Dass Chinas Wirtschaftspolitik sich auf das Binnenwachstum konzentriert und damit auch das Wachstum in der Region voranbringt, spricht für eine optimistische Einschätzung der asiatischen Schwellenländer vor dem Hintergrund der weitreichenden Folgen der COVID-19-Pandemie.
Die Bemühungen, die Binnennachfrage anzukurbeln sowie von Importen unabhängig und technologisch autark zu werden, sollten in den kommenden Jahren für Investitionsentscheidungen und -chancen in China wegweisend sein. Dies hat Auswirkungen auf andere Volkswirtschaften in der Region. Unserer Ansicht nach sollten Investoren nach der Corona-Pandemie diese Länder, aber auch Unternehmen, die die chinesische Nachfrage bedienen, bevorzugen.
China sieht sich selbst als Wachstumsmotor in Asien
Die Pandemie hat Asiens exportorientierte Volkswirtschaften schwer getroffen. Aber Chinas Politik der Dual Circulation oder zwei Kreisläufe, die darauf zielt, den Binnenkonsum anzuheizen und die Exportabhängigkeit zu verringern, hat das Potenzial, regionales Wachstum zu stützen und die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und des zunehmenden Protektionismus abzumildern.
China sieht sich auf dem Weg in eine neue Weltordnung, die die Welt in drei Hauptregionen einteilt, nämlich Asien, Nordamerika und Europa, jeweils unter der Führung einer überregionalen Macht.
Dies wird wahrscheinlich zu wachsendem Regionalismus führen, und damit vor dem Hintergrund der Deglobalisierung zu einer starken wirtschaftlichen Verflechtung innerhalb der Region. Noch entscheidender ist aber, dass China sich selbst als Herz Asiens wahrnimmt und unter Einbeziehung regionaler und globaler Kapital-, Finanz- und Technologiemärkten das inländische und regionale Wachstum fördert.
Regionalismus versus Deglobalisierung
Die Auswirkungen der chinesischen Asien-Strategie manifestieren sich bereits in den enger werdenden Handelsbeziehungen mit dem Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN): Ende 2019 zog ASEAN an Nordamerika vorbei und wurde zweitgrößter Handelspartner Chinas nach Europa (siehe Abbildung 1).

Dieser Wachstumstrend unterstreicht nicht nur das enorme Potenzial für die wirtschaftliche Verflechtung zwischen China und anderen asiatischen Staaten, sondern er zeigt auch, dass die Zusammenarbeit während der Pandemie trotz der schrumpfenden globalen Nachfrage und dem wachsenden Protektionismus fortgesetzt wurde.
Die kürzlich unter chinesischer Leitung geschlossene Wirtschaftspartnerschaft (Regional Comprehensive Economic Partnership, RCEP) scheint als gemeinsame Plattform für die regionale Zusammenarbeit angelegt. Dennoch dürfte sie auf kurze Sicht keine umwälzenden Veränderungen bewirken.
Auf regionaler Ebene strebt China eine Zusammenarbeit mit ASEAN in der Digitalisierung an. Außerdem möchte die chinesische Führung die Initiative „Health Silk Road“ voranbringen und strebt dafür eine Kooperation mit den ASEAN-Mitgliedsstaaten im öffentlichen Gesundheitswesen und im Kampf gegen COVID-19 an. Nicht zuletzt bestärkt Peking chinesische Unternehmen darin, weiterhin in den ASEAN-Staaten zu investieren.
Um geopolitische Spannungen auszuräumen – insbesondere im Südchinesischen Meer –, bemüht sich Peking um einen regelmäßigen Dialog mit den Anrainerstaaten und darum, die Verhandlungen über regionale Verhaltensrichtlinien und Zusammenarbeit auf See zu beschleunigen.
Die Risiken
Unserer Ansicht nach besteht das Hauptrisiko für Schwellenländer, auch für asiatische, in einer frühzeitigen Straffung der chinesischen Finanzpolitik. Enttäuschendes Wachstum, wenn China seinen Schuldenabbau zu aggressiv fortsetzt, ist ein weiteres Risiko, allerdings kein besonders akutes.
Unserer Ansicht nach ist beides derzeit relativ unwahrscheinlich, da Peking eine flexible Strategie verfolgt, um Wachstum und Schuldenabbau in Einklang zu bringen.
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