Den neuesten Daten nach erholt sich die Eurozone allmählich, auch wenn eine wirtschaftliche Divergenz zu erkennen ist, wobei insbesondere Deutschland hinter Südeuropa liegt.
Der Rückgang der schwachen Konjunktur der Eurozone schwächt sich gemäß den neuesten Daten des Einkaufsmanagerindex, die darauf hindeuteten, dass eine Stabilisierung der Aktivität im Dienstleistungssektor den starken Rückgang im verarbeitenden Gewerbe kompensiert – insbesondere in Deutschland – ab.
Die Vorabschätzungen des zusammengesetzten Einkaufsmanagerindex für die Eurozone von S&P Global, der die Geschäftsaktivität in der Eurozone misst, stiegen im Februar auf ein Achtmonatshoch von 48,9, gegenüber 47,9 im Januar.
Dies ist jedoch bereits der neunte PMI-Wert unter 50 in Folge, wobei ein Wert von unter 50 eine Kontraktion und ein Wert von über 50 eine Expansion anzeigt, woran sich zeigt, dass die Wirtschaft der Eurozone in einer Sackgasse steckt, nachdem sie 2023 weitgehend stagnierte.
Da zu wenig verlässliche und aktuelle harte Konjunkturdaten für die Eurozone vorliegen, stützen sich viele Wirtschaftsexperten und Analysten auf die monatlichen PMI-Werte und die Konjunkturerwartungen. Diese beiden umfragebasierten Indikatoren haben das BIP-Wachstum im Vergleich zum Vorjahr bisher erfolgreich ermittelt. Die jüngsten PMI-Daten deuten auf eine leichte Erholung des sequentiellen Wachsums in der Eurozone hin. Dies stimmt mit der Prognose unseres makroökonomischen Teams einer allmählichen Erholung im Verlauf des Jahres überein.
Divergenz in der Eurozone, wobei Südeuropa vor Nordeuropa liegt
Die Daten des zusammengesetzten Einkaufsmanagerindex der Eurozone verschleiern eine zunehmende Divergenz zwischen den einzelnen Sektoren und Ländern. Im Februar stieg der Composite-PMI in Frankreich ziemlich stark und in Italien und Spanien liegt er derzeit deutlich über 50. In Deutschland ist er jedoch aufgrund einer weiteren Abschwächung im verarbeitenden Gewerbe weiter gefallen (von 47,0 auf 46,1).

Wir schließen aus den PMI-Daten vom Februar, dass sich die Eurozone trotz der strukturellen Probleme im verarbeitenden Gewerbe allmählich erholt, was hauptsächlich einem Aufschwung im Dienstleistungssektor zu verdanken ist.
Die EZB wird diese PMI-Daten wahrscheinlich als ein Zeichen dafür ansehen, dass die geldpolitische Transmission ihren Höhepunkt erreicht hat und dass das Wachstum trotz der immer noch restriktiven Geldpolitik steigen wird. Allerdings deuten die meisten Indikatoren trotz der deutlichen Stimmungsaufhellung in den letzten Monaten immer noch auf eine Kontraktion hin.
Unser Makroteam geht davon aus, dass sich die Wirtschaftsaktivität in der Eurozone weiter verbessern wird, allerdings nur allmählich, da die Nachwirkungen des Energieschocks auf den europäischen Fertigungssektor die mittelfristigen Wachstumsaussichten für die Eurozone wahrscheinlich reduziert haben.

Deutschlands Wirtschaft immer noch in Schwierigkeiten
Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck verkündete letzte Woche, dass die Prognose der Bundesregierung für das Wachstum im Jahr 2024 von 1,3% auf 0,2% gesenkt wurde. Dies bedeutet, dass die Wirtschaft effektiv stagniert. Robert Habeck bezeichnete die Lage der deutschen Wirtschaft als „dramatisch schlecht“.
Deutschland wurde durch Russlands Invasion in der Ukraine aufgrund der Abhängigkeit seiner energieintensiven Branchen von russischem Gas hart getroffen. Darüber hinaus ist Deutschland aufgrund seiner Exportabhängigkeit besonders von der derzeitigen Schwäche des globalen Handels betroffen (trotz eines relativ schwachen Euros).
Der Bundesbank zufolge ist Deutschland womöglich bereits in eine Rezession abgerutscht. Die Wirtschaft schrumpfte letztes Jahr geringfügig. Im vierten Quartal 2023 verzeichnete sie einen Rückgang um 0,3%. In ihrem aktuellen Monatsbericht erklärte die Bundesbank, dass die „Stressfaktoren“ wahrscheinlich anhalten werden und die Wirtschaftsleistung deshalb „im ersten Quartal 2024 erneut leicht zurückgehen“ könnte. Nach zwei negativen Quartalen in Folge würde Deutschland in eine technische Rezession geraten.
Damit sich die konjunkturelle Lage verbessert, wären wahrscheinlich eine Periode der Stabilität und eine Vision für die Zukunft erforderlich, nachdem das deutsche Wirtschaftsmodell in den letzten Jahren von einer Krise nach der anderen gebeutelt wurde.
Derzeit fehlt es an politischer Führung, da die Koalitionspartner von Kanzler Olaf Scholz – SDP, Grüne und FDP – Ansichten über die Wirtschaftspolitik vertreten, die fast diametral entgegengesetzt sind. Dies führt möglicherweise zu einer weitverbreiteten Verwirrung über die künftige Richtung, die Deutschland einschlagen wird. Das Fehlen einer klaren Vision, wie die Wirtschaft in 5-10 Jahren aussehen sollte, führt zu einem Gefühl der Unsicherheit bei Unternehmen und privaten Haushalten, das sie davon abhält, in die Zukunft zu investieren.
Ausblick
Der deutsche Wirtschaftsrat, der die Regierung in Wirtschaftsfragen berät, rechnet für die kommenden 10 Jahre mit einer potenziellen Wachstumsrate für die Wirtschaft von nur 0,4% pro Jahr.
Einer der wichtigsten Produktionsfaktoren, der eine Belastung für die potenzielle Wachstumsrate darstellt, ist der Rückgang der Arbeitskräfte aufgrund der alternden Bevölkerung.
Dieses langfristige Wachstumsproblem betrifft auch Italien, was darauf hindeutet, dass die derzeitige überdurchschnittliche Entwicklung der italienischen Wirtschaft nur vorübergehend sein könnte.
Problematische Demografie
Die Alterung der Bevölkerung wird in Italien viel schneller eintreten als in den meisten anderen europäischen Ländern, da mit einem Rückgang der Bevölkerung um 2-5% in den nächsten 20 Jahren gerechnet wird. Im Gegensatz zu Deutschland wurden wenige politische Maßnahmen ergriffen, um dieses Problem anzugehen, und der Widerstand gegen Zuwanderer ist in Italien immer noch hoch.
Kurzfristig können steigende Erwerbsquoten dazu beitragen, die Auswirkungen der ungünstigen demografischen Entwicklung auf das Arbeitskräfteangebot in Italien auszugleichen, und langfristig kann die künstliche Intelligenz hilfreich sein, aber die Zuwachsrate der Endnachfrage ist bereits beeinträchtigt. Das potenzielle Wachstum wird infolgedessen deutlich niedriger sein als in anderen Ländern.
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