Die unerwartet hohe Inflation wirft die Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer „weichen Landung“ auf. Ein solches Szenario setzt eine Verlangsamung der Inflation voraus, so dass die Zentralbanken noch in diesem Jahr mit einer Senkung der Leitzinsen beginnen können. Die höhere Dienstleistungsinflation in der Eurozone ist dabei nicht hilfreich.
Alles begann mit den Januar-Daten zum US-Verbraucherpreisindex (CPI), die höher ausfielen als erwartet. Besonders beunruhigend war der deutliche Anstieg der monatlichen Kerninflationsrate (ohne Nahrungsmittel und Energie) von (auf das Jahr hochgerechnet) 3,4 % auf 4,8 %.
Ein Teil des Anstiegs geht auf die Komponente „Wohnen“ des Index zurück und erklärt sich aus methodologischen Änderungen beim Bureau of Labor Statistics. Aber auch der Dienstleistungsindex stieg sowohl insgesamt als auch in mehreren Teilindizes sprunghaft an.
Weitere Alarmglocken läuteten, als die Daten für die Eurozone einen ähnlichen Anstieg der Dienstleistungsinflation zeigten.
Die spätere Veröffentlichung der Daten zu den persönlichen Konsumausgaben (PCE), der von der US-Notenbank bevorzugten Messlatte, bestätigte den Anstieg des Verbraucherpreisindexes.
Der Markt reagierte zunächst mit der Annahme, die „weiche Landung“ (die Hypothese, dass sich die Inflation weiter verlangsamen und die Zentralbanken im Laufe des Jahres zahlreiche Leitzinssenkungen vornehmen würden) sei nun gefährdet.
Weniger Überhitzungsängste aufgrund enttäuschender Daten
Stattdessen schienen die Anleger potenziell mit einer Wiederbeschleunigung des Wirtschaftswachstums konfrontiert zu sein, d.h. mit einem weniger schnellen Rückgang der Inflation und geringer als erhofft ausfallenden Zinssenkungen der Zentralbanken. Daher sind die für Ende 2024 erwarteten US-Leitzinsen nun höher.
Die Befürchtungen hinsichtlich einer Überhitzung beruhigten sich infolge der generell enttäuschenden Wirtschaftsdaten der letzten Wochen. Normalerweise würde man annehmen, dass Risikoanlagen schlecht auf schwächeres Wachstum reagieren, aber im aktuellen Umfeld wurde dies als gute Nachricht wahrgenommen, da der Markt nun wieder auf eine Senkung der Leitzinsen hoffen konnte (siehe Diagramm 1).

Unterstützt wurde die Einschätzung, das Wirtschaftswachstum verlangsame sich, durch die jüngsten Einkaufsmanagerindizes (EMI). Die meisten Zahlen lagen unter den Erwartungen des Marktes und boten bestenfalls ein gemischtes Bild (siehe Diagramm 2). Mit den meisten Indizes über 50 sahen die Daten für den Dienstleistungssektor am kräftigsten aus und deuteten auf Wachstum hin.
Mit der bemerkenswerten Ausnahme von Deutschland und Frankreich. Aber auch dort waren die Daten im Februar etwas weniger schlecht als im Januar. In anderen Ländern mit expandierenden Dienstleistungssektoren verschlechterten sich die Zahlen, wobei die USA besonders hervorstachen.
Diagramm 2
Einkaufsmanagerindizes (EMI)

Stand der Daten: 08.03.2024. Quellen: S&P, ISM, BNP Paribas Asset Management.
Das verarbeitende Gewerbe weltweit hatte weiterhin zu kämpfen, wobei die meisten Indizes unter 50 lagen, auch wenn viele im Februar erneut eine Verbesserung zeigten.
Eine Beurteilung des verarbeitenden Gewerbes in den USA ist schwierig. Ein Index, der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe des Institute for Supply Management (ISM), verschlechterte sich im Februar und deutete immer noch auf einen Rückgang hin, während der S&P Global PMI-Index sich verbesserte und weiterhin ein expandierendes verarbeitendes Gewerbe anzeigte.
Diese divergierenden Daten spiegeln die Unterschiede in der Erhebungsmethodik wider, da die S&P Global-Erhebung mehr Unternehmen erfasst, während die ISM-Erhebung ein breiteres Spektrum von Unternehmen einbezieht.
Peking… muss sich mehr anstrengen
Die chinesischen Einkaufsmanagerindizes zeigten weder im verarbeitenden Gewerbe noch im Dienstleistungssektor eine nennenswerte Veränderung gegenüber Januar.
Die Anleger warteten den Jahreskongress „Zwei Sitzungen“ ab, der am 11. März zu Ende ging, um zu sehen, ob die Regierung umfangreichere Maßnahmen zur Unterstützung des Wachstums ergreifen wird. Das von ihr für 2024 angestrebte BIP-Wachstum von rund 5 % (ähnlich dem Zielwert für 2023) wird wahrscheinlich zusätzliche Anstrengungen Pekings erfordern, denn die letztjährige Konsumwelle, eine Folge der Wiedereröffnung nach Corona, klingt nun wohl ab. Mit anderen Worten: Eine entsprechende Wachstumsrate wird 2024 schwerer zu erzielen sein.
Die bis jetzt erkennbare Reaktion der chinesischen Aktienmärkte lässt mindestens eine gewisse Enttäuschung vermuten. Der MSCI China Index fiel letzte Woche um 1,8 % (in USD), während der MSCI All Country World Index um 0,6 % zulegte. Der auf das Inland ausgerichtete MSCI China A-Index schnitt mit einem Anstieg von 0,1 % etwas besser ab, blieb aber immer noch hinter der Entwicklung bei globalen Aktien zurück (siehe Diagramm 3).

Uneinheitliche Beschäftigungsdaten in den USA
Zu den weiteren wichtigen Daten der letzten Zeit gehörten die US-Beschäftigtenzahlen ohne Landwirtschaft, die ebenfalls ein gemischtes Bild ergaben. Der Anstieg der nicht saisonbereinigten Beschäftigtenzahlen war stärker, als zu dieser Jahreszeit zu erwarten gewesen wäre, aber die kräftigen Daten der Vormonate wurden nach unten korrigiert.
Die Zahl der in den vergangenen 12 Monaten geschaffenen Arbeitsplätze blieb mit 175 000 konstant, wobei sie jedoch vor einem Jahr noch bei über 300 000 gelegen hatte. Die Arbeitslosenquote stieg leicht an, und die Erwerbsquote blieb unverändert. Bei den über 24-Jährigen stieg die Erwerbsquote sogar an, doch wurde dies durch einen Rückgang bei den Jüngeren ausgeglichen.
Ausschlaggebend für die Frage, ob sich die Inflation wieder beschleunigt hat, war die Veränderung der durchschnittlichen Stundenlöhne. Der Anstieg der Dienstleistungsinflation dürfte zumindest teilweise auf höhere Löhne zurückzuführen sein, und wenn sich das Lohnwachstum beschleunigt, könnte auch die Dienstleistungsinflation anziehen. Die Daten zeigten jedoch eine Verlangsamung von 4,4 % gegenüber dem Vorjahr auf 4,3 % (siehe Diagramm 4).
Dies ist zwar ermutigend, doch liegt die Rate seit Oktober bei oder über 4,3 %, während die US-Notenbank wohl eher mit einer Steigerungsrate von 3,5 % zufrieden wäre.
Die Verlangsamung des Wachstums und die hartnäckige Inflation zeigen, dass die Möglichkeit einer Stagflation nicht vollständig von der Hand zu weisen ist.

Rechtshinweis