Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft kann, u. a. durch die Verringerung der Treibhausgasemissionen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen verlangsamen den Verlust der biologischen Vielfalt.
Neben den enormen Vorteilen für die Umwelt bieten sich aber auch Chancen für Investoren.
Es muss die zentrale Aufgabe weltweiten Politik werden, Unternehmen und Verbraucher zur Kreislaufwirtschaft zu motivieren:Reduzieren, Wiederverwenden und Recyceln. Das erfordert die Einführung von Vorschriften und/oder Anreizen, die einer stärkeren Nutzung digitaler Produkte und virtueller Erlebnisse sowie einem besseren Recycling von Gebrauchsgütern und Kleidung förderlich sind.
Die Meinungen der USA, Chinas und der EU mögen in vielen Dingen divergieren, aber über die Dringlichkeit, den Übergang zur Kreislaufwirtschaft zu forcieren, sind sie sich einig. Alle drei haben den Übergang unterstützende Gesetze verabschiedet. Dafür sehen die Regierungen nicht nur sehr gute ökologische Gründe, sondern sie erkennen auch die langfristigen Wettbewerbsvorteile, die sich ergeben, wenn US-amerikanische, chinesische und europäische Unternehmen ihre Tätigkeiten anpassen und überdenken – und sich so einen Vorteil verschaffen, bevor sich die Regeln im Rest der Welt verschärfen.
Die Alarmglocken läuten
Es gibt mehr als genug Beweise für die Notwendigkeit zu handeln. Eine bekannte Messlatte der Earth Overshoot Day. Seit 1971 markiert er das Datum, an dem der Verbrauch der Menschheit an ökologischen Ressourcen und Dienstleistungen in einem bestimmten Jahr das übersteigt, was der Planet im selben Jahr regenerieren kann. In diesem Jahr war der Earth Overshoot Day am 2. August, d.h. 1,7 Planeten wären erforderlich, um den weltweiten Verbrauch in diesem Jahr zu decken.
Durch den steigenden Lebensstandard in den weniger entwickelten Regionen wird sich der Druck auf die Ressourcen der Erde weiter verstärken. Unser derzeitiges lineares Wirtschaftsmodell (nach dem Muster take-make-waste), bei dem Ressourcen abgebaut, Produkte hergestellt und Abfälle entsorgt werden, zerrt an der Substanz unseres Planeten. Ohne eine stärkere Kreislaufwirtschaft wird sich der Verbrauch an Ressourcen 2050 gegenüber 2019 fast verdoppelt haben: 184 Gigatonnen (Gt) in 2050, im Vergleich zu 100 Gt in 2019.
Grund zur Freude
Es gibt jedoch Hoffnung. Der OECD Global Material Resources Outlook bis 2060 von 2019 rechnet mit einem verlangsamten Wachstum des Materialverbrauchs aufgrund des strukturellen und technologischen Wandels. Zudem gibt es viel Raum für leicht zu erzielende Fortschritte. Derzeit werden z.B. über 90% aller Materialien verschwendet. Besorgniserregend ist dagegen, dass der Anteil an Sekundärmaterialien, der in die Weltwirtschaft zurückgeführt wird, gesunken ist, und zwar von 9,1% in 2018 auf 7,2% heute.
Wo also sind Verbesserungen möglich? Den Anfang könnten wir einfach durch stärkeres Recycling unserer elektronischen Geräte machen – beispielsweise in der EU werden weniger als 40% des Elektroschrotts wiederverwertet. Das Recycling des Schrotts verhindert, dass giftige Materialien auf Mülldeponien landen – zum Wohle von Mensch und Natur. Durch die Rückgewinnung wertvoller Stoffe aus elektronischen Geräten werden zudem die natürlichen Ressourcen geschont und bewahrt. Zwar senkt die Elektrifizierung des Verkehrs die Treibhausgasemissionen, aber auch die Antriebsbatterien dieser Fahrzeuge müssen nachhaltiger werden: Das Recycling und die Wiederverwendung von mehr Materialien, die zur Herstellung von Batterien dienen, werden zur Verwirklichung dieses Ziels beitragen. Auch in anderen Bereichen gibt es beim Recycling noch viel Luft nach oben. So erreichte z.B. der Verpackungsmüll in Europa 2017 den Rekordwert von 173 kg pro Einwohner.
Engagement und Investitionen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft
Die meisten negativen Auswirkungen der linearen Wirtschaft gehen auf eine kleine Anzahl von Unternehmen zurück. Etwa 20 Unternehmen der Petrochemie sind verantwortlich für 55% des weltweiten Einwegplastikmülls. Folglich können die Kapitaleigner (wie auch die Verbraucher und andere Interessengruppen) durch ihr Verhalten gegenüber diesen Unternehmen erheblichen Einfluss ausüben.
Darüber hinaus gibt es eine enorme Anlagechance – potenziell etwa 4,5 Billionen USD – durch Investitionen in „Zirkulärakteure“, d. h. in Unternehmen, die den Schwenk zu einer Kreislaufwirtschaft erleichtern. Durch die Entwicklung dieses Sektors werden auch viele Arbeitsplätze geschaffen und das Wirtschaftswachstum angekurbelt. Die Tatsache, dass aktuell bereits etwa die Hälfte der 100 größten Unternehmen der Welt das Ziel verfolgt, die verwendeten Materialien ständig in Gebrauch zu halten, ist wie eine Momentaufnahme, an dem sich der Umfang der Investitionsmöglichkeiten ablesen lässt.
Die Rolle der Investoren
Unserer Auffassung nach haben Finanzinstitute und Vermögensverwalter dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Wir bei BNP Paribas Asset Management haben eine umfassende verantwortungsbewusste Politik entwickelt und investieren direkt in zirkuläre Themen. Unser thematischer Exchange-Traded Fund (ETF) mit einem Volumen von 1 Mrd. EUR bildet den ECPI Circular Economy Leaders Index nach, einen Korb von 50 Aktien von Großunternehmen, deren Auswahl in erster Linie auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) beruht.
Der Index besteht aus Unternehmen, die ihrem Sektor nach von Natur aus kreislauforientiert sind, oder solchen, die höchstwahrscheinlich von der Einführung typischer Praktiken und Geschäftsmodelle der Kreislaufwirtschaft profitieren werden. Zu den wichtigsten zirkulären Geschäftsmodellen und Industriesektoren, die wir auf mögliche Anlagechancen prüfen, gehören die folgenden:
- Kreislauforientierte Lieferungen: Unternehmen, die erneuerbare Energien oder biobasierte oder vollständig recycelbare Materialien als Ersatz für Stoffe mit nur einem Lebenszyklus anbieten. Dazu gehören Sektoren wie erneuerbare Energieerzeugung und -ausrüstung, Biokraftstoffe und Brennstoffzellen.
- Ressourcenrückgewinnung: Unternehmen, die nützliche Ressourcen oder Energie aus entsorgten Produkten oder Nebenprodukten zurückgewinnen. Dazu gehören Sektoren wie die Abfallwirtschaft sowie Umweltdienstleistungen und -ausrüstung.
- Verlängerung der Produktlebensdauer: Unternehmen, die den Lebenszyklus von Produkten und Komponenten durch Reparatur, Upgrade und Wiederverkauf verlängern. Dazu gehören Sektoren wie Bekleidung und Textilien, Autos, Chemikalien und Baumaterialien.
- Sharing-Plattformen: Unternehmen, die die Nutzungsrate von Produkten erhöhen, indem sie gemeinsame Nutzung sowie gemeinsamen Zugang und Besitz ermöglichen. Dazu gehören Sektoren wie Technologie, Mitfahr- und Mitwohnzentralen.
- Produkte als Dienstleistung: Unternehmen, die den Zugang zu einem Produkt anbieten und das Eigentum daran behalten. Dazu gehören Sektoren wie Cloud Computing und Leasing-Dienstleistungen.
Kurz gesagt, der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft dürfte den Druck auf natürliche Ressourcen, Umwelt und Lieferketten verringern und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen. Zudem ergibt sich durch den Übergang aller Wahrscheinlichkeit nach eine Fülle von Anlagechancen für Investoren.
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