Wöchentliches Investment Update - Die Märkte in einem Meer der Verunsicherung

Bei der ersten geldpolitischen Sitzung der US-Federal Reserve im Jahr 2022 kündigte deren Vorsitzender Jerome Powell an, dass die Zentralbank im März beginnen würde, die Zinsen ausgehend von den während der Krise erreichten Tiefständen zu erhöhen. Unser Team für festverzinsliche Anlagen rechnete damit, dass die Fed die Zinsen schneller und stärker anheben dürfte als von den Märkten erwartet, um den Geist der Inflation zurück in seine Flasche zu bekommen. Die jüngsten Kommentare von Jerome Powell bekräftigten diese Überzeugung.   

Die Märkte mussten dieses Jahr bereits eine Menge Informationen zu den beiden wichtigsten Treibern für Anlagerenditen – Diskontsätze und Cashflows – verarbeiten: Zu den Problemen zählen unter anderem ein immer härterer Kurs der Zentralbanken, – allen voran der US Fed – Unsicherheit hinsichtlich des Ausblicks für Geldpolitik und Wachstum aufgrund von Omikron und eskalierende Spannungen mit Russland bezüglich der Ukraine.

Jetzt stellt sich die Frage, ob es den Märkten weiterhin gelingen wird, die sogenannte „Wall of Worries“ (Mauer der Angst) zu überwinden.

In der zum 21. Januar endenden Woche war die Marktstimmung gemischt, was am Kampf zwischen der Tendenz zum Kauf nach Kursrückgängen (‚buy-on-the-dip‘) und dem Impuls zum Verkauf aus Angst vor steigenden Renditen aufgrund der aggressiven Geldpolitik der Fed zum Ausdruck kam. Der starke Anstieg der US-Realrenditen ist in der Tat der Hauptfaktor für den Einbruch der US-Aktienindizes seit Jahresbeginn, der die Aktienmärkte stark zurückgehen ließ. Der S&P 500 Index verlor bisher im Januar rund 10 % seines Wertes, wobei Wachstumsaktien besonders schwer betroffen waren.

Nichts zeigt besser, wie unruhig die Marktstimmung ist, als der radikale Umschwung der US-Aktienkurse am 24. Januar, als der Dow Jones Industrials Index sich um fast 100 Punkte bzw. 0,3 % verbesserte, nachdem er im früheren Verlauf der Handelssitzung um mehr als 1.100 Punkte zurückgegangen war. Der überwiegend aus Technologiewerten bestehende NASDAQ Composite lag zum Tagesende um 0,6 % höher, nachdem er zunächst etwa 5 % abgeben musste. Diese Volatilität wiederholte sich am 25. Januar mit dem Dow Jones, der einen Großteil seines 819-Punkte-Verlustes bis zum Tagesende wieder wettmachte und letztendlich nur um 68 Punkte zurückging.

Die Fed könnte ihre Zinsen bis zu sieben Mal erhöhen, um ihren Rückstand gegenüber der Zinskurve aufzuholen

Unmittelbar nach der letzten geldpolitischen Sitzung der Fed gingen die Aktienmärkte in Europa und Asien stark zurück, nachdem der Fed-Vorsitzende Powell angekündigt hatte, dass die Zentralbank in zwei Monaten mit ihren Zinserhöhungen beginnen würde. Am stärksten vom Ausverkauf betroffen waren in Europa und Asien die hochbewerteten Technologieaktien.

Einige Marktteilnehmer sind davon überzeugt, dass die Fed inzwischen so weit hinter der Zinskurve zurückliegt, dass sie ihre Leitzinsen ab März um 50 Bp anheben wird. Davon sind wir nicht überzeugt; unser Team für festverzinsliche Anlagen verfügt jedoch über eine starke, vom Konsens abweichende Überzeugung und rechnet in diesem Jahr mit sieben Zinserhöhungen, während der Markt vier oder fünf Schritte einpreist.

Sollte die Geldpolitik in Übereinstimmung mit unserer Überzeugung aggressiver werden, könnte ein schnellerer Rhythmus bei den Zinserhöhungen der Fed die Marktstimmung beeinträchtigen.

Kürzlich wurden starke US-Inflations- und Arbeitsmarktdaten veröffentlicht (Diagramme 1 und 2), und der für Zinsentscheidungen zuständige Offenmarktausschuss (FOMC) scheint jetzt davon überzeugt zu sein, dass sich die Volkswirtschaft der Vollbeschäftigung nähert und die Inflation nicht nur vorübergehend hoch sein wird.

Der Fed-Vorsitzende Powell merkte an, dass die „Volkswirtschaft in einer völlig anderen Situation“ sei als zu Beginn des letzten Zinserhöhungszyklus: Die Volkswirtschaft verfügt über solide Grundlagen, der Arbeitsmarkt ist gesünder und die Inflation ist höher.

Das wiederholte er während der Pressekonferenz mehrmals und machte die maßgebliche Beobachtung, dass „diese Unterschiede wahrscheinlich wichtige Auswirkungen auf den angemessenen Rhythmus für die Anpassung der Geldpolitik haben werden.“

Die Botschaft im Anschluss an diese Sitzung war in der Tat wesentlich aggressiver als die Signale im ‚Dot Plot‘ der Fed von Dezember, als sich die FOMC-Mitglieder eindeutig einig waren, dass es dieses Jahr drei Zinserhöhungen geben würde.

Auf die Frage, ob die Zinsen eventuell in 50 Bp-Schritten angehoben würden, antwortete Powell, dass bisher noch keine Entscheidungen getroffen worden seien. Er bestätigte damit keine Zinserhöhung um 50 Bp, schloss sie aber auch nicht aus.

Die Bowle wird weggenommen

Der FOMC bestätigte, dass die Fed nach dem Beginn der Zinserhöhungen ihre massive Bilanz deutlich reduzieren würde, indem sie auf die Wiederanlage fällig werdender Anleihen verzichtet – Anleihen, von denen sie während der Pandemie große Mengen gekauft hatte, um die US-Volkswirtschaft zu stützen. 

Jerome Powell kündigte an, dass die Bilanzreduzierung nach der FOMC-Sitzung im Mai oder Juni beginnen könnte. Einige Marktteilnehmer rechnen mit einem aggressiveren Vorgehen der Fed und erwarten eine Drosselung der aktuellen Anleihekäufe um 60 Mrd. USD oder mehr monatlich.

Laut Statista 2022 erreichte die Bilanz der Fed am 18. Januar ein Volumen von 8,87 Billionen USD. Selbst wenn die Fed die gehaltenen Anleihen um 100 Mrd. USD monatlich reduzieren würde, wäre der Umfang ihrer Bilanz Ende 2024 immer noch größer als zu Beginn der Pandemie im Januar 2020 (4,17 Billionen USD).


Wichtige Hinweise

Marketing-Kommunikation. Nur für professionelle Investoren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Hinweis auf die aktuelle oder zukünftige Wertentwicklung. Sofern nicht anders angegeben, wird die Wertentwicklung nach Abzug von Gebühren berechnet. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Dieses Dokument stellt keine Anlageberatung dar. Anlagen unterliegen Marktschwankungen und den mit Anlagen in Wertpapieren verbundenen Risiken. Der Wert von Anlagen und ihre Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihren ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht vollständig zurück. Es ist nicht garantiert, dass der Fonds sein Performanceziel erreicht. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Eine vollständige Beschreibung und Definition der Risiken sind dem letzten verfügbaren Verkaufsprospekt und dem KID des Fonds zu entnehmen. Anleger, die eine Zeichnung eines Fonds in Erwägung ziehen, sollten den aktuellen Verkaufsprospekt und das KID, die auf unserer Website kostenlos vorliegen, sorgfältig durchlesen.

Back to Top