Weekly Market Update – Die Fed lässt den Leitzins unverändert, die EZB erhöht, China lockert. Und dann?

Die US-Notenbank legte in dieser Woche eine Pause in ihrem Zinserhöhungszyklus ein, die Europäische Zentralbank hob ihre Leitzinsen weiter an, die People’s Bank of China senkte die Zinsen und signalisierte eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Diese Schritte waren größtenteils erwartet worden. Einige kleinere Zentralbanken enttäuschten jedoch die Erwartungen, indem sie die Zinssätze anhoben, was weltweit zu einem Anstieg der Renditen von Staatsanleihen führte.   

Die Maßnahmen der Zentralbanken sind nicht synchronisiert und die Inflations- und Wachstumsdaten sind in vielen Ländern uneinheitlich. Des Weiteren werden die Finanzmärkte von stagflationären Wolken überschattet.

Es könnte noch Licht am Ende des Tunnels geben, wenn die Zinspolitik der wichtigsten Zentralbanken zu einer Lockerung übergeht und wenn die Lockerung der chinesischen Geldpolitik das Wirtschaftswachstum festigt. Eine solche Wende könnte die Unternehmensgewinne und die Aussichten für die Aktienmärkte stützen.

Kurzfristig werden die Märkte jedoch wahrscheinlich weiterhin zwischen Risikobereitschaft und Risikoscheu hin- und herpendeln, was auf die unbeständige Stimmung der Investoren und die widersprüchlichen Wachstums- und Inflationssignale zurückzuführen ist.

Botschaft der kleineren Zentralbanken

Die in der vergangenen Woche in Kanada vorgenommene Zinserhöhung um 25 Basispunkte erfolgte, nachdem die Bank of Canada (BoC) ihren Zinserhöhungszyklus während zwei Sitzungen ausgesetzt hatte. Zuvor hatte die Reserve Bank of Australia beschlossen, ihren Leitzins ebenfalls um 25 Basispunkte anzuheben. Diese Entscheidungen trieben die Anleiherenditen weltweit in die Höhe und beeinträchtigten die Stimmung an den Aktienmärkten.

Die Botschaft der BoC war eindeutig: Eine Pause in der Zinspolitik bedeutet nicht zwangsläufig, dass Zinssenkungen folgen werden, wenn sich die Inflation nicht entsprechend den Erwartungen der Zentralbank entwickelt. Sowohl die BoC als auch die RBA begründeten ihre Zinserhöhungen mit positiven Überraschungen bei der Kerninflation.

In der Zwickmühle

Trotz zehn Zinserhöhungen in Folge durch die Fed wächst die US-Wirtschaft weiter. Die Inflation ist vergleichsweise hoch geblieben. Das reale BIP wuchs im ersten Quartal 2023 um 1,3 % gegenüber dem Vorjahr und die Kern-Verbraucherpreisinflation lag im Mai immer noch bei über 5 % und damit deutlich über dem Zielwert der Fed.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung für die zum 3. Juni endende Woche überraschten jedoch den Markt: Sie stiegen um 28.000 auf 261.000 und markierten den höchsten Stand seit Oktober 2021 (siehe Diagramm 1).

Obwohl die Zahl der Anträge im historischen Vergleich immer noch niedrig ist, deutet der jüngste Anstieg auf eine gewisse Lockerung auf dem angespannten Arbeitsmarkt hin. Sollte dies anhalten, wäre es eine Entwicklung, die den Wünschen der Fed entspricht und die der Zentralbank helfen könnte, den Verzicht auf weitere Zinserhöhungen zu rechtfertigen.

Der jüngste ‚Dot Plot’ der Projektionen der geldpolitischen Entscheidungsträger der Fed zeigte jedoch einen starken Konsens darüber, dass in diesem Jahr zwei weitere Zinserhöhungen erforderlich sind, um die Inflation auf das Zielniveau zu bringen. Die Prognosen der Fed für die Wirtschaft wurden angehoben: Für 2023 werden nun ein schnelleres Wachstum und eine robuste Kerninflation vorhergesagt. Die Prognose der Fed zeigt, dass die Bank glaubt, die Wirtschaft könne selbst bei sinkender Inflation eine Rezession vermeiden. 

Trotz Rezession in der Eurozone boomender Arbeitsmarkt

Die Volkswirtschaft der Eurozone befindet sich in einer technischen Rezession, da sie bis zum ersten Quartal dieses Jahres zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem BIP-Wachstum verzeichnete. Deutschland schneidet innerhalb der EU am schlechtesten ab: seine Wirtschaft schrumpfte im vierten Quartal 2022 um 0,5 % und im ersten Quartal 2023 um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal.

Überraschend ist, dass die Beschäftigung immer noch robust wächst, in Q1 2023 um 0,6 % QoQ in der Eurozone und um 0,3 % in Deutschland. Die Kombination aus einem angespannten Arbeitsmarkt und einer hartnäckigen Kerninflation bereitet der EZB weiterhin Kopfzerbrechen: „Die Inflation … wird den Projektionen zufolge zu lange zu hoch bleiben. Wir sind entschlossen, dafür zu sorgen, dass sie rechtzeitig zu ihrem mittelfristigen Ziel von 2 % zurückkehrt“, erklärte die Zentralbank zu ihrer jüngsten Entscheidung. „Die Indikatoren für den zugrundeliegenden Preisdruck bleiben stark.“ Die EZB fügte hinzu, dass die Projektionen für die Kerninflation nach oben korrigiert wurden und führte einen ‚robusten’ Arbeitsmarkt an.

Die Gesamtinflation ist jedoch zurückgegangen, da sich frühere Zinserhöhungen in der Wirtschaft bemerkbar machen. „Die strengeren Bedingungen sind ein Hauptgrund dafür, dass die Inflation voraussichtlich weiter in Richtung des Zielwerts sinken wird, da sie die Nachfrage zunehmend dämpfen dürften“, so die EZB.

Die Aussichten für die Kerninflation bleiben jedoch ungewiss. Deshalb hatte die EZB bisher nur signalisiert, dass der Leitzinszyklus seinen Höhepunkt erreicht haben könnte. „Die Zinsentscheidungen werden weiterhin auf der Bewertung der Inflationsaussichten im Lichte der eingehenden Wirtschafts- und Finanzdaten, der Dynamik der [Kern-]Inflation und der Stärke der geldpolitischen Transmission beruhen“, bekräftigte die EZB.

Ungewissheit in China

Die jüngste pessimistische Haltung der Investoren gegenüber China ist wahrscheinlich auf frühere Wachstumserwartungen zurückzuführen, die sich als zu optimistisch erwiesen haben. In der Tat deuten die meisten Daten nach wie vor auf eine stetige Expansion hin. Bei den Einfuhren war im Mai eine Verbesserung der Inlandsnachfrage zu verzeichnen, wobei das Absatzvolumen um 0,2 % im Monat zunahm. Die Ausfuhren gingen jedoch, wie erwartet, zurück.

China hat nicht das Inflationsproblem der anderen großen Volkswirtschaften (siehe Diagramm 2). Die Kerninflation der Verbraucherpreise stieg im Mai nur um 0,6 % gegenüber dem Vorjahr, und die Erzeugerpreise gingen um 4,6 % zurück. Das Wirtschaftswachstum ist jedoch nicht so stark, wie es die Regierung gerne hätte, und China wird wohl seine Leitzinsen weiter lockern. In der Tat senkte die PBoC am 13. Juni einige Leitzinssätze und die Regierung signalisierte, dass weitere Lockerungsmaßnahmen folgen würden, darunter eine zusätzliche Unterstützung des Immobiliensektors und ‚Window Guidance’ für Banken zur Senkung der Zinssätze.

Um die wirtschaftliche Erholung anzukurbeln und aufrechtzuerhalten, leitet Peking eine weitere Runde der geldpolitischen Lockerung mit Maßnahmen zur Ankurbelung des Verbrauchs und der Investitionen im Privatsektor ein. Dazu gehören eine Lockerung der Beschränkungen für den Erwerb von Wohneigentum, gezielte Liquiditätsspritzen für den Immobilienmarkt, zusätzliche Infrastrukturinvestitionen und gezielte Verbraucheranreize.

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