Seit der Einigung zwischen den USA und China am 12. Mai, die gegenseitigen Zölle zu senken und neue Verhandlungen aufzunehmen, haben sich Risikoanlagen spürbar erholt. Allerdings wird wohl die Aussicht auf niedrigere Zölle das sich verlangsamende Wachstum und die steigende Inflation in den USA für den Rest des Jahres 2025 nicht dämpfen können.
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Die Deeskalation des Handelskriegs zwischen China und den USA löste eine Erholungsrally bei Risikoanlagen aus. Die bilateralen Zölle wurden von über 100 % auf 30 % für US-Importe aus China und auf 10 % für chinesische Importe aus den USA gesenkt. Sogar auf diesem revidierten Niveau kommen die Zölle einer erheblichen Steuererhöhung für die Verbraucher in den USA gleich.
Die Zollsenkungen sind zunächst auf 90 Tage befristet, um beiden Seiten handelspolitische Verhandlungen auf breiterer Basis zu ermöglichen.
Nachdem dies bekannt wurde, legten die Bewertungen von US-Aktien zu. Der S&P 500 Index hat nun die Tiefstände von Anfang April vollständig überwunden und sämtliche Verluste, die nach den Zollankündigungen des „Liberation Day“ vom 2. April entstanden waren, wieder wettgemacht. Die Risikoprämien für amerikanische und europäische Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen sind auf ein historisch niedriges Niveau zurückgegangen.
Investoren am US-Treasury-Markt haben infolge der Nachrichten die Anzahl erwarteter Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed) im Verlauf des Jahres 2025 reduziert. Dies spiegelt die Einschätzung des Marktes wider, dass das Risiko einer Rezession in den USA im Jahr 2025 deutlich unter 50 % gesunken ist.
Zölle: Weiterhin ein Belastungsfaktor für Wachstum und Inflation
Dem Budget Lab der Universität Yale zufolge sind die Verbraucher in den USA immer noch mit einem durchschnittlichen effektiven Importzollsatz von 17,8 % konfrontiert, dem höchsten Stand seit 1934. Mit diesem Niveau sind die Zölle hoch genug, um die Unternehmensgewinne erheblich zu beeinträchtigen. Die Aktienmärkte preisen derartige Auswirkungen bisher noch nicht ein.
Wir gehen für dieses Jahr zwar nicht von einer Rezession in den USA aus, aber das US-Wachstum dürfte im zweiten Halbjahr rückläufig werden, da die Zölle das (inflationsbereinigte) Realeinkommen der Verbraucher vermindern, während die allgemeine Unsicherheit und Lieferkettenprobleme die Unternehmensinvestitionen belasten könnte.
Die Kerninflation in den USA wird voraussichtlich steigen, da die Handelsproblematik die Güterinflation erheblich antreibt, wobei die Kerninflation der persönlichen Konsumausgaben (PCE) bis zum Jahresende auf etwa 3,5 bis 4 % steigen könnte, während die Arbeitslosenquote ebenfalls steigen dürfte.
Dies würde auf ein mild stagflationäres Umfeld hinauslaufen. Wir nehmen an, dass die Fed aufgrund ihres Doppelmandats (mit Fokus auf Inflation und Beschäftigung) im Falle eines solchen Szenarios die Zinsen weiter senken könnte, wenn es klare Anzeichen für eine Verschlechterung auf dem US-Arbeitsmarkt geben sollte.
Noch zu früh, um Auswirkungen der Zölle in den Daten zu erkennen
Einerseits geht aus den Stimmungsumfragen in den USA hervor, dass bei Verbrauchern und Unternehmen große Besorgnis und die Erwartung erheblicher negativer Folgen der Regierungszölle herrscht. Andererseits deuten die jüngsten Daten zur US-Wirtschaft auf ein Andauern der Widerstandsfähigkeit hin.
Die am 13. Mai veröffentlichten Daten zur Kerninflation der Verbraucherpreise in den USA fielen im April etwas schwächer als erwartet aus und stiegen gegenüber dem Vormonat um 0,2 %. Hinweise auf Zollauswirkungen waren gering, wobei die Güterinflation leicht zurückging, da sowohl Gebrauchtwagen- als auch Bekleidungpreise sanken.
Allerdings haben die Äußerungen des US-Einzelhandelsriesen Walmart in Zusammenhang mit seinen Quartalszahlen signalisiert, dass mit steigendem Preisdruck bei Gütern in den kommenden Monaten zu rechnen ist.
Die Investoren werden den neuesten US-Arbeitsmarktbericht, der am 6. Juni veröffentlicht wird, abwarten, um die Lage präziser einschätzen zu können. Am 18. Juni tritt der für die Zinsfestsetzung zuständige Offenmarktausschuss der Fed zusammen.
Wir gehen davon aus, dass es bei diesem Treffen keine Zinssenkungen geben wird– es sei denn, es zeigen sich deutliche Schwächen am Arbeitsmarkt. Wahrscheinlich werden die geldpolitischen Entscheider der Fed bis Ende des Sommers abwarten, wenn mehr Klarheit über den Zustand der Wirtschaft und die inflationären Auswirkungen der Zölle besteht.
Der US-Dollar stabilisiert sich
Die Ereignisse seit Jahresbeginn haben unter Investoren Fragen zur These der wirtschaftlichen Ausnahmestellung der USA sowie zu einer möglichen stärkeren Diversifizierung von Investitionen außerhalb der USA aufgeworfen.
Auch wenn die anfängliche Euphorie nach der Wahl nun verflogen ist, bleibt der US-Dollar weiterhin auf historisch relativ hohen Ständen (siehe Diagramm 1). Aufgrund fehlender glaubwürdiger Alternativen scheint es wenig Anlass zu geben, das „exorbitante Privileg“ des US-Dollars als wichtigste internationale Reservewährung in Frage zu stellen.

Schwächerer Wachstumsausblick für Europa
Die Europäische Kommission hat ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2025 in der Eurozone gesenkt. Die Exekutive der Europäischen Union geht für dieses Jahr nun von einem Wirtschaftswachstum von 0,9 % aus – eine Abwärtsrevision gegenüber einer früheren Schätzung von 1,3 % aus dem November.
Die Kommission senkte auch ihre BIP-Prognose für 2026 von 1,6 % auf 1,4 %. Zu diesen Revisionen kam es nach der Ankündigung von „reziproken“ US-Zölle in Höhe von 20 % auf die meisten EU-Importe.
Die Zölle wurden am 9. April für 90 Tage auf 10 % herabgesetzt, um beiden Seiten Gelegenheit zu Verhandlungen zu geben. Die Zölle von 25 % auf Stahl, Aluminium und Autos aus der EU bleiben jedoch weiterhin bestehen.
Bei ihrer jüngsten Prognose ging die Kommission davon aus, dass die „reziproken“ Zölle auf die meisten EU-Produkte am Ende 10 % betragen, wohingegen die sektorspezifischen Zölle bei 25 % verbleiben dürften. Bisher haben die laufenden Verhandlungen jedoch noch keine Ergebnisse gezeigt. Daher räumt die Kommission ein, dass eine weitere Eskalation der Handelsspannungen das BIP belasten könnte.
Wir gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen weiter senken wird – auf ein Nivea unterhalb des neutralen Zinssatzes von 2 %.
Bis jetzt hat die EZB ihren Leitzins seit Juni 2024 sieben Mal gesenkt, von 4 % auf 2,25 %. Wir rechnen mit einer weiteren Leitzinssenkung von 25 Bp bei der nächsten geldpolitischen Sitzung der EZB am 5. Juni.