zu Märkten bieten, die Stärke reguliert oder schwerer zugänglich sind, etwa chinesische oder indische Aktien. In einigen Fällen profitieren synthetische ETFs zudem von steuerlichen Vorteilen, beispielsweise durch den Wegfall bestimmter Quellensteuern, die bei physisch replizierenden Fonds anfallen können.
Da die Indexrendite über einen Swap-Geschäft mit einem Kontrahenten bereitgestellt wird, besteht grundsätzlich ein Kontrahentenrisiko. Dieses Risiko wird jedoch durch regulatorische Vorgaben begrenzt, die die Derivateexponierung auf maximal 10% des Nettofondsvermögens beschränken. Darüber hinaus werden strenge UCITS-Vorgaben zur Diversifikation und Liquidität eingehalten.
Bei der Auswahl der Kontrahenten achten wir auf deren Erfahrung Stabilität sowie auf die Qualität der angebotenen Bewertungs- und Servicedienstleistungen. Aktuell arbeiten wir mit einem stabilen Pool von Kontrahenten zusammen.
Gleichzeitig ist es für Anleger bei synthetischen ETFs oft weniger transparent, in welche Wertpapiere der Fonds tatsächlich investiert. Die zugrunde liegenden Strukturen und Swap-Mechanismen sind komplexer und erschweren es die tatsächlichen Risiken allein anhand der Vertragsdetails vollständig zu beurteilen.
Ein Markt in ständiger Entwicklung
Innovativere synthetische Indexstrategien werden auf dem Markt entwickelt, was es für Anleger noch wichtiger macht, die Mechanismen von swapbasierten ETFs zu verstehen. Gleichzeitig sehen wir eine Nachfrage nach synthetischen ETFs, die Märkte wie China und Indien oder sogar Schwellenländer allgemein abdecken, von Investoren, die auf Kosteneffizienz und genaue Replikation achten.
Wir sind Der Ansicht, dass synthetische ETFs nun ein Comeback erleben, Aufgrund von strengeren Regulierungen. Die Sicherheitenregeln wurden verschärft, sodass die Sicherheit heute typischerweise von hoher Qualität, vielfältiger und strengen regulatorischen Anforderungen unterliegt. Daher sehen viele Investoren das Gegenparteienrisiko heute als gut kontrolliert und transparent an.
Zudem erkennen kostenbewusstere Investoren die Vorteile der synthetischen Replikation. Solche synthetischen Strukturen können einige Nachteile der Quellensteuer umgehen, denen physische ETFs ausgesetzt sind und die ihre Nettoperformance beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund ist die Outperform in synthetischer ETs ein wesentlicher Treiber für ihr erneutes Interesse bei Anlegern.