Das junge Jahr 2026 hat schon viele Überraschungen gebracht, was Investoren nicht gerade beruhigt: eine medienwirksame US-Intervention in Venezuela, die Androhung einer Strafverfolgung gegen Federal‑Reserve‑Chef Jerome Powell und das energische Auftreten von Präsident Trump im Streit um Grönland.
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Ein erneut möglicher großer Handelsstreit zwischen den USA und Europa könnte die Finanzmärkte erschüttern. Darüber hinaus werden mehrere Rechtsstreitigkeiten in den USA eine fortlaufende Beobachtung durch die Anleger erfordern.
Der Oberste Gerichtshof steht kurz davor, über die Rechtmäßigkeit von Präsident Trumps Anwendung des International Emergency Economic Powers Act zu entscheiden – einem Gesetz, das in diesem Monat im Zusammenhang mit Grönland genannt wurde und welches im April letzten Jahres dazu verwendet wurde, gegenseitige Einfuhrzölle ohne Zustimmung des Kongresses zu verhängen.
In dieser Woche wird der Oberste Gerichtshof sich auch zu Trumps Versuch äußern, die Fed-Gouverneurin Lisa Cook aus dem Amt zu entlassen. Der Beschluss könnte gewichtige Folgen für die Unabhängigkeit der Fed haben, ebenso wie die Drohung des Justizministeriums, den Fed-Vorsitzenden Powell strafrechtlich zu verfolgen.
Das Justizministerium wirft Powell vor, im Juni letzten Jahres vor dem Kongress bezüglich der Kosten für die Sanierung des Hauptsitzes der Federal Reserve in Washington falsche Angaben gemacht zu haben. Dieser Vorwurf erfolgt im Kontext eines zunehmenden politischen Drucks auf die Zentralbank, die Leitzinsen zu senken.
Bisher hat die Unterstützung, sogar vonseiten der Republikaner, für den Vorsitzenden der Federal Reserve stark zugenommen. Senator Thom Tillis, Mitglied des Senatsausschusses für Bankenwesen, der die präsidentiellen Ernennungen bei der Fed prüft, erklärte, er werde jegliche von Präsident Trump vorgeschlagene Kandidatur ablehnen, solange die laufende Untersuchung nicht abgeschlossen ist.
Powell, dessen Amtszeit im Mai endet, könnte beschließen, als normales Mitglied des Gouverneursrats bei der Fed zu bleiben: seine Amtszeit ginge dann im Januar 2028 zu Ende.
Nachfolge (bei Zentralbanken)
Die Unsicherheit hinsichtlich der Ernennung eines Nachfolgers von Powell als Fed-Vorsitzender ist das Eine, aber geldpolitische Entscheidungen bleiben weiterhin in der Hand des Offenmarktausschusses (FOMC).
Traditionell strebt der Vorsitzende nach Konsens, doch die Mitglieder des FOMC können auch eigenständige Ansichten vertreten. In der vergangenen Woche erklärte der Präsident der Federal Reserve Bank of Chicago, Austan Goolsbee, dass die Fed sich darauf konzentrieren müsse, die Inflation zu senken. Er warnte, dass die Inflation „die Inflation kann mit voller Wucht zurückkehren, wenn man die Unabhängigkeit der Zentralbank einschränkt.“
Das Protokoll der geldpolitischen Sitzung des FOMC im Dezember offenbarte ein stark gespaltenes Gremium. Unter den Ratsmitgliedern, die für eine Zinssenkung gestimmt hatten, erklärten mehrere, sie hätten alternativ den Status quo beibehalten können; einige wiederum argumentierten, dass es „wahrscheinlich angemessen wäre, das Zielbereich für einen längeren Zeitraum unverändert zu lassen“.
In der Eurozone wurde der Nachfolger des Vizepräsidenten der EZB am 19. Januar ernannt. Der Präsident der kroatischen Zentralbank, Boris Vujčić, war zwar kein Favorit unter den Kandidaten, wird jedoch am 1. Juni das Amt von Luis de Guindos übernehmen.
Dies war der erste Teil eines Prozesses, in dessen Verlauf vier der sechs Mitglieder des EZB-Gouverneursrats ausgewechselt werden. Die Amtszeit von Präsidentin Christine Lagarde endet im Oktober 2027.
Das Spiel mit den Zöllen
Präsident Trumps Aufruhr rund um das angebliche „Kaufen Grönlands“ hat eine unerwartete Gefahr neuer Zölle auf Exporte in die USA ausgelöst besonders aus dem Vereinigten Königreich, Norwegen und sechs EU‑Staaten. Diese Länder prüfen nun den Einsatz des EU‑Anti‑Coercion‑Instruments. Dieses Instrument soll die Mitgliedstaaten vor wirtschaftlicher Erpressung durch Drittländer schützen und einen Rahmen für mögliche Gegenmaßnahmen bereitstellen.
Unter wirtschaftlicher Erpressung versteht man, wenn ein Staat versucht, die Europäische Union durch die Anwendung oder Androhung von Maßnahmen, die den Handel oder die Investitionen beeinflussen, zu einem bestimmten Handeln zu zwingen.
Im Falle Grönlands gibt es Berichte, wonach das Europäische Parlament das im Juli letzten Jahres zwischen Präsident Trump und der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, geschlossene Handelsabkommen nun nicht ratifizieren wird.
Obwohl bislang nur sechs EU‑Staaten ins Visier genommen werden, hat Europa einheitlich und entschlossen reagiert. Der effektive Zollsatz für europäische Waren, die in die USA exportiert werden, liegt bei etwa 7 % (bedingt durch zahlreiche Ausnahmeregelungen). Präsident Trump droht jedoch mit einem zusätzlichen Zöll von 10 % und bis zu 25% im Juni, falls seine Forderungen nicht erfüllt werden. Es bleibt unklar, ob er seine Druckpolitik konsequent fortsetzen oder letzten Endes nachgeben wird.
Präsident Trump wird diese Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine Rede halten. Für Donnerstag, den 21. Januar, ist ein Sondergipfel der EU‑Staats- und Regierungschefs zu den transatlantischen Beziehungen angesetzt.
Konjunkturdaten: Nicht viel zu berichten
In den USA ist die aktuelle Inflationslage für das Jahr 2025 (Gesamtinflation 2,7 %, Kerninflation 2,6 %) vermutlich durch den Regierungsstillstand verzerrt worden (siehe Diagramm 1). Die Preisermittlungen fanden später als üblich statt und liegen zudem ungewöhnlich nahe am Black‑Friday. Damit hätte im Dezember ein Aufprall der Inflation zu erwarten sein sollen. Der Effekt, ist jedoch noch nicht in den bisher veröffentlichten Daten zu erkennen.

Das im Januar erscheinende Beige Book, das anekdotische Informationen zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Federal‑Reserve‑Bezirken zusammenfasst, weist darauf hin, dass „Kostenbelastungen durch Zölle waren in allen Bezirken ein durchgängiges Thema, da die Befragten begannen, diese an die Kunden weiterzugeben, sobald die Vorzoll‑Bestände erschöpft waren oder der Druck zur Wahrung der Margen zunahm.“
Diese Botschaft stimmt nicht mit den jüngsten Verbraucherpreisindizes überein, die nicht auf eine Verfestigung der Inflation hindeuten.
Die Einzelhandelsumsätze in den USA überraschten im November mit einem Plus von 0,6 % gegenüber dem Vormonat und bestätigten damit ein widerstandsfähiges Konsumverhalten trotz schwacher Verbrauchervertrauenswerte und einer Abschwächung des Arbeitsmarktes. Dies lässt darauf schließen, dass die Robustheit des privaten Konsums, die im dritten Quartal mit einer annualisierten Wachstumsrate von 3,5 % beobachtet wurde, auch ins vierte Quartal übergegangen ist.
In China erreichte das BIP-Wachstum das offiziell für das Jahr 2025 ausgegebene 5%-Ziel. Am Jahresende ließ die Dynamik nach; das Wachstum betrug im 4. Quartal 4,5 % gegenüber 4,8 % im 3. Quartal.
Der Einzelhandelsumsatz blieb zum Jahresende schwach: Er fiel um 0,1 % gegenüber dem Vormonat (nach einem Rückgang von 0,4 % im November) und wuchs gegenüber dem Vorjahr lediglich um 0,9 % – das niedrigste Niveau seit Dezember 2022. Eine starke Außennachfrage stützte die Industrieproduktion, während die Investitionen im Dezember deutlich schrumpften.
In der Eurozone stieg die Industrieproduktion im November um 0,7 % gegenüber dem Vormonat. Damit lag sie über dem, was man nach dem leichten Rückgang der Geschäftsumfragen am Jahresende hätte erwarten können (siehe Diagramm 2).

Im Dezember verschlechterte sich das Ifo‑Geschäftsklima in Deutschland auf den niedrigsten Wert seit Mai letzten Jahres; die Unternehmen wurden dabei für die erste Hälfte des Jahres 2026 deutlich pessimistischer. Die ZEW‑Stimmungsumfrage unter Finanzanalysten hingegen zeigte ein positiveres Bild und spiegelte die Hoffnungen auf einen „neuen Aufschwung“ durch die expansive Fiskalpolitik Deutschlands wider. Im Januar sprang der Index auf 59,6 Punkte.