Wachstumschancen trotz Unsicherheit: US-Nebenwerte trotzen den Zöllen, Gesundheitssektor besonders vielversprechend

Mit der zunehmenden Eskalation im Handelsstreit hat sich die Stimmung an den US-Aktienmärkten verschlechtert, und die Dynamik hat eine deutliche Kehrtwende vollzogen. Wie geht es weiter mit der US-Wirtschaft und den Märkten? Und wo finden Anleger in US-Aktien noch vielversprechende Titel?

Die jüngste Eskalation der Zollrhetorik hat die Instabilität und Volatilität an den Aktienmärkten erheblich verstärkt. Sollten die Zölle wie angekündigt am „Liberation Day“ in Kraft treten, würden die US-Zölle auf einen durchschnittlichen Satz von über 20 Prozent steigen – ein Niveau, das zuletzt vor über 100 Jahren während der Weltwirtschaftskrise erreicht wurde. Die Auswirkungen auf die Unternehmensaktivitäten und die Verbraucherstimmung sind kaum zu überschätzen und wahrscheinlich noch nicht vollständig in den Aktienmärkten eingepreist. Sollten jedoch Verhandlungen zu einer ausgewogeneren Handelspolitik führen, könnte sich die bisherige Marktreaktion als übertrieben erweisen und es gäbe eine rasche Korrektur nach oben. Die kurzfristige Entwicklung der Wirtschaft und der Märkte hängt stark vom weiteren Verlauf des Handelskriegs ab.

Small Caps: Anleger am Scheideweg

Der jüngste Marktrückgang bei den Nebenwerten Mitte April ähnelte dem früherer schwächerer Rezessionen. Wenn es in den kommenden Quartalen bei einer moderaten Konjunkturabkühlung bleibt, dürften sich die Kurse erholen. Fällt sie dagegen stärker aus oder eine Rezession tritt ein, dann führt dies wahrscheinlich zu weiteren Kursverlusten.  Im letzteren Fall hätte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit Leitzinsen von deutlich über vier Prozent zwar noch viel Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik. Allerdings befürchten Anleger, dass der potenzielle Preisdruck durch die Zölle ihre Handlungsfähigkeit einschränken könnte.

Dennoch preisen die Terminmärkte bis zum Jahresende vier Zinssenkungen ein, und die impliziten Inflationserwartungen (gemessen an den 1-Jahres-Breakeven-Inflationsraten) sind seit ihrem Höchststand Ende Februar um mehr als einen Prozentpunkt auf nunmehr 3,05 Prozent zurückgegangen: Die Sorgen um einen Konjunkturrückgang am Markt scheinen allmählich größer zu werden als die Inflationsängste.

Langfristige Wachstumstreiber für US-Nebenwerte bleiben bestehen

Mittelfristig – oder auch kurzfristig, falls die Zollverhandlungen besser verlaufen als befürchtet – dürften die langfristigen Wachstumstreiber für US-Small Caps bestehen bleiben. Die politischen Kursänderungen der US-Regierung könnten dazu führen, dass

  1. die Zinsen schneller sinken,
  2. sich die Konjunktur stärker auf die Binnenwirtschaft verlagert,
  3. sich der Bewertungsabschlag zwischen großen und kleinen Unternehmen ausweitet, und
  4. sich die Gewinne dramatisch erholen.

Allein niedrigere Zinsen dürften schon dazu beitragen, das stagnierende Kreditwachstum anzukurbeln, die Zinslast des Landes zu verringern und gleichzeitig die Zinsaufwendungen, insbesondere für kleinere Unternehmen, zu senken. Zudem dürften sie die bereits gedämpfte Aktivität bei Fusionen und Übernahmen (M&A) wieder ankurbeln. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den USA hat sich in den letzten zwei Jahren als widerstandsfähiger erwiesen als erwartet, was vor allem auf die robuste Verbrauchernachfrage, den gesunden Arbeitsmarkt und das reale Lohnwachstum zurückzuführen ist.  Dennoch hatten sich viele Aspekte der konjunkturellen Dynamik über die Jahre abgeschwächt. Die aktuelle Konjunkturabkühlung könnte den Tiefpunkt eines langen Abschwungszyklus markieren – und schafft die Voraussetzungen für eine Erholung, auf die sich Anleger oft schon mehrere Monate im Voraus einstellen. Dann stünde die mit Spannung erwartete Ausweitung des Gewinnwachstums und der Marktperformance endlich bevor.

Weiterhin vielversprechend: Gesundheitssektor

Im Gesundheitssektor gibt es nach wie vor eine Fülle von Innovationen, besonders nach den Fortschritten im Bereich der Gensequenzierung in den letzten Jahren. Aus der Umsetzung dieser Analyse in Medikamente werden einige der wirkungsvollsten Innovationen hervorgehen. Antikörper lassen sich inzwischen gezielt mit chemotherapeutischen Wirkstoffen kombinieren. Hinzu kommt die Möglichkeit, das Immunsystem zu nutzen: Man entnimmt T-Zellen aus dem Körper und verändert sie so, dass sie Krebszellen angreifen. Anschließend werden sie wieder in den Körper zurückgeführt. Neue Chancen entstehen außerdem durch Fortschritte in der Gentherapie und den Genbearbeitungstechniken sowie die Möglichkeit, auf RNA-Ebene zwischen dem genetischen Code und den Proteinen, die in Patienten exprimiert werden, einzugreifen. Das Potenzial für die Nutzung der Next-Generation-Sequenzierung und deren Umsetzung in neue Medikamente in den nächsten zehn Jahren ist nach wie vor enorm.

Viele aktive Manager von US-Small-Cap-Fonds meiden Biotech-Unternehmen in der Frühphase aufgrund ihrer Komplexität und ihres binären Performanceprofils – doch mit der richtigen Auswahl birgt dieses Segment ein enormes Potenzial. Zudem erholen sich die M&A-Aktivitäten im Gesundheitswesen: Große Pharmaunternehmen verfügen über viel Liquidität und stehen vor Patentabläufen. Das veranlasst sie zu Übernahmen, um ihre Pipeline aufzufüllen – und das oft mit hohen Aufschlägen. Die Kombination aus der lockeren Geldpolitik der Fed, dem Optimismus in den Vorstandsetagen und der wirtschaftlichen Stabilität könnte diese Dynamik weiter verstärken. Den Small Caps dürfte dies weiteren Auftrieb verleihen – sie stützen die Bewertungen und eröffnen Chancen für Übernahmen mit hohen Prämien im Portfolio.

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