Aktuelle Tech-Korrektur ist keine Dotcom-Blase: Sektor weiter vielversprechend – trotz möglicher US-Rezession

Technologiewerte haben in den vergangenen Wochen enttäuscht. Handelt es sich lediglich um eine Sektorrotation – oder steckt mehr dahinter?

Anleger haben in den vergangenen Wochen Technologiewerte abgestraft: Der NASDAQ-100-Index verlor seit Anfang Juli fast sieben Prozent und fiel vom Höchststand von 20.675,38 auf 19.362,43 Basispunkte (Stand: 31. Juli 2024). Steht hinter dieser Entwicklung lediglich eine zyklische Sektorrotation und die Abflüsse aus dem US-Index NASDAQ 100 und den „Magnificent 7“ sind lediglich überschüssige Luft, die nun aus der Blase austritt, die sich bei Technologieaktien gebildet hatte? Oder handelt es sich um einen größeren Trend?

Investoren nehmen Gewinne mit

Der NASDAQ-Index hat seit Beginn des Jahres 23 Prozent zugelegt, stürzte jüngst jedoch ab. Eine ähnliche Entwicklung verzeichneten jedoch auch andere Märkte: Aktien aus China, Japan und Taiwan hatten zunächst positiv überrascht – China lag 16 Prozent, Japan 26 Prozent und Taiwan 47 Prozent über den Erwartungen –, gaben nun aber nach. Investoren scheinen jetzt also ihre Gewinne in all diesen Märkten mitzunehmen, den Technologiesektor eingeschlossen – die Abflüsse kommen also nicht daher, dass Anleger Tech-Werten nicht mehr zugeneigt sind. Die ersten Nutznießer der so freigesetzten Mittel waren Value-Titel und vor allem auch Nebenwerte (Abbildung 1). Allerdings waren die Gewinne nicht von Dauer, obwohl die anderen Märkte kontinuierlich zurückgingen. Dennoch zeigt die Entwicklung das anhaltende Vertrauen der Investoren in Aktien als Anlageklasse – trotz des aktuellen Wirtschaftsumfelds.

Abbildung 1: Nicht nur der NASDAQ-100 hat im Juli nachgegeben

Die aktuelle Berichtssaison verspricht für den NASDAQ-Index in den kommenden Monaten in der Tat eine gute Performance: Die Gewinne der 27 Unternehmen, die ihre Berichte vorgelegt hatten, sind 14 Prozent höher als noch vor einem Jahr und übertreffen auch die Erwartungen um 3 Prozent. Weitaus schlechter steht es jedoch um Nebenwerte: Die Unternehmen des Russell-2000-Index vermeldeten insgesamt einen Gewinnrückgang von 18 Prozent und liegen damit 2 Prozent unter den Prognosen.

Rezessionsrisiko in den USA

Dennoch: Eine schwache US-Wirtschaft könnte die Aktienperformance belasten. Denn die mittelfristigen Aussichten sind nach wie vor besorgniserregend. Die restriktiven Leitzinsen bremsen die Konjunktur zwangsläufig, und eine Rezession wäre durchaus denkbar. Zwar sehen die jüngsten Daten auf dem Papier gut aus: Inflationsbereinigt wuchs die Wirtschaft zuletzt um 2,8 Prozent an – doppelt so viel wie noch im Vorquartal. Experten und Analysten waren von lediglich 1,9 Prozent ausgegangen.

Doch leider sieht die Realität anders aus. Ein genauerer Blick auf die Komponenten, die zu dem Gesamtwert von 2,8 Prozent beitragen, zeigt ein bescheideneres Bild: Zwar erholte sich die Verbrauchernachfrage (PCE, Personal Consumption Expenditures) nach einem schwachen ersten Quartal, jedoch bleibt der Beitrag von 1,6 Prozent zum Gesamtwachstum unterdurchschnittlich (Abbildung 2). Dazu passen auch die bescheidenen Einzelhandelsumsätze und die Tatsache, dass gerade Menschen mit geringeren Einkommen sich immer weniger leisten können. Gleichzeitig steigen die Lagerbestände an. Das trägt zwar positiv zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei, kann jedoch auch ein Warnsignal sein. Denn: Unternehmen produzieren Waren, die sie nicht verkaufen können. Im Allgemeinen sind Lagerbestände volatil – sie gingen zwei Quartale lang zurück und stiegen jüngst wieder an. Sollte sich dieser Trend auch im kommenden Quartal fortsetzen, ist das ein weiteres Signal dafür, dass sich die Wirtschaft verlangsamt. Hinzu kommen die negativen Nettoexporte. Sie reflektieren die Stärke des US-Dollars sowie die relativ schwache weltweite Nachfrage, vor allem aus Europa und China.

Abbildung 2: BIP-Wachstum der USA schwächer als es scheint

Unternehmen investieren in künstliche Intelligenz

Ein Lichtblick für Anleger ist der Anstieg der Unternehmensinvestitionen. Der Inflation Reduction Act hat US-Unternehmen dazu veranlasst, ihre Investitionen zu erhöhen. Neben klimarelevanten Technologien, Infrastruktur und der Halbleiterproduktion flossen die Gelder vor allem in den Bereich Künstliche Intelligenz (KI), also in Software, Informationsverarbeitungssysteme sowie Forschung und Entwicklung. Für die zukünftigen Erträge in diesem Sektor ist das ein gutes Omen.

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