Wöchentliches Markt-Update - Verzögerung der Zinssenkungen durch eine weltweite Erholung der Industrieproduktion möglich?

Die Neueinschätzung der Aussichten für die US-Zinssätze durch die Finanzmärkte hat zwei Gründe: Das die Erwartungen übersteigende Wirtschaftswachstum in den USA und eine weltweite Erholung der Industrieproduktion. Trotz der wirtschaftlichen Schwäche Europas sind auf der ganzen Welt „grüne Triebe“ erkennbar.   

Damit stellen sich zwei wichtige Fragen:  

  • Was treibt die Erholung der Industrieproduktion an?
  • Wird sie die Zentralbanken von Zinssenkungen abhalten? Könnte sich die US-Notenbank sogar zu Zinserhöhungen veranlasst sehen?  

Der derzeitige Aufschwung in der Industrieproduktion könnte die Wachstumsaussichten verbessern und Auswirkungen auf die Geldpolitik der kommenden Monate haben.

Was treibt die Erholung an?

Die globale Industrieproduktion, annähernd dargestellt durch den gewichteten Durchschnitt der Einkaufsmanagerindizes (EMI) von China, den USA und der Eurozone, war seit Ende 2023 auf einem Tiefstand. Der EMI der Eurozone überraschte die Märkte mit einem Anstieg auf 50,3 im März – dem ersten Wert über 50 (ein Hinweis auf Expansion) in neun Monaten.

Der Wiederaufschwung der Industrieproduktion hat drei Hauptursachen:  

  • Die US-Wirtschaft hat sich trotz 15 Monaten der geldpolitischen Straffung gut behauptet. Der robuste Arbeitsmarkt und die widerstandsfähige Verbrauchernachfrage haben die Produktion angekurbelt.
  • Die chinesische Wirtschaft hat endlich auf die jüngsten aggressiven wirtschaftspolitischen Maßnahmen Pekings reagiert, wobei die Zunahme des Stromverbrauchs (ein genauerer Indikator für die Wirtschaftstätigkeit) sich schneller erhöhte als die offizielle BIP-Wachstumsrate (siehe Diagramm 2).
  • Die von den USA angeführte Rückverlagerung aus und die Risikoreduzierung gegenüber China haben der industriellen Aktivität in vielen westlichen Volkswirtschaften einen Schub verliehen. Um diesem Trend und den Handelsbeschränkungen unter Führung der USA entgegenzuwirken, hat China seine Produktionskapazitäten in andere Länder verlagert, insbesondere in ASEAN-Staaten, wodurch die Produktion dort anstieg.  

Bedeutung für die Geldpolitik der Fed

Die anhaltende Stärke der US-Wirtschaft und die Erholung der Industrieproduktion veranlassen die Finanzmärkte zu einer Neueinschätzung des geldpolitischen Kurses der USA, und dies zusätzlich zu den jüngsten Anzeichen für eine hartnäckige Inflation. Gerechnet wird nicht mehr mit sechs Zinssenkungen in diesem Jahr, sondern nur noch mit drei, wenn nicht weniger. Und die erste Zinssenkung wird nicht mehr für Juni erwartet, sondern könnte jetzt erst im September kommen. Einige Beobachter sprechen sogar von einem erneuten Anziehen der geldpolitischen Zügel durch die Fed.

Aufgrund ihres Doppelmandats ist die Fed verpflichtet, die Preise stabil und Beschäftigung auf maximalem Niveau zu halten. Diese beiden Ziele stehen häufig im Widerspruch zueinander, so dass die Finanzmärkte über den künftigen geldpolitischen Kurs und ihre Auswirkungen auf die Preise von Vermögenswerten im Unklaren sind.

Sicher scheint derzeit Folgendes: Die Fed will die Risiken unter Kontrolle halten und tendiert zum Aufschieben der Zinssenkungen, vorausgesetzt, die Wirtschaft bleibt robust (wichtig: die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft ist im März um weitere 303 000 gestiegen), selbst wenn die Inflation weiter sinken dürfte (obwohl die Gesamt- und Kerninflation der Verbraucherpreise im März bei 3,5 % im Jahresvergleich bzw. 3,8 % verharrte).

Anderswo kommen die Zinssenkungen

Für andere Zentralbanken stellt sich die Lage anders dar. Die Schweizerische Nationalbank hat kürzlich die Zinsen gesenkt, da die Inflation in der Schweiz im März auf 1 % gesunken war.

Den Erwartungen zufolge wird die Bank of Canada bald nachziehen, da die Kerninflation ohne Hypothekenzinsen (die in letzter Zeit stark angestiegen sind) effektiv auf unter 2 % gefallen ist und die Wirtschaft nach Angaben der Zentralbank mit einem Überangebot arbeitet.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Europäische Zentralbank vor der Fed ihre Zinsen senkt, denn die Inflation in der Eurozone hat sich schneller auf ihr 2,0%-Ziel hinbewegt als in den USA und die Wachstumsdynamik ist schwächer. In ihrer letzten Verlautbarung vom 11. April deutete der EZB-Rat an, dass eine erste Zinssenkung bald erfolgen könnte. Der Markt erwartet diesen Schritt auf der geldpolitischen Sitzung im Juni.

Im Großen und Ganzen sind wir überzeugt, dass das Zinssenkungsszenario nach wie vor intakt ist, aber es wird nun davon ausgegangen, dass die Fed aufgrund der unterschiedlichen Wachstums- und Inflationsszenarien diesen Schritt erst nach anderen Zentralbanken vollziehen wird. Bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen bedeutet dies, dass der Dollar bis zum Beginn der Zinssenkungen durch die Fed weiterhin gut gestützt bleiben könnte.

Die relativ lockere Geldpolitik der EZB ist nach Meinung unseres Multi-Asset-Anlageteams ein gutes Vorzeichen für die Anleihen der Eurozone. Die Kombination aus weltweiter Erholung der Industrieproduktion, robuster US-Wirtschaft und wiederbelebtem Wachstum in China und Japan lässt vermuten, dass sich die Aussichten für Aktien über kurzfristige Prognosen hinaus verbessern.

Nicht so in der APAC-Region

Die asiatischen Zentralbanken werden allerdings die Zinsen kaum vor der Fed senken, denn die Region ist von der US-Dollar-Liquidität abhängig. Wenn die Fed sich zurückhält, werden die asiatischen Zentralbanken wahrscheinlich das Gleiche tun. Die Realzinsen werden somit hoch bleiben (siehe Diagramm 3) und könnten ein Abwärtsrisiko für das Wachstum und die Finanzmärkte der Region bedeuten.

Daher sind die Aussichten für die Region unserer Meinung nach eher trübe.

Bei einem robusten BIP- und Beschäftigungswachstum in den USA mit einer besseren angebotsseitigen Dynamik aufgrund eines höheren Arbeitskräfteangebots (durch Zuwanderung) und einer höheren Produktivität könnte die Region von einer stärkeren US-Exportnachfrage und deren Auswirkungen auf die Investitionen profitieren. Dies könnte die Belastung des regionalen Wachstums durch für längere Zeit höhere Zinsen in den USA teilweise ausgleichen.

Wenn die Inflation aufgrund von Angebotsengpässen allerdings steigt, könnte sich diese Einschätzung ändern.

Wichtige Hinweise

Marketing-Kommunikation. Nur für professionelle Investoren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Hinweis auf die aktuelle oder zukünftige Wertentwicklung. Sofern nicht anders angegeben, wird die Wertentwicklung nach Abzug von Gebühren berechnet. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Dieses Dokument stellt keine Anlageberatung dar. Anlagen unterliegen Marktschwankungen und den mit Anlagen in Wertpapieren verbundenen Risiken. Der Wert von Anlagen und ihre Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihren ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht vollständig zurück. Es ist nicht garantiert, dass der Fonds sein Performanceziel erreicht. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Eine vollständige Beschreibung und Definition der Risiken sind dem letzten verfügbaren Verkaufsprospekt und dem KID des Fonds zu entnehmen. Anleger, die eine Zeichnung eines Fonds in Erwägung ziehen, sollten den aktuellen Verkaufsprospekt und das KID, die auf unserer Website kostenlos vorliegen, sorgfältig durchlesen.

Back to Top