Donald Trump hat am „Liberation Day“ seine Zölle wie angekündigt umgesetzt. Das Weiße Haus hat seine Maßnahmen nicht in letzter Sekunde zurückgezogen und die „Gegenzölle“ traten in Washington um Mitternacht am 9. April in Kraft.
Artikel anhören
Einige Mitarbeiter des Weißen Hauses hatten zuvor am Markt die Hoffnungen geschürt, dass Präsident Trump seine Haltung etwas lockern würde. Sie preisten die Möglichkeit von Handelsgesprächen mit Südkorea, Japan und anderen Ländern an.
Trump zeigte sich am Dienstagabend hingegen herausfordernd und sagte, dass andere Länder „mit uns einen Deal machen wollen“, die USA jedoch nicht „unbedingt“ irgendwelche Vereinbarungen brauche und „mit dem Status quo zufrieden“ sei.
Die Zölle auf US-Importe stellen eine umfassende Kehrtwende von jahrzehntelanger Liberalisierung der Wirtschaft und werden, falls sie beibehalten werden, wahrscheinlich zu einer vollständigen Neugestaltung der weltweiten Handelsmuster führen.
Auswirkungen der Zölle
Zu den Zöllen zählen Steuern in Höhe von 104 % auf China, was bedeutet, dass chinesische Exporte in die USA, die einen erheblichen Teil des chinesischen BIP ausmachen, weitgehend eliminiert werden.Die Höhe der Zölle scheint für Exporteure und Verbraucher zu groß zu sein, um es in Kauf zu nehmen, und wird wahrscheinlich nur schwer durch die Abwertung der Währung vollständig kompensiert werden können. China reagierte am 9. April mit der Ankündigung zusätzlicher Zölle auf Importe aus den USA in Höhe von insgesamt 84 %, die innerhalb weniger Stunden umgesetzt wurden.
Dem Kiel Institut für Weltwirtschaft zufolge könnten die US-Zölle für nahezu alle Lander schwerwiegende negative wirtschaftliche Folgen haben – vor allem für die USA selbst.
Andere Länder werden weitaus weniger betroffen sein, wobei die Europäische Union (EU) im Vergleich dazu nur moderat betroffen ist. Den Simulationen des Kiel Instituts zufolge könnten die vorgeschlagenen Zölle die Wirtschaftsleistung der USA innerhalb eines Jahres um nahezu 1,7 % schmälern, die Preise um mehr als 7 % steigen lassen und zu einem Rückgang der Exporte von nahezu 20 % führen.
Sollten die betroffenen Länder darauf mit Gegenmaßnahmen antworten, würden die Preiseffekte in den USA wahrscheinlich etwas geringer ausfallen, der Rückgang der Exporte jedoch noch umfassender. Dies bedeutet, dass die wirtschaftlichen Folgen für die USA weitaus dramatischer ausfallen würden als für nahezu jedes andere Land.
Die EU kann mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von knapp über 0,2 % rechnen. Die Weltwirtschaftsleistung würde wahrscheinlich um rund 0,8 % nachgeben. Die EU-Exporte werden den Prognosen zufolge um etwa 0,6 % nachlassen. Das globale Handelsvolumen könnte um nahezu 6 % einsacken.
Steigende Renditen von US-Treasuries
Die Renditen 10-jähriger US-Treasuries sind in den vergangenen zwei Tagen stark angestiegen. Momentan gibt es dafür keine eindeutige Erklärung. Der Grund hierfür könnte die Reduzierung der durch Kreditaufnahme finanzierten Anlegerpositionen oder eine weitgehende Flucht in Barmittel, um sich vor der Marktvolatilität zu schützen, sein.
Die Stimmung wurde am Dienstag nicht verbessert, nachdem eine Auktion des US-Finanzministeriums für 3-jährige T-Notes am 8. April eine enttäuschende Nachfrage von Anlegern hervorgerufen hatte. Der Anleihenmarkt wird nun die anderen Auktionen in dieser Woche genau verfolgen, darunter 10-jährige T-Notes im Wert von 39 Mrd. $ am Mittwoch und 30-jährige Anleihen im Wert von 22 Mrd. $ am Donnerstag.
Der Aufwärtsdruck auf die Renditen von US-Anleihen am langen Ende der Kurve könnte auf die zunehmenden Sorgen am Markt in Bezug auf die Auslandsnachfrage nach US-Treasuries zurückzuführen sein. Die US-Handelspartner legen ihre Erlöse für gewöhnlich wieder in US-Treasuries an, da die neuen Zölle dem Handel jedoch effektiv ein Ende versetzen, könnte dies nicht mehr so ablaufen.

Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank erwartet
Das Mitglied des EZB-Rats Joachim Nagel beschrieb die Zölle als „schweren Schock für die Wirtschaftslage“ und hob dabei ihre negativen Folgen für das Wachstum hervor. Er gab an, dass die Wachstumsaussichten sich „drastisch verschlechtert“ haben und verwies auf eine potenzielle Verlagerung der Basisanalyse der EZB.
Wir erwarten, dass die EZB ihren Leitzins bei ihrer geldpolitischen Sitzung am 17. April um 25 Basispunkte auf 2,25 % senken wird. Da für das Wachstum nun vermehrte Abwärtsrisiken bestehen, haben die jüngsten Aussagen der politischen Entscheidungsträger darauf hingewiesen, dass die Basis für eine Zinssenkung nun niedriger als zuvor erwartet ist.
Unter diesen Umständen ist unser makroökonomisches Team der Ansicht, dass die EZB ihren Leitzins auf eine Spanne von 1-1,5 % senken könnte, wenn die Inflation in den kommenden Monaten wie erwartet nachgeben sollte. Wir sind in den Staatsanleihen in Erwartung eines schwächeren Wachstums der Kernländer der Eurozone und einer schwächeren Inflation weiterhin übergewichtet.

Europa – Reaktion auf die verkündeten US-Zölle
Am Mittwoch werden die EU-Mitgliedstaaten über die Liste der Gegenmaßnahmen als Reaktion auf die Zölle auf Stahl und Aluminium abstimmen, die die USA am 12. März verkündet hatten. Diese Gegenzölle sind weitgehend symbolisch, da sie auf hochrangige Waren abzielen und ihr Umfang auf wirtschaftlicher Ebene wahrscheinlich nicht erheblich ausfallen wird. Die EU wird wahrscheinlich versuchen, die negativen wirtschaftlichen Folgen ihrer Antwort einzuschränken.
Eine Möglichkeit könnten Maßnahmen ohne Vergeltung sein, die sowohl den Handel von den USA weg diversifizieren und die EU weniger von der externen Nachfrage abhängig machen würden. Da wahrscheinlich kein einziges Instrument die Auswirkungen der US-Zölle vollständig kompensieren kann, könnte ein gut durchdachter Mix sowohl die direkten als auch die indirekten Folgen erheblich abmildern.
Portfoliopositionierung
Unsere Aktienportfoliomanagement Teams verringern weiterhin das Risiko, indem sie einem Wachstums- und/oder Zollschock gegenüber sensiblen Positionen reduzieren.
Wo es angebracht war, wurde bei Aktienportfolios Kapital in Unternehmen mit starken Bilanzen, minimalem Zollrisiko, inländischen Produktions- und Lieferketten und soliden Umsatzrückständen umgeschichtet, da sowohl ihre Umsatz- als auch ihre Ertragstransparenz berücksichtigt wurde.
In den Aktienportfolios bevorzugen wir nun Large Caps mit einem sogenannten langen Zyklusengagement.
In den Multi-Asset-Portfolios fällt unser Aktienengagement gegenüber den Benchmarks weitgehend nach wie vor neutral aus. Wir sind in Gold weiterhin übergewichtet und warten auf mehr Klarheit über die US-Politik, bevor wir unsere Risikopositionen in festverzinslichen Anlagen aufstocken.
Unser Team für festverzinsliche Anlagen erwartet, dass die US Federal Reserve (Fed) zunächst eine geldpolitische Pause einlegen wird, um die konkurrierenden Risiken der höheren Inflation und des schwächeren Wachstums zu steuern. Letztendlich dürften die Anleihenrenditen unserer Meinung nach sinken, da die negativen Auswirkungen auf das US-Wachstum ersichtlich werden.
Wenn die Zölle aufrechterhalten werden, würden wir erwarten, dass die Folgen für Wachstum und Beschäftigung spätestens im September deutlich werden. Dies würde die Fed dazu veranlassen, die Leitzinsen wieder zu senken.
Wir positionieren Staatsanleihenportfolios so aus, dass sie in Erwartung eines Zinssenkungszyklus der Fed ab September und bis 2026 mit einer Laufzeit von fünf bis sieben Jahren übergewichtet sind.