Die Anleger haben die Nachrichten zur jüngsten Zollsalve der Trump-Regierung mit Spannung erwartet. Wenn man von den Schlagzeilen einmal absieht, zeigt sich: Die US-Volkswirtschaft bietet weiterhin ein ermutigendes Bild.
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Zu Jahresbeginn war der Haupttreiber der US-Aktien eine moderate Verlangsamung des Wirtschaftswachstums – im Gegensatz zur Fortsetzung des „US-Exzeptionalismus“, mit der viele Anleger gerechnet hatten. Dabei ist nicht zu vergessen, dass die Prognose für 2025 vor den Wahlen im vergangenen November „sanfte Landung“ lautete. Genau das könnte nun eintreffen, und zwar unabhängig von den Veränderungen der politischen Landschaft. Die Einfuhrzölle könnten jetzt die Abschwächung der Konjunktur jedoch beschleunigen.
Die beiden wichtigsten Indikatoren, welche die Anleger auf die neue Dynamik aufmerksam machten, waren die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) und die Einzelhandelsumsätze. Erfreulicherweise haben sich beide zuletzt beruhigt.
Der anfängliche Schock wurde vom Februar-Flash-US-Services-PMI ausgelöst: Er ging auf 49,7 zurück, was auf eine Kontraktion in diesem Sektor hindeutete. Angesichts der Wichtigkeit von Dienstleistungen für die US-Wirtschaft kann jeder Rückgang der Wirtschaftstätigkeit als besorgniserregend gelten. Der endgültige Monatswert wurde jedoch auf 5,1 nach oben korrigiert und die Zahlen für März zeigten eine kräftige Expansion (siehe Diagramm 1).

Der PMI im Fertigungssektor war seit Januar auf einen Wert von über 50 gestiegen, was vermuten lässt, dass eine Zollbarriere gegen Importwaren nicht die Hauptursache für die Veränderung in der Wirtschaftstätigkeit war. Der Wert für März fiel jedoch auf knapp unter die kritische Schwelle von 50 zurück. Es wird wohl viele Monate dauern, bevor irgendwelche positiven Entwicklungen in Bezug auf die heimische Produktion durch die Zölle erkennbar werden.
Bei den jüngsten PMIs in Europa zeigt sich ein gemischtes Bild. Zwei der drei Berichtsländer (Deutschland, Frankreich und Großbritannien) haben einen Anstieg der PMIs gemeldet, obwohl der Stand im verarbeitenden Gewerbe immer noch unter 50 beträgt. Aufgrund der jüngsten politischen Absegnung einer Erhöhung der Infrastrukturausgaben könnte man in Deutschland mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation rechnen, obwohl es – wie in den USA – wohl viele Monate dauern wird, bis irgendwelche Auswirkungen sichtbar werden.
Auch für China waren die Daten etwas besser. Die Datenstände bleiben jedoch hinter denen vom November und Dezember zurück, was mit Blick auf die zahlreichen wirtschaftlichen Anreize, die in den letzten Monaten von Peking angekündigt wurden, enttäuschend ist.
Einzelhandelsumsätze – USA vs. Europa
PMIs beruhen auf Umfragen und stellen infolgedessen eine weniger genaue Messlatte für die Wirtschaftsaktivität dar. Die Zahlen für Einzelhandelsumsätze sind jedoch „harte Daten“. Daher war es ein Schock, als die US-Einzelhandelszahlen im Januar einen Rückgang anzeigten. Die Annahme einer sanften Landung in den USA basierte auf einer leicht schwächeren Verbrauchernachfrage, aber es war auch denkbar, dass die Abschwächung viel schneller und stärker als erwartet eintreten könnte.
Erfreulicherweise erholten sich die Umsätze im Februar, und nicht nur in den USA. In allen bisherigen Berichtsländern gab es einen Anstieg, im Gegensatz zu dem eher durchwachsenen Muster in den Vormonaten (siehe Diagramm 2).

Der Aufschwung könnte in Europa besonders kräftig ausfallen. Die bisher in diesem Jahr zu beobachtende überdurchschnittliche Performance europäischer Aktien wurde durch eine sich versteilende Renditekurve angetrieben, welche den Banken der Region zugutekam – und die erwarteten höheren Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben beflügelten die Industrieunternehmen.
Diese Faktoren könnten jedoch bereits eingepreist sein, sodass sich die Frage stellt, was nun die Wertentwicklung antreiben wird. Die Antwort könnte lauten: der Konsumsektor. Die Nachfrage ist seit dem Ende der Covid-Lockdowns zurückgegangen, aber die Verbraucherstimmung hat sich in Europa besser gehalten als in den USA. Aufgrund der Herausforderungen, denen Exportunternehmen infolge der US-Zölle gegenüberstehen, könnten mehr auf den heimischen Markt fokussierte Unternehmen als sicherer Hafen dienen.
Auswirkungen der Zölle – USA vs. Handelspartner
Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes kennen wir die Vorschläge der Trump-Regierung noch nicht im Einzelnen, aber eines ist ziemlich klar: Sie werden die Handelspartner der USA stärker treffen als die USA selbst. Unternehmen und Verbraucher werden in den USA zwar teurere Importe in Kauf nehmen müssen, aber das wird wohl zu einer Umorientierung der Binnennachfrage auf in den USA produzierten Güter führen.
Es wäre auch möglich, dass es im Endeffekt zu einem Anstieg der Investitionen in den USA kommt, da manche Unternehmen in den USA produzieren wollen werden, um die US-Zölle zu umgehen. Unternehmen, die in die USA exportieren, sind hingegen mit einem wahrscheinlichen Rückgang entweder ihrer Margen oder ihres Umsatzes konfrontiert.
Die relativen Renditen der letzten Woche zeigen diese divergierenden Auswirkungen. Da sich die Spannungen vor der Ankündigung der Zölle verschärft haben, waren die Aktienkurse rückläufig, aber die Wertentwicklung in den USA übertraf die der meisten anderen Märkte (siehe Diagramm 3).

Trotz aller Besorgnisse am Markt haben sich die Gewinnerwartungen der US-Unternehmen als relativ widerstandsfähig erwiesen und stiegen bei den Unternehmen des MSCI-USA-Index in den letzten Wochen um 0,4 %. Die Gewinnerwartungen für die übrige Welt gingen dahingegen zurück. Der Unterschied ist besonders auffällig bei Sektoren, die mehr vom Handel betroffen sind (siehe Diagramm 4).

Während das Wirtschaftswachstum in den USA stabil bleibt, haben sich die Perspektiven für andere Märkte im Vergleich zu den Erwartungen von Anfang des Jahres 2025 verbessert. Europa scheint nun auf dem besten Wege zu erheblichen Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben, wohingegen China von der Weiterentwicklung des DeepSeek-KI-Modells (künstliche Intelligenz) profitieren dürfte. Wir gehen davon aus, dass dieses Modell im gesamten Land eingeführt wird, wodurch sich die Vorteile der KI über den Technologiesektor hinaus verbreiten werden.
Unser Multi-Asset-Team ist also vorsichtig optimistisch, was die Aussichten für Aktien nach den bisherigen Kursrückgängen in diesem Jahr angeht. Im Gegensatz zu den auf die USA konzentrierten Allokationen kurz nach der Wahl setzen wir nun für die Rendite auf eine breitere Auswahl von Märkten.