Wöchentliches Markt-Update – Handelspolitische Turbulenzen lassen Märkte unberührt

Da zahlreiche neue Pausen, Rückschläge und Verlängerungen in Bezug auf die Handelspolitik der USA verkündet wurden, ist es mittlerweile ziemlich unwahrscheinlich, dass das Ende der 90-tägigen Pause der US-Zölle am 9. Juli ein endgültiges Ergebnis liefern wird.

Artikel anhören

Die Turbulenzen ließen die Aktien- und Anleihenmärkte unberührt. Dies ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass sie nunmehr versuchen, die wirtschaftlichen Auswirkungen der US-Zölle zu ermitteln, anstatt die Verhandlungstaktiken der Regierung zu verstehen.

Die Märkte scheinen zu erwarten, dass Rahmenvereinbarungen für den Handel geschlossen und/oder die Fristen verlängert werden, um im Rahmen der Verhandlungen letztlich die aktuellen Zölle in Höhe von 10 % sowie die sektorspezifischen Abgaben beizubehalten. Somit würden die höheren Zölle, die US-Präsident Donald Trump am 2. April, seinem sogenannten „Liberation Day“, verkündet hatte, vermieden.

Wenn sie damit recht haben sollten, werden die Märkte eher auf Anzeichen der wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Zölle, insbesondere die Daten zur US-Inflation, reagieren als auf weitere Ankündigungen zur Handelspolitik.

Da die Verhandlungstaktiken von Präsident Trump nur schwer einschätzbar sind, könnten die Risiken eher auf einen schlimmeren Ausgang als erwarteten hinweisen, da das Hauptrisiko eine Wiederauflegung erheblicher „Gegenzölle“ vonseiten der USA ist. Die Märkte werden höchst wahrscheinlich sehen wollen, dass diese Maßnahmen auch im Laufe der Zeit beibehalten werden, bevor sie umfassend reagieren.

Bislang keine Auswirkungen auf den US-Arbeitsmarkt

Der US-Arbeitsmarktbericht ohne Landwirtschaft für den Juni zeigte einen überraschend starken US-Arbeitsmarkt, denn im Juni wurden 147.000 neue Stellen geschaffen, während die Konsensprognose von rund 106.000 ausgegangen war. Darüber hinaus wurden die Zahlen der Vormonate nach oben korrigiert. Die Arbeitslosenquote gab auf 4,1 % nach, obwohl der Markt mit einem Anstieg auf 4,3 % gerechnet hatte.

Eine Überraschung in dem Bericht war der erhebliche Anstieg der Neueinstellungen in der Regierung (73.000 neue Stellen, die Hälfte der Gesamtsumme). In den vergangenen drei Monaten betrugen die Neueinstellungen im privaten Sektor im Durchschnitt 115.000, was nur knapp unter dem Durchschnitt der letzten 12 Monate von 122.000 liegt.

Diese beruhigenden Beschäftigungsdaten führten dazu, dass die Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung durch die Federal Reserve bei ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 29.-30. Juli auf etwa 5 % senkten. Da im August keine geldpolitische Sitzung ansteht, wird die Fed über den Sommer die Auswirkungen der Zölle auf die US-Wirtschaft weiter beurteilen können.

Desinflation in Europa im Anmarsch

Die wichtigsten Daten, die in der Eurozone veröffentlicht wurden, waren die harmonisierten Verbraucherpreisindizes (HVPI) am 1. Juli. Wie erwartet stieg die Gesamtinflation leicht auf 2 %. Die Kerninflation wiederum lag unverändert bei 2,3 %. Insgesamt fielen die Daten weitgehend wie erwartet aus.

Bei ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung senkte die Europäische Zentralbank ihre Prognosen für die Gesamtinflation im Jahr 2026 von 1,9 % auf 1,6 %, womit sie unter ihrem Ziel von 2 % liegen würde.

Im vergangenen Monat haben die desinflationären Kräfte zugenommen, die sich auf die Wirtschaft der Eurozone auswirken.  Hierzu zählt der Anstieg der Importe aus China, ein Zeichen für die Überkapazitäten in dem Land. Es bestehen Sorgen, dass der Deflationsdruck sich in der chinesischen Industrie verbreiten könnte.

Chinas Präsident Xi Jinping warnte letzte Woche vor einem „ungeordneten“ Preiswettbewerb und die Medien der Regierung sowie der Kommunistischen Partei äußerten sich vermehrt gegen die sogenannte „Involution“ oder einen zerstörerischen Preiskrieg. Da der Zugang zum US-Markt durch die Zölle auf Exporte aus China zunehmend eingeschränkt wird, könnte Europa selbst mit einer Reihe günstiger Waren aus China konfrontiert sein, was die Preise senken würde. All dies würde die Stärke des Euro noch verschärfen.

US-Dollar: Unsere Währung, Ihr Problem

Der US-Dollar entwickelte sich im ersten Halbjahr 2025 schwach. Das Hin und Her bei Donald Trumps Zollkrieg, die Sorgen der Anleger in Bezug auf die erheblichen Finanzierungsbedürfnisse der US-Regierung und die Beunruhigung rund um die anhaltende Unabhängigkeit der Federal Reserve haben zunehmend dazu geführt, dass ausländische Anleger ihr Engagement in US-Dollar absichern, was zu seiner Abwertung gegenüber anderen Währungen beiträgt.

Hat sich der Euro zu stark aufgewertet?

Der Euro hat sich bislang im Jahr 2025 gegenüber dem US-Dollar um etwa 14 % aufgewertet und dabei sein höchstes Niveau seit nahezu vier Jahren erreicht.

 Bei der dreitägigen Jahreskonferenz der EZB in Sintra, Portugal, letzte Woche sprach der EZB-Vizepräsident Luis de Guindos darüber, „jeglichen zu hohen“ Wechselkurs des Euro „vermeiden zu müssen“. Er sagte, dass die EZB über den aktuellen Wechselkurs von rund 1,18 USD hinwegsehen könne, dies sei jedoch bei Niveaus von über 1,20 USD „weitaus schwieriger“.

Die Stärke des Euro hat zur Folge, dass die Importe günstiger werden, während gleichzeitig die Preise der Exporte aus der Eurozone teurer werden. Diese Dynamik könnte potenziell erhebliche desinflationäre Folgen für die Wirtschaft der Eurozone haben, sogar mehr als die Auswirkungen der Handelsdiskussionen. 

Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte im Juni, dass die Zentralbank den jüngsten geldpolitischen Zyklus „nahezu beendet“ habe, in dem die Leitzinsen von ihrem Höhestand von 4 % im Juni 2024 auf 2 % gesunken sind. Bei der geldpolitischen Sitzung am 24. Juli, bevor die EZB im August eine Sommerpause einlegt, wird keine Zinssenkung erwartet.

Wir gehen davon aus, dass die EZB ihre Zinsen dieses Jahr weiter senken wird, um den desinflationären Kräften entgegenzuwirken.

Wichtige Hinweise

Marketing-Kommunikation. Nur für professionelle Investoren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Hinweis auf die aktuelle oder zukünftige Wertentwicklung. Sofern nicht anders angegeben, wird die Wertentwicklung nach Abzug von Gebühren berechnet. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Dieses Dokument stellt keine Anlageberatung dar. Anlagen unterliegen Marktschwankungen und den mit Anlagen in Wertpapieren verbundenen Risiken. Der Wert von Anlagen und ihre Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihren ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht vollständig zurück. Es ist nicht garantiert, dass der Fonds sein Performanceziel erreicht. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Eine vollständige Beschreibung und Definition der Risiken sind dem letzten verfügbaren Verkaufsprospekt und dem KID des Fonds zu entnehmen. Anleger, die eine Zeichnung eines Fonds in Erwägung ziehen, sollten den aktuellen Verkaufsprospekt und das KID, die auf unserer Website kostenlos vorliegen, sorgfältig durchlesen.

Back to Top