Wöchentliches Markt-Update – Geldpolitische Entscheidungen der Zentralbanken der G3-Länder und des chinesischen Politbüros

Diese Woche feiern die Zentralbanken ihr Sommerfest: Innerhalb von fünf Tagen treffen die G3-Zentralbanken und das chinesische Politbüro ihre geldpolitischen Entscheidungen.

Ist die Federal Reserve jetzt fertig?

Wie erwartet hat der Offenmarktausschuss der US-Notenbank den Leitzins um 25 Basispunkte auf ein Zielband von 5,25 % bis 5,50 % angehoben und damit ein 22-Jahres-Hoch erreicht.

Die jüngste Anhebung erfolgte nach einer kurzen Pause in der Reihe der Zinserhöhungen bei der vorhergehenden FOMC-Sitzung im Juni. Damals hatte der Fed-Vorsitzende Jay Powell gesagt, dass die Zentralbank einen graduelleren Ansatz verfolgen würde, um die monatelange Straffung der Geldpolitik zur Abkühlung der Wirtschaft und zur Eindämmung der Inflation sowie die Auswirkungen der regionalen Bankenkrise zu Beginn dieses Jahres zu berücksichtigen.

Die Fed hat den Leitzins in elf Schritten von nahezu Null im März 2022 auf über 5 % angehoben. Somit liegen die Kreditkosten nun nahe an einem Niveau, das die Fed als ‚ausreichend restriktiv’ ansieht, um die Inflation zeitnah auf ihr langjähriges Ziel von 2 % zu senken.

Unser makroökonomisches Forschungsteam ist der Ansicht, dass die jüngste Zinserhöhung das Ende des Konjunkturzyklus markiert. Gleichzeitig erwartet das Team aber auch, dass die Botschaft der Fed so ausfällt, dass eine verfrühte Lockerung der finanziellen Bedingungen vermieden werden kann. Die Zentralbank will sich wahrscheinlich die Flexibilität erhalten, die Geldpolitik weiter zu straffen, falls die Preise nicht so stark nachgeben wie erwartet.

Der US-Arbeitsmarkt wird sich deutlicher abkühlen müssen

Unseres Erachtens bedarf es weiterer Anzeichen für eine Abschwächung des Arbeitsmarktes, um das Risiko neuer Leitzinsanhebungen auszuschließen. Wir halten dies für notwendig, um in die nächste Phase einer nachhaltigen Versteilerung der Renditekurven und einer anhaltenden Aufweichung des US-Dollars überzugehen.

Die Mitglieder des Offenmarktausschusses werden sich in dieser Woche mit den Verzögerungen bei der Geldpolitik und den Kreditbedingungen befasst haben. Die am 31. Juli erscheinende Senior Loan Officer Opinion Survey, von der wir erwarten, dass sie eine weitere Verschärfung der Kreditbedingungen anzeigt, dürfte die Debatte der Fed darüber beeinflussen, ob die bisherigen Zinserhöhungen auf die Wirtschaft durchgeschlagen haben.

Der Fed-Vorsitzende Powell stellte eine weitere Straffung in Aussicht, selbst wenn der Leitzins nahe an einem ausreichend restriktiven Niveau liegt. Die Zentralbank werde jedoch ‚von Sitzung zu Sitzung’ entscheiden, ob sie die Zinssätze weiter anhebt. Dies hänge davon ab , wie sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten entwickelt, ‚mit besonderem Augenmerk auf Fortschritte bei der Inflation’.

Kurz nach der Entscheidung der Fed entwickelten sich die Märkte uneinheitlich. Der breit gefasste S&P 500-Index schloss etwa unverändert, verzeichnete aber dennoch seine längste Gewinnserie seit 1987, während der technologielastige NASDAQ leicht nachgab. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen fiel – sie gilt als Benchmark.

Beendet auch die EZB ihre Zinserhöhungen?

Die EZB hat wie erwartet ebenfalls eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte vorgenommen. Auch sie hält an ihrer restriktiven Haltung fest und erklärt, dass die Inflation voraussichtlich noch ‚über einen längeren Zeitraum’ zu hoch sein wird und dass sie entschlossen ist, dafür zu sorgen, dass die Inflation ‚zeitnah’ auf ihr mittelfristiges Ziel von 2 % zurückkehrt.

Wie die US-Notenbank sprach auch die EZB von der Notwendigkeit ‚ausreichend restriktiver Leitzinsen’ und betonte, dass sie ihre Zinsentscheidungen von ihrer Einschätzung des Inflationsausblicks, der Wirtschafts- und Finanzdaten sowie der Stärke der geldpolitischen Transmission abhängig machen werde. Sie stellte fest, dass sich die Finanzierungsbedingungen weiter verschärft haben und die Nachfrage zunehmend dämpfen, was dazu beitragen dürfte, die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen.

Die EZB-Umfrage über die Kreditvergabe der Banken (BLS) vom Juli deutet tatsächlich darauf hin, dass sich die Straffung der Geldpolitik auf die Realwirtschaft auswirkt. Gemäßigte geldpolitische Entscheidungsträger könnten die Umfrage nutzen, um auf die Gefahr einer übermäßigen Straffung hinzuweisen und die Bedeutung von Verzögerungen bei der Übertragung von Zinserhöhungen auf die Wirtschaft zu betonen.

Wird der Euro der EZB die Hand reichen?

Die BLS-Umfrage allein dürfte jedoch nicht ausreichen, um den Kurs der EZB-Geldpolitik zu ändern – letztlich werden unserer Ansicht nach die realwirtschaftlichen Daten (insbesondere zur Inflation) entscheidend sein.

Die Markterwartungen haben sich deutlich verändert, nachdem Klaas Knot, Mitglied des EZB-Rats, kürzlich erklärte, dass eine weitere Anhebung (nach der in diesem Monat erfolgten) ‚höchstens eine Möglichkeit, aber keinesfalls eine Gewissheit’ sei. Die EZB müsse ‚genau beobachten, was die Daten über die Verteilung der Risiken aussagen’.

Seine Äußerungen trugen dann dazu bei, dass die Rendite der 2-jährigen Bundesanleihe von 3,33 % im Juli auf unter 3 % fiel. Seitdem ist die Rendite etwas gestiegen, aber die Marktstimmung scheint sich geändert zu haben.

Die EZB sieht sich durch die Aufwertung des Euros in diesem Jahr zusätzlichem Druck ausgesetzt, eine restriktivere Haltung einzunehmen. Ein teurerer Euro belastet die europäischen Exporte in einer Zeit, in der die chinesische Währung relativ billig ist und der US-Dollar schwächer wird (siehe Diagramm 1). Es könnte an der Stärke des Euros liegen, dass die EZB jetzt weniger aggressiv klingt.

China – (noch) kein größeres Konjunkturpaket

Nach einer Sitzung des Politbüros der regierenden Kommunistischen Partei am 24. Juli hat China zugesagt, die Konjunkturmaßnahmen zu verstärken, da die Wirtschaft vor ‚neuen’ Schwierigkeiten und einer ‚mühsamen’ Erholung stehe.

Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal und der schwächeren Nachfrage im In- und Ausland wächst der Druck auf die geldpolitischen Entscheidungsträger, den Aufschwung nach COVID zu unterstützen.

Die im Anschluss an die Sitzung abgegebene Erklärung war jedoch nicht bahnbrechend: Die Behörden erkennen die Probleme eindeutig und sind bereit, die Unterstützung weiter zu verstärken, jedoch nicht auf Kosten einer Verschärfung der strukturellen Ungleichgewichte Chinas.

Infolgedessen dürften Sektoren, die der Definition der Regierung für die ‚neue Wirtschaft’ entsprechen, weiterhin von der geldpolitischen Unterstützung profitieren. Was die ‚Old Economy’ betrifft, so ist der Immobiliensektor der einzige Bereich, in dem mit einem energischeren Vorgehen zu rechnen ist, auch wenn die Einzelheiten der Umsetzung und Finanzierung neuer Maßnahmen entscheidend sein werden.

Während der Markt die vom Politbüro beschlossenen Maßnahmen begrüßte, zeigten sich die meisten Beobachter enttäuscht. Das Paket enthielt keine umfangreichen Kredithilfen für Immobilienentwickler, keine Verpflichtung zur Bereitstellung zusätzlicher Steuermittel und keine direkten Maßnahmen zur Ankurbelung des Konsums.

Unseres Erachtens hat der Markt nur deshalb positiv auf die Ankündigung reagiert, weil die Erwartungen nicht hoch waren – er hatte keine größeren Impulse eingepreist.

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